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Falstaff Talk mit Benoît Gouez: «Der Moët & Chandon Collection Impériale ist das ehrgeizigste Projekt, das ich bis jetzt für Moët & Chandon umsetzen durfte»

Interview
Champagner

Jüngst fand im «Bürgenstock Resort» die Präsentation des neuesten Champagners von Moët & Chandon statt: die Collection Impériale Création N° 1. Falstaff ergriff die Chance, mit Kellermeister Benoît Gouez ein Gespräch über seine Arbeit bei der renommierten Maison zu führen.

Falstaff: Herr Gouez, was war die Idee hinter dem neuen Moët & Chandon Champagner Collection Impériale Création N° 1?

Benoît Gouez: Die Inspiration war der Moët & Chandon «Esprit du Siècle». Diese Cuvée war eine limitierte Edition, von der es nur etwa 250 Magnumflaschen gab. Kreiert wurde sie von meinem Vorgänger Dominique Foulon zur Feier des neuen Jahrtausends. Basis für den «Esprit du Siècle» waren 10 verschiedene Reserveweine, einer pro Jahrzehnt. Die Idee, so alte Jahrgänge als Reserveweine zu verwenden, beeindruckte mich. Ich fand faszinierend, wie viel Tiefe diese der Cuvée verliehen. Mit der Collection Impériale wollte ich diese Idee weiterführen.

Wie war der Weg von dieser anfänglichen Inspiration bis hin zur Entwicklung der Collection Impériale?

Für mich ist der «Esprit du Siècle» im Kern ein Blend aus verschiedenen Weinen, die unter sehr spezifischen Bedingungen reiften. Das brachte mich auf die Idee, eine vierte Dimension in die Collection Impériale einzubringen. Wie bei unserem Klassiker Brut Impérial besteht sie aus einer Mischung von Weinen unterschiedlicher Herkünfte und Jahrgänge. Ich habe diese aber auf drei unterschiedliche Arten gereift: Im Stahltank für fruchtige Noten und im Eichenfass für die Textur und Süsse. Einen Jahrgang liess ich aber acht Jahre lang in der Flasche reifen, um Tertiäraromen und reduktive Noten ins Spiel zu bringen.

Was ist denn die Zusammenstellung der Collection Impériale?

Bei der Collection Impériale handelt es sich nicht um einen Non-Vintage-, sondern um einen Multi-Vintage-Champagner. Die Basis ist also immer ein besonderer Jahrgang, der mit weiteren Jahrgangsweinen assembliert wird. Bei der Collection Impériale Création N° 1 sind es insgesamt sieben. Basis ist der Jahrgang 2013, für den ich mich nach diversen Experimenten entschieden habe. Für mich ist die Collection Impériale die Quintessenz von Moët & Chandon. Sie vereint das ganze Savoir Faire des Hauses in einer Flasche, von der Wahl der Trauben über die Vinifikation bis zur Reifung der Reserveweine. Definitiv das ehrgeizigste Projekt, das ich bis jetzt für Moët & Chandon umsetzen durfte. Ich begann im Jahr 2000 damit!

Wie oft kann man neue Releases dieser Kollektion erwarten?

Wir produzieren pro Jahrzehnt sechs oder sieben Jahrgangschampagner, wovon etwa fünf für die Collection Impériale geeignet sind. Im Keller reifen bereits die Grundweine für die nächsten zehn Jahre. Ich schätze also, dass es alle zwei bis drei Jahre eine neue Création geben wird.

Wie wählen sie die Basisjahrgänge für die Collection Impériale aus?

Der Basisjahrgang muss kräftig sein – manche Jahrgänge sind wunderbar, eignen sich aber nicht für die Collection Impériale. Die erste Ausgabe basiert auf der Energie des Jahrgangs 2013, die nächste wird auf der Struktur vom 2015er beruhen.

Die Colléction Impériale ist ein Brut Nature – also sehr trocken im Geschmack. Warum haben Sie sich für diese Richtung entschieden, Moët & Chandon ist ja sonst immer dosiert?

Seitdem ich Chef de Cave bei Moët & Chandon bin, habe ich viel an der Dosage unserer Brut-Weine geschraubt. Ich habe sie im Durchschnitt um etwa die Hälfte reduziert. Die Collection Impériale plante ich ursprünglich als «Extra Brut». Als ich den Wein während der Reifephase immer wieder degustierte, kam ich jedoch zur Überzeugung, dass er für sich alleine schon hervorragend war und ich eventuell auf die Dosage verzichten könnte. Nach der Reifung bat ich meinen «Head of Wine», verschiedene Muster vorzubereiten, die ich dann blind verkostete. Meine Wahl fiel auf einen Wein, der für mich besonders «echt» schmeckte – ich habe leider kein besseres Wort, um es zu beschreiben. Es war derjenige ohne Zucker, also entschied ich mich, den Collection Impériale als Brut Nature auf den Markt zu bringen. Die Collection Impériale Création N° 1 ist übrigens der erste Brut Nature von Moët & Chandon und auch der erste Prestige-Champagner ohne Dosage!

Wird sich die Rezeptur mit jedem neuen Release verändern?

Konstant wird bleiben, dass es sich bei jeder Création um einen Multi-Vintage-Champagner handeln wird. Zudem werde ich die drei Arten, die Weine zu reifen, beibehalten. Was die Dosage angeht, bin ich mir noch nicht sicher. Es kommt auf die Weine an, darauf, ob sie auch ohne Zucker das richtige Gleichgewicht haben. Wir haben aber bereits begonnen, die nächste Création zu degorgieren und ich kann verraten, dass es sich auch bei der Création N° 2 um einen Brut Nature handeln wird. 

Die Collection Impériale wurde in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Künstler Daniel Arsham veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Wir waren auf der Suche nach einer Kollaboration, um die künstlerische Seite der Collection Impériale zu unterstreichen und stiessen auf Daniel Ashram, der sich als perfektes Match entpuppte. Es gibt einige Gemeinsamkeiten zwischen seiner Kunst und unserer Philosophie für die Collection Impériale: Wir bearbeiten Materialien. Daniel ist vor allem Bildhauer, er formt also Materialien, genauso wie wir die verschiedenen Jahrgänge formen, indem wir sie auf unterschiedliche Arten reifen. Eine weitere Gemeinsamkeit ist der Faktor Zeit. Daniel arbeitet als «fiktiver Archäologe», denn er nimmt Objekte aus der Gegenwart und schickt sie sozusagen in die Zukunft, um sie danach zurück ins Jetzt zu holen. In der Zwischenzeit werden sie beschädigt, sie erodieren, verwachsen mit Kristallen. Diese Verwebung der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hat die Collection Impériale mit Daniel Arsham gemeinsam.

Danke für das Gespräch, Benoît Gouez.


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Larissa Graf
Larissa Graf
Autorin
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