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© Katharina Schiffl & Shutterstock

Opernball ohne Lugner? Echt jetzt?

Opernball

Richard Lugner prägte – nicht immer zur Freude aller – den Opernball mit. Lugner verstarb am 12. August 2024 im Alter von 91 Jahren.

Es gibt Persönlichkeiten, deren Abwesenheit unvorstellbar ist, Leuchttürme, auf die wir uns scheinbar verlassen können – doch auch sie müssen einmal erlöschen. Marcel Prawy (1911–2003) war ein solcher Leuchtturm für die Wiener Staatsoper. Und Richard Lugner (1932–2024) war der Prawy des Opernballs, der bekanntlich nur einmal im Jahr dort stattfindet, dann aber fast so viele mediale Wellen schlägt wie die künstlerischen Darbietungen im Rest des Jahres insgesamt.

Jetzt mal sachlich: Es hat zig Opernbälle vor Richard Lugner, also ohne ihn, gegeben, wobei die erste Ballveranstaltung dieses Namens im Haus am Ring erst drei Jahre nach seiner Geburt abgehalten wurde. Und nun muss es wieder Opernbälle ohne ihn geben. Aber wird es noch derselbe Spaß sein? Was ist der Opernball ohne Lugner? Das sind bange Fragen, die nicht nur mir in den letzten Monaten mehrfach gestellt wurden. Da hilft es nichts, festzuhalten, dass der Baumeister dem Ball mindestens ebenso viel verdankte wie umgekehrt. Und meine Scherzantwort (»Wer ist der neue Lugner?« – »Ich. Und mein erster Gast ist Karl Hohenlohe.«) tröstet schon gar nicht. Rufen wir ihm lieber nach: »Richard, du warst einzig!«

Komplett hieß er ja Richard Siegfried Lugner, wobei man ihm den zweiten Vornamen nicht anmerkte. Den Spitznamen »Mörtel« schon eher. Der Selfmade-Man schuf zahllose Gebäude, ein Einkaufszentrum (»City«) und eine TV-Sendung (»Soap«). Seine Gattin »Mausi« wurde 2007 Exgattin, auf sie folgte eine unübersehbare Zahl weiblicher Begleiterinnen mit tierischen Spitznamen, die Lugner Gesellschaft in der Society leisteten: »Hasi«, »Käfer«, »Bambi«, »Katzi«, »Kolibri«, »Spatzi«, »Zebra« … man möge dem Chronisten nachsehen, wenn er die eine oder andere Dame vergessen hat.

Ab 1992 sorgte Lugner als Ball-Stammgast für vornehmlich weibliche Logenbegleitung. Wenn nicht gerade ein Starlet erwähnte Loge gen Toilette und anschließend in Richtung Ausgang verließ, fühlte er sich auf dem Event wohl wie ein Pudel. Die TV-Kamera erwischte ihn einmal beim totalen Adoptionsversuch, als er sprach: »Der Lugner-Ball war ein großer Erfolg«.

Parade gemieteter Stars

Begonnen hatte die Parade der gemieteten Stars mit dem Entertainer Harry Belafonte. Auf ihn folgten Joan Collins (im Brotberuf »Biest« aus der Serie Denver-Clan), Ivana Trump, tschechischstämmige Ex-Gattin des schon-wieder-US-Präsidenten, die mit Deutschkenntnissen brillierte (»Sehr scheen, sehr scheen«), dann glänzte Sophia Loren in aufsehenerregender Goldrobe. 1996 nahm Grace Jones in der Baumeisterloge Platz und wurde nach Mitternacht von Richard Siegfried in einem wilden Boogie-Woogie übers Parkett geschleudert. Zuvor hatte das Pop-Enfant-Terrible ihren Interviewer Alfons Haider mit dem Satz verwirrt: »I wouldn’t mind making love with my boyfriend in one of the booths.« Alfons übersetzte jugendfrei, dass ihr der Sinn nach Händchenhalten in einer der Logen stünde. 1997 erschien Prinzessin Sarah Ferguson (von Lugner zärtlich »Fördschie« genannt), dann die Hollywood-Kaliber Raquel (»Rackl«) Welch und Faye Dunaway (»Feedannawee«). Die Ball-Jahrhundertwende feierte Lugner mit zwei Gästen: Jacqueline Bisset und der TV-Moderatorin Nadja Abd el Farrag, deren Kosename leider »Naddel« lautete.

Die Burlesque-Künstlerin Dita Von Teese sorgte 2008 für Verwirrung bei Ballgast Tobias Moretti: »Wieso hoaßt die Dieter, wann’s a Frau is?« Auch ein Dieter (Bohlen) verlief sich für Geld in Lugners Loge, weiters Larry Hagman, ehemaliger Dallas-Star, den man ohne Hut kaum erkannte, sowie Sir Roger Moore, erkennbar auch ohne Kanone.

Ein Fast royaler Abschluss

Brigitte Nielsen (»Red Sonja«, aber blond) überragte ebenso wie Brooke Shields den Gastgeber um Haupteslänge, Goldie Hawn und Melanie Griffith begegnete er wieder auf Augenhöhe. Sein Respekt für weibliche Körperformen wurde dem Baumeister 2020 zum Verhängnis: Lindsay Vonn hatte bereits zugesagt, als Lugner bei seiner Pressekonferenz im Vorfeld ein Foto der nahezu nackten Skirennläuferin in die Höhe hielt. Dies bewog Frau Vonn zur Absage. Ein neuer, vollständig bekleideter Star wurde gefunden: die elegante Ornella Muti. Kari & Christoph kommentierten: »Die Muti spricht ein bisschen Deutsch und passt damit perfekt zu Richard Lugner, denn der spricht ja auch ein bisschen Deutsch.« Und fast eine »Royal«, nämlich Priscilla, die Witwe des »King« Elvis Presley, war im Jahr 2024 Lugners letzter Gast.

Es wird nicht mehr so, wie’s einmal war. Danke, Richard!


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Christoph Wagner-Trenkwitz
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