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© Shutterstock/sceliano

KI kann nicht schmecken. Warum lassen wir sie unseren Wein wählen?

Sommelier
Künstliche Intelligenz

Immer mehr Gäste lassen sich bei der Weinwahl von KI helfen. Was bedeutet das für die Weinkarten der Zukunft und die Sommeliers?

Es klingt fast wie eine Dystopie: Gäste fotografieren die Weinkarte, tippen ein paar Fragen ein und lassen sich anschließend von einer Künstlichen Intelligenz (KI) beraten. Die Beratung des Sommeliers ist damit überflüssig. Die US-Zeitung New York Times beschreibt, wie Tools wie ChatGPT, Claude oder Gemini in Restaurants zur Entscheidungshilfe werden.

Für viele ist die Beratung der KI eine mentale Entlastung. Etwa für den New Yorker Spencer Herbst, denn dieser nennt die Weinkarte in der New York Times »ein Quiz, auf das man sich nicht vorbereitet hat«. Also lädt er Fotos hoch und bittet um Empfehlungen. Ganz an das Essen und das Budget angepasst. In Restaurants ohne Sommelier beugt er so Fehlbestellungen vor, in jenen mit einem Sommelier kann er die Bestellung selbstbewusster tätigen und informiertere Gespräche mit Sommeliers führen.

Sommelier in der Hosentasche

Herbsts Bestellverhalten deckt sich mit Beobachtungen aus der Branche. Im Artikel berichten Gastronomen, dass Gäste gezielter und pointierter nach Weinempfehlungen fragen. Manche Restaurants trainieren ihre Teams bereits darauf, mit KI-informierten Gästen umzugehen. Es ist eine Entwicklung, die viele Sommeliers selbst gelassen sehen. So auch Claudia Rosellini, Weindirektorin im Restaurant Bavel in Los Angeles. Sie beschreibt KI als »Ausgangspunkt«.

Der NYT-Weinkritiker Eric Asimov erklärt, dass die KI durchaus solide Antworten liefert – wenn auch oft nicht die überraschendsten. Die Kreativität der KI ist begrenzt, die Vorschläge logisch, aber berechenbar. Das wird auch in Fachkreisen diskutiert. Die KI wird in Newslettern wie Cellar Notes oder bei Bon Appétit als nützliches Hilfsmittel beschrieben, einen Sommelier wird sie jedoch nicht ersetzen können. Sie kann dabei helfen, eine gute Vorauswahl zu treffen, doch kennt sie keine Jahrgangsnuancen, Kellerstimmungen oder Handschriften kleiner Weingüter.

Wie AI den Sommelier ergänzt

Diese Veränderungen bergen für die Gastronomie durchaus Vorteile. Gäste, die sich gut vorbereitet fühlen, bestellen eher und trauen sich, Neues zu kosten. Doch was ist mit den Sommeliers? Die KI kann zwar treffsichere Ergebnisse berechnen, doch kann sie nicht zwischen den Zeilen lesen und erkennt demnach nicht, ob ein Tisch feiern will oder Ruhe sucht. Um es mit den Worten von Gastronom Chase Sinzer, der in der NYT folgendermaßen zitiert wurde, zu sagen: KI ist kein charismatischer Sommelier. Sie bringt keine Menschen zum Lächeln.


Miriam Al Kafur
Digital Redakteurin
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