Prosecco: Der Aperitivo-Moment
Prosecco verkörpert die Essenz der italienischen Lebensart. Seine prickelnden Bläschen sind weltweit zu einem Symbol der italienischen Weinkultur geworden und spielen eine zentrale Rolle in der Verbreitung des Aperitivo-Moments.
Die Geschichte des Prosecco und seines Siegeszuges ließe sich auf vielerlei Weisen erzählen. Im Laufe der Zeit hat er viele Formen angenommen – und sein Erfolg beruht vielleicht gerade auf dieser Fähigkeit, sich weiterzuentwickeln. Dennoch ist es entscheidend, sein geografisches und kulturelles Wesen zu verstehen, dessen stilistische und geschmackliche Nuancen sich präzise und auf natürliche Weise in jedem Schluck widerspiegeln.
Und so beginnt die Geschichte im gleichnamigen Dorf Prosecco auf einem Karstplateau, etwa zehn Kilometer von Triest. Trotz seiner nur rund 1000 Einwohner erlangte es im Januar 2010 weltweite Berühmtheit, als sein Name plötzlich für den meistverkauften Schaumwein der Welt stand. Jährlich werden mehr als 700 Millionen Flaschen produziert.
Obwohl Prosecco etwa 150 Kilometer von der Ursprungsregion des Weins entfernt liegt und traditionell nicht für den Weinbau bekannt, ist der Ort entscheidend. Die Schaffung der »Region« Prosecco und des dazugehörigen geschützten geografischen Gebiets – erzeugt werden darf er nur in Venetien und Friaul-Julisch Venetien – spielte eine zentrale Rolle beim außergewöhnlichen Erfolg dieses Schaumweines in den letzten 20 Jahren.
Bis 1980 war Prosecco vor allem in lokalen Kreisen beliebt, erst in den 1990er-Jahren erlangte er überregionale Bekanntheit. Ab 2005 wuchs seine Popularität rasant, und 2013 überholte er zum ersten Mal den Champagner bei den Verkaufszahlen (wenn auch nicht beim Preis). Seitdem haben sich die Verkäufe mehr als verdoppelt.
Der Wein wird im Nordosten Italiens hergestellt, auf den Ebenen und Hügeln, die sich zwischen vier Provinzen Friaul-Julisch Venetiens (Pordenone, Triest, Udine und Görz) und fünf Provinzen Venetiens (Belluno, Treviso, Padua, Venedig und Vicenza) erstrecken. Diese Regionen bilden das große Gebiet der Prosecco DOC. Je nach geografischer Herkunft, Anbaugebiet und Dosage lassen sich verschiedene Arten von Prosecco unterscheiden.
Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG wurde 2019 UNESCO-Weltkulturerbe.
Die Vielfalt des Prosecco
Um das Universum des Prosecco zu verstehen, ist es hilfreich, sich die verschiedenen Bezeichnungen wie eine Pyramide vorzustellen. An der Basis steht Prosecco DOC, gefolgt von den historischen Gebieten Prosecco DOC Treviso und Prosecco DOC Trieste, die maßgeblich zum Erfolg des Prosecco beigetragen haben. Diese beiden Regionen, die sich durch ihre Eignung für den Anbau der Glera-Traube auszeichnen, stehen über den anderen Gebieten der Ebene.
Weiter oben in der Pyramide finden wir den Asolo Prosecco DOCG, der auf den Hügeln rund um das Dorf Asolo hergestellt wird, wo Weinbau in atemberaubenden Landschaften betrieben wird. In den letzten Jahren verzeichnete dieses Gebiet einen starken Produktionsanstieg und ist heute die viertgrößte Schaumweinbezeichnung Italiens. Der Erfolg des Asolo Prosecco DOCG lässt sich auf die Vielfalt des Terroirs zwischen kleinen und großen Produzenten, die große Biodiversität der Umgebung und auf seine Fruchtkomplexität und Ausdrucksstärke zurückführen. Diese Faktoren, zusammen mit einer intelligenten Marktstrategie, schreiben die Erfolgsgeschichte dieses italienischen Weins.
Die Denomination Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore DOCG repräsentiert das historische Gebiet, das am meisten zur Berühmtheit des Prosecco beigetragen hat. Sie wurde 2019 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Hier wird der Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore Spumante DOCG auf den Hügeln von Conegliano und Valdobbiadene produziert. Zur Krönung zählt die »Rive«-Variante, die 43 Crus auf den steilsten Hügeln umfasst, wo die Trauben von Hand geerntet werden und die Weine das Terroir reflektieren.
Ganz an der Spitze der Qualitätspyramide steht der Cartizze, die Perle der DOCG, die auf 108 Hektar steiler Hügel angebaut wird und dank ihres einzigartigen Mikroklimas und der alten Böden einen Schaumwein von höchster Qualität bietet.
Neben der geografischen Differenzierung gibt es auch Unterschiede in der Herstellung. Im Bereich Conegliano Valdobbiadene wurde 2019 die Kategorie »Sui Lieviti« in die Produktionsvorschriften aufgenommen, die die Ursprünge des Prosecco Superiore aufgreift. Diese Art von Schaumwein wird durch eine zweite Gärung in der Flasche hergestellt – und entspricht so der ursprünglichen Form von Schaumwein aus dieser Region. Wie früher üblich wird dabei die Flasche nicht degorgiert, der Wein kommt hefetrüb, also mit Depot (Fondo) in den Handel. Er wird im Volksmund auch als »Prosecco Col Fondo« bezeichnet.
Um als Prosecco bezeichnet zu werden, muss der Wein mindestens 85 Prozent Glera-Trauben enthalten, während die restlichen 15 Prozent aus Sorten wie Verdiso, Bianchetta Trevigiana, Perera, Glera Lunga, Chardonnay, Pinot Bianco, Pinot Grigio oder Pinot Nero bestehen können. Das ist in den Spezifikationen sowohl für die DOC als auch für die DOCG festgelegt.
Wie Prosecco entsteht
Prosecco ist in erster Linie ein Schaumwein, der nach der Martinotti-Methode (auch Charmat genannt) hergestellt wird. Bei diesem Verfahren wird der Grundwein in großen, druckfesten Edelstahltanks – sogenannten Autoklaven – einer zweiten Gärung unterzogen, die mindestens 30 Tage dauert. Je nach Dosage-Typologie und damit einhergehendem Restzuckergehalt wird der Gärungsprozess durch Abkühlung gestoppt. Während im Anbaugebiet selbst traditionell die Typologie Extra Dry favorisiert wird, sind im Export stärker die Typologien Brut und Extra Brut mit geringerem Restzuckergehalt gefragt.
Die Martinotti-Methode ist ideal, um die fruchtigen, blumigen Aromen des Prosecco zu betonen und seine Frische zu bewahren, weshalb sie die am häufigsten verwendete Methode in der Prosecco-Produktion ist.