Osaka als Hotspot für Genuss und Kultur
Die Kreativität und Verspieltheit, mit der die Köche in der Hafenstadt Osaka in Garküchen und Spitzenrestaurants arbeiten, ist einzigartig. Und noch bis Ende Oktober läuft hier die Expo 2025. Höchste Zeit für einen Besuch.
Die Expo 2025 in Osaka ist eine bunte Mischung aus Vergnügungspark und UN-Gipfel. Es gibt ein vergoldetes Amphitheater, einen »Wald der Ruhe« und Themenpavillons aus 39 Nationen. Außerdem menschenfreundliche Roboter, fliegende Autos, Technologien der nächsten Generation und schätzungsweise 28 Millionen Besucher – begrüßt von einem Maskottchen mit fünf Kulleraugen, das einem Zyklopen mit zwei humanoiden Freunden ähnelt.
So verspielt wie die Expo ist auch die Stadt Osaka selbst – herrlich chaotisch und doch sehr entspannt. Während der Edo-Periode (1603 - 1868) war Osaka Japans kommerzielles Epizentrum, eine strategisch wichtige Hafenstadt mit einer ausgeklügelten Infrastruktur und dem ersten Terminmarkt der Welt, der Dõjima-Reisbörse. Da hier Zutaten aus allen Regionen gehandelt wurden, wurde die Metropole als Tenka no Daidokoro, die Küche der Nation, bekannt. Dieser Überfluss an Waren hat eine beeindruckende kulinarische Kultur, eine Leidenschaft für Lebensmittel und eine Abneigung gegen deren Verschwendung hervorgebracht. In Osaka isst man nicht nur, man kuidaore, das bedeutet: man stopft sich voll, bis man umkippt oder nichts mehr im Geldbeutel hat.
Essen bis zum Umfallen
Der beste Ort, um mit dem »Kuidaoring« zu beginnen, ist das Dotonbori-Viertel, ein Durcheinander aus blinkendem Neonlicht, klimpernden Klingeln und verführerischen Düften, die aus den unzähligen Tavernen strömen, die sich um den Kanal gruppieren. Menschenmengen drängen sich in den Straßen. Jede Fassade ist mit kulinarischen Verlockungen geschmückt: Bauchige Kugelfische werben für die möglicherweise giftige Delikatesse Fugu; runde Tintenfische versprechen Takoyaki, mit Weichtieren gefüllte Teigbällchen, die einem den Mund versengen, wenn man sie direkt vom Rost isst; und im »Kani Douraku« lockt eine mechanische Krabbe die Gäste, sich an Krustentieren zu versuchen, so wie es Anthony Bourdain im selben Restaurant getan hat. Es gibt Nudelläden, Wagyu-Paläste und farbenfrohe Kioske. Natürlich gibt es auch Bars und Clubs. Und jede Menge Okonomiyaki, ein üppiger, schmackhafter Pfannkuchen, der Osakas »Mehr-ist-mehr«-Ethos wahrhaftig definiert.
Abseits der Hauptstraße beginnt ein Labyrinth von Gassen mit einer Vielzahl von Restaurants, manche groß, manche winzig klein. Wer die japanischen Schilder nicht lesen kann, entscheidet sich einfach für irgendeines der Lokale – die Chance steht gut, nicht enttäuscht zu werden.
Shigeru Okadas Fischlokal hat nur vier Plätze; bedient werden immer nur Menschen, die einander kennen, selbst wenn es nur zwei Gäste sind. Der rüstige alte Mann summt Popsongs, während er Sashimi in einer riesigen Küche zwischen wippenden Türmen aus zerbrechlichem Geschirr zubereitet. »Ich bin erst seit zehn Jahren hier, aber ich koche seit 49 Jahren. Jeden Morgen um 7 Uhr kaufe ich auf dem Fischmarkt ein, um 17 Uhr öffne ich das Geschäft, um Mitternacht gehe ich nach Hause und um 3 Uhr schlafe ich ein«, erzählt er, während er eine bebende Auster mit einem Schuss japanischen Whiskys aufpeppt. Der Whisky-Trick verleiht der cremig-spritzigen Auster eine torfige Rauchnote. »Dieses Gericht ist meine eigene Erfindung«, strahlt er.
Die Kreativität, mit der die Köche Osakas kochen, ist einzigartig. Ein einfaches Tamagoyaki-Ei-Omelett in einem bescheidenen Yakitori-Restaurant kann genauso aufregend sein wie ein gehobenes Omakase-Menü von einem berühmten Chefkoch.
Wer einen Einheimischen fragt, warum das so ist, wird hören, es liege am hervorragenden Dashi, der umamihaltigen Brühe, die die Grundlage der gesamten japanischen Küche ist.
