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© Fie Fraenkel

Preise wie vor zwanzig Jahren? Ein Essen im »Bouillon« in Hamburg

Hamburg
Frankreich
Bistro

Gerade geht eine kleine Sensation an den Start. Das »Bouillon« am Hamburger Rathaus serviert nicht nur tadellose französische Klassiker, sondern überzeugt auch durch seinen perfekten Pariser Bistrostil. Und: Die Rechnung nach dem Genuss schmeckt wie das Dessert – süß!

Kurz vergisst man völlig, dass man in Hamburg ist. Das »Bouillon« schafft es sofort, sich wie in einem Pariser Bistro zu fühlen. Das Ambiente mit kleinen, weiß gedeckten Tischen, Caféhausstühlen und mit grünem Leder bezogenen Bänken, dazu die über fünf Meter hohen, stuckverzierten Decken, Kunstplakate an den Wänden und ein Heer von schwarz beschürztem Servicepersonal – très français! Und auch die Karte ist sehr französisch: Salat de chèvre chaud, Steak frites mit Kräuterbutter und Mousse au chocolat. Dazu eine kleine, saisonale Auswahl wie jetzt zur Spargel- und Rhabarberzeit.

Torben Klitbo hat das »Bouillon« in direkter Nachbarschaft zum Hamburger Rathaus platziert. Zentraler und prominenter geht es kaum. Der Däne betreibt schon erfolgreich drei weitere »Bouillon«-Restaurants in Kopenhagen, Aarhus und Odense. Mit dem Standort Hamburg hat er sich einen lang gehegten Traum erfüllt. »Ich bin in Sønderborg geboren und aufgewachsen, ganz nah an der deutschen Grenze. Als Kind und junger Mensch war Hamburg für mich immer die große Stadt – spannend, international und nur rund zwei Stunden entfernt. Deshalb hatte ich schon immer eine besondere Beziehung zu Hamburg und schon länger das Gefühl, dass das Bouillon hier gut passen würde«.

Eine Reise nach Paris – und in die Vergangenheit?

Das Besondere am »Bouillon« ist aber nicht nur, dass es Pariser Flair nach Hamburg holt. Sondern es sind die Preise, die es für die Speisen aufruft. Ein Rindertatar für knapp fünf Euro, ein Steak mit Pfeffersauce für 16,20 Euro, eine Crème brûlée für vier Euro, das Glas Wein für einen Euro mehr. Und: Die Qualität stimmt! Wie schafft es Torsten Klitbo die für kleines Geld anzubieten? »Wir machen viel selbst, die Kräuterbutter, die Dressings, Saucen, die Törtchen und Tartes«, lautet die Begründung.

Der gelernte Koch, der seine Ausbildung mit der Silbermedaille abschloss, die höchste Auszeichnung in der Dänischen Kochausbildung: »Es ist ja keine große, französische Kochkunst, die wir da offerieren, sondern ehrliches und gut zubereitetes Essen, das nicht mehr kosten soll als die Pizza oder der Burger um die Ecke. Das Bouillon ist ein Restaurant für alle Menschen, in dem es schnell geht und wo man es sich leisten kann, öfter zu kommen.«

Vorbild sind die »Bouillons« in Paris, der Stadt, in der der 48-Jährige mehrfach gelebt und gearbeitet hat. Die »Bouillons« (übersetzt für »Brühe«) in der französischen Hauptstadt sind historische Restaurants, die traditionelle Hausmannskost zu sehr günstigen Preisen servieren. Im 19. Jahrhundert als einfache Arbeiterkantinen entstanden, sind sie heute beliebte Alternativen zur klassischen Gastronomie. Gerade in Zeiten, in denen das Geld nicht mehr so locker in den Taschen sitzt. Auch in Hamburg sollte man dringend vorher reservieren. Die Schlange von Menschen vor dem Eingang mit den sehr französischen Reihen von Bistrotischen und -Stühlen unter der Markise ist gerade mittags lang.


Brigitte Jurczyk
Autor
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