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»Lenis Wine & Dine«: Kulinarische Aufbauarbeit in Dingolfing

Neueröffnung
Bayern
Sommelier

Falstaff-Sommelier des Jahres 2023 Jochen Benz sperrte noch mit Jan Hartwig die Türen des Münchner »Jan« auf, dann wechselte er aus gesundheitlichen Gründen in ruhigere Gefilde: Im neu eröffneten »Lenis Wine & Dine« in Dingolfing sorgt er seit Herbst 2024 für Spaß im Glas – eine gute Nachricht für alle Freunde von lässigem Hochgenuss.  

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt: Jochen Benz gilt als einer der versiertesten Sommeliers des Landes. Einst lernte er Feinmechaniker, was eine schöne Brücke zu seiner heutigen Profession baut, denn Weinkorrespondenz auf hohem Niveau ist ja nichts anderes: Feinmechanik. Benz arbeitete im Hotel »Victoria« in Bad Mergentheim, im »Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe« oder im »Atelier« im Bayerischer Hof in München. Mit Jan Hartwig sperrte er noch die Türen zum Dreisterne-Restaurant »Jan« auf, dann zog er aus gesundheitlichen Gründen die Reißleine. Kapitel geschlossen. Neues Kapitel aufgeschlagen: Seit Herbst 2024 ist er im »Lenis Wine & Dine« beschäftigt.

Erst im Oktober wurde das Lokal im bayerischen Dingolfing eröffnet, wo unter anderem eines der größten BMW-Werke liegt. Ursprünglich schwebte Geschäftsführerin Magdalena Mitterhuber eine Vinothek samt Bistro vor, eine Marktlücke an dem Standort: »Easy Drinking hatte ich im Sinn, vielleicht Tiroler Küche«, sagt sie. Dann kam eines zum anderen, wie das Leben eben manchmal so spielt. Sie konnte Sinar Tayyara als Küchenchef gewinnen, der bei Bobby Bräuer oder im »Mural« am Herd stand. Zudem wollte und musste Jochen Benz sich beruflich verändern. Das Konzept wurde also kurzerhand dem hochkarätigen Team angepasst, die Bistrotische rausgeworfen, heraus kam Casual Fine Dining im beschaulichen Dingolfing.

»Der Druck ist weg«

Mittags steht zwar eine abgespeckte Speisekarte mit Feldsalat, Kaspressknödel und Fischsuppe zur Verfügung – auch an der Vinothek hat Mitterhuber festgehalten – aber das konzeptionelle Pendel schlägt gen Abend, wo Gäste die Wahl zwischen einem klassischen und vegetarischen Menü mit drei, vier oder fünf Gängen haben. Aktuell gibt es etwa Ravioli mit Belper Knolle, Ei und Baby-Spinat oder Wachtel mit Birne und Kardamom. Die weißweingeprägte Weinkarte befindet sich freilich noch im Aufbau, hat aber schon tolle Jahrgangstiefe. »Der Druck ist trotzdem weg, diese 1000-prozentige Perfektion muss hier nicht sein«, sagt Benz – und wird nicht einmal rot, wenn er einem ins Gesicht lügt …

 

Schon eine Stunde später ist er schließlich im Element, flitzt zwischen den Tischen umher und zieht enthusiastisch Korken aus Flaschen. Wenn man ihn so sieht, dann kommt man unweigerlich auf die Idee, dass in Zukunft alle Sommelièren und Sommeliers aus Sternerestaurants per Generalerlass zur kulinarischen Aufbauarbeit in anderen Lokalen und Gasthäusern verpflichtet werden müssen. Zumindest als Leiharbeiter. Gesetzlich vorgeschrieben und subventioniert. Denn wer das »Lenis Wine & Dine« ohne Genussimpuls verlässt, dem ist nicht zu helfen. Ein Gast am Nebentisch entpuppt sich etwa als vermeintlicher »Rieslinghasser«. Zack steht ein Glas 2018er Riesling vom Rotliegenden von Kühling-Gillot auf dem Tisch. Wenn nicht schon das Bouquet alle Vorurteile hinwegfegt, tut es spätestens der erste Schluck. Der Gast schnalzt anerkennend mit der Zunge.

Festgefahrenen Burgundertrinkern schenkt Benz einen Chardonnay aus Mallorca ein. Wer ihm einen heillosen Hang zur Klassik unterstellt, hat plötzlich Xarel.lo-Cava, autochthonen Teroldego oder unfiltrierten Trollinger im Glas: »Man muss genau zuhören, aber manchmal mache ich mit Absicht das, was die Gäste nicht wollen – damit kann ich überraschen«, sagt Benz. Da setzt der Sommelier sich dann auch mal locker für einen kurzen Schnack auf die Bank neben seine Stammgäste. Im »Bayerischen Hof« wäre das wohl kaum möglich gewesen – vielleicht also doch alles etwas entspannter als früher…


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Hannes Finkbeiner
Autor
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