Geschmack durch Dashi
Auf dem Kizu-Markt verkaufen die Verkäufer verschiedene Arten von Kombu (Seetang) und Katsuobushi, auch bekannt als Bonitoflocken aus getrocknetem Echtem Thunfisch, die in die berühmte Brühe gegeben werden.
»Unsere Dashi ist leichter und raffinierter, weil wir Fisch von höherer Qualität verwenden«, erklärt der Bonito-Händler Horie San, während er seinen Hut zurechtrückt und mit einem Stück des harten Fisches gestikuliert. »Katsuobushi ist teuer, weil die Herstellung sehr zeitaufwändig ist. Ich rasiere die Flocken von Hand, das macht heute keiner mehr«, fügt er hinzu.
Kizu ist der einzige Markt Japans mit einem öffentlichen Badehaus, was wiederum beweist, dass Osaka die Dinge anders angeht. Er liegt nicht weit vom kitschig-coolen Shinsekai entfernt, dem ehemaligen Standort eines Vergnügungsparks des Fin de Siècle, der vom Tsūtenkaku-Turm, einem eiffelturmähnlichen Bauwerk aus dem Jahr 1912, dominiert wird. Damals war er das zweithöchste Gebäude Asiens, heute ist er eine retrofuturistische Touristenattraktion mit Aussichtsplattform und einem knalligen Geschenkeladen.
Die Jahrmarktsatmosphäre des Shinsekai ist noch immer spürbar. Alte Schießbuden flankieren Süßigkeitenläden, die an einen Friseur grenzen, der 700 Yen (4 Euro) für einen Haarschnitt verlangt.
Neben einem hippen Hostel steht eines der legendärsten Restaurants der Stadt: Das »Daruma«. Es existiert seit fast 100 Jahren, 1929 wurde es eröffnet.
Im »Daruma« wurde Kushikatsu erfunden, die allgegenwärtige Osaka-Spezialität aus in Panko-Kruste frittiertem, aufgespießtem Fleisch und Gemüse. Die wichtigste Regel beim Essen von Kushikatsu ist, das Essen nicht zweimal in die dazugehörige würzig-süße Soße zu tunken. Davor warnt auch das Logo des »Daruma«: ein wütender Koch, der zwei gekreuzte Spieße hält.
Genuss im Untergrund
Eine weitere Grundregel: Wer Osaka wie ein Einheimischer erkunden will, muss sich in seine Schattenseiten wagen. Für Uneingeweihte sind die vier Ekimae-Gebäude in der Nähe des Osakaer Bahnhofs nur unscheinbare Bürotürme in einem luxuriösen Viertel. Für diejenigen, die sich auskennen, sind sie ein Sammelsurium des Hedonismus, das sich über zwei miteinander verbundene riesige Untergeschosse erstreckt. Ein verblüffendes Labyrinth aus 400 Izakaya-Kneipen, Tachinomi (Stehbars) und dem einen oder anderen zwielichtigen Massagesalon.
Der Frohsinn der Stadt erstreckt sich sogar auf die Abfallentsorgung. Und wenn man die Plastikstrohhalme bedenkt, gibt es eine Menge Abfall zu entsorgen. Das geschieht in einer Müllverbrennungsanlage, die von Friedensreich Hundertwasser entworfen wurde – so wie er es auch für die Stadt Wien getan hat. Die Anlage mit den blauen, gewölbten Türmen, 500 schrägen Fenstern und mit goldenen Kugeln geschmückten Mosaikwänden steht gegenüber der Expo 2025 auf der Insel Maishima und kann besichtigt werden.
Zumindest, wenn Zeit bleibt neben all den anderen Verlockungen der Stadt. Von Museen, historischen Stätten und kulturellen Aktivitäten bis hin zu feinem Essen, gehobenem Shopping und anderen verschwenderischen Unternehmungen. Die Lage Osakas in der Nähe von Kyoto, Nara, Hiroshima und Naoshima macht die Anreise einfach, und Osakas Freundlichkeit ist die perfekte Einführung in die japanische Kultur. Die pulsierende Gastroszene ist ohnehin einzigartig.
Anreise
ANA - All Nippon Airways fliegt täglich über Tokio-Haneda aus Wien, München und Frankfurt nach Osaka.
ana.co.jp/en
Auf der Website von Visit Japan kann man sich online registrieren, um sich auf die Einwanderung und die Zollabfertigung bei der Einreise vorzubereiten. Das ist nicht obligatorisch, aber beschleunigt die Dinge bei der Ankunft.
services.digital.go.jp/en/visit-japan-web
Informationen über die Osaka Expo 2025:
expo2025.or.jp/en
Allgemeine Information bei der Japan National Tourism Organization:
japan.travel/en