Zum Inhalt springen
Foto beigestellt

Fine Wine: Wie geht es weiter?

INVESTMENT
Weinauktion
Finanzen

Diese Statements wichtiger Marktakteure geben Übersicht über einige spannende Details des derzeitigen Marktumfeldes für Wein-Investment.

Provenance wird immer wichtiger

Amayes Aouli, Bonhams’ Global Director of Wine & Spirits

Was wir weltweit beobachten, ist kein Rückgang des Interesses, sondern eine Reifung des Marktes. Die Käufer sind zunehmend sachkundig und diszipliniert, und Auktionen bleiben die transparenteste und effizienteste Plattform für die Preisfindung und dafür, außergewöhnliche Weinkeller einem internationalen Publikum zugänglich zu machen. Das zeigt sich an einer wachsenden Aufmerksamkeit für einzigartige Sammlungen aus einer Hand mit einwandfreier Provenienz. Wenn ein Weinkeller mit einer einzigartigen Geschichte auf den Markt kommt, reagiert die weltweite Sammlergemeinschaft positiv.

© Fatima Jellaoui

Die nächste Generation von Sammlern beginnt sich zu engagieren

Matthew Floris, Sotheby’s, London

Der Auktionsumsatz bei Sotheby’s stieg im Jahr 2025 gegenüber 2024 um zwölf Prozent und belief sich auf 127,5 Millionen US-Dollar. Bordeaux konnte das Niveau von 2024 nahezu verdoppeln und stieg auf 28 Prozent des Umsatzes, während Burgund mit 39 Prozent des Umsatzes weiterhin führend war. Ein Drittel der Käufer war zum ersten Mal bei Sotheby’s vertreten, wobei 50 Prozent unter 50 Jahre alt waren und die Hälfte davon sogar unter 40 – ein Zeichen für das starke Engagement der nächsten Generation von Sammlern und ein stetig wachsendes Publikum.

© Sotheby‘s

Bordeaux ist das Zugpferd, Österreich der hidden champion

DI Philipp Freiherr von Hutten, Dorotheum, Wien

Wir sehen, dass die Käuferschicht bei unseren Auktionen immer internationaler wird. Mit unseren Verkaufsquoten (bei den letzten vier Auktionen zwischen 93,6 und 96,4 Prozent) liegen wir deutlich vor der Konkurrenz. Und die Käufer bieten in den letzten zwei Jahren kontinuierlich höher: Lagen die erfolgreichen Gebote in der Frühjahrsauktion 2024 noch im Schnitt 32,1 Prozent über dem Ausrufpreis, stiegen die Zuschlagspreise in der Herbstauktion 2025 durchschnittlich um 42 Prozent und in der diesjährigen Frühjahrsauktion um 42,2 Prozent über den Rufpreis. Bordeaux ist das Zugpferd in unseren Auktionen, hochpreisige Burgunder finden weiterhin nur schwer Käufer. Österreich ist der hidden champion in unseren Auktionen: mit Verkaufsquoten bis zu 98,3 Prozent und hohen Steigerungsraten mit einem Aufpreis von 49,6 Prozent. Sechs österreichische Winzer (Hirtzberger, F.X. Pichler, Heinrich, Triebaumer, Pöckl, Knoll) sind in den Top 30 der meistverkauften Betriebe.

Fotos beigestellt

Weine aus D-A-CH im hochwertigen Segment durchaus sichtbar

Angélique de Lencquesaing, iDealwine, Paris

Im Jahr 2025 wurden über unsere Tochtergesellschaft International Wine Auction insgesamt 297.654 Flaschen (umgerechnet auf 75 cl: 309.924 Flaschen) versteigert – ein Anstieg um 18,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Burgund bleibt wertmäßig die wichtigste Region (41,3 Prozent), während Bordeaux beim Volumen führend ist (34 Prozent). Die drei klassischen Regionen – Bordeaux, Burgund und Rhône – dominieren weiterhin mit 72 Prozent der versteigerten Mengen, ihr Anteil ist jedoch innerhalb von zehn Jahren um 10 Prozentpunkte gesunken. Dieser Rückgang spiegelt kein nachlassendes Interesse wider, sondern vielmehr eine zunehmende Öffnung des Marktes hin zu neuen, dynamisch wachsenden Regionen. Weine aus D-A-CH bleiben eine Nische, sind im hochwertigen Segment aber durchaus sichtbar, etwa mit Egon Müller, K.P. KellerJJ Prüm und Dönnhoff, mit Gantenbein und Chappaz sowie mit Kracher, F.X. Pichler und Hirtzberger.

© Idealwine

Der nächste Boom wird von reifen Jahrgängen ausgehen

James Miles, Liv-Ex, London

Wir sehen den Markt momentan in einer Stabilisierungsphase. 2024 gab es massiv zu große Lagerbestände in China und entsprechende Rabatte. Aber die sind abgebaut, und jetzt wachsen die Importe nach China langsam wieder. Sie sind zwar immer noch nur bei 50 Prozent der besten Jahre, aber jetzt ist der Import von Nachfrage getrieben und nicht von Spekulation. Ein Trend, den man auf jeden Fall ansprechen muss, ist die asynchrone Erholung zwischen reiferen und jüngeren Jahrgängen. Bei den Bordeaux-Jahrgängen vor 2011 sehen wir auf unserer Plattform ein Bid-Offer-Ratio von 1,26: Das heißt auf jedes Angebot kommen statistisch gesehen 1,26 Kaufgesuche. Bei den Jahrgängen mit und nach 2011 kommen 0,32 Kaufgesuche auf jedes Angebot. Das heißt: Der nächste Boom wird von den reiferen Jahrgängen ausgehen. Und das hilft dem ganzen Markt. Denn dann sehen die jüngeren Weine plötzlich wieder preisgünstig aus.

Foto beigestellt

Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
Mehr zum Thema
1 / 12