Zum Inhalt springen
© Shutterstock

Reserviert, aber nicht erschienen: Wie das No-Show-Problem die Gastronomie belastet

Restaurant
Gastronomie
Service

Tische sind vorbereitet, Personal eingeplant – doch die Gäste bleiben aus. Nicht wahrgenommene Reservierungen verursachen in der Gastronomie spürbare wirtschaftliche Schäden. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie verbreitet das Problem ist.

Kaum geht man heutzutage in ein Restaurant, ohne zuvor reserviert zu haben. Umso größer ist die Herausforderung, wenn Gäste zwar einen Tisch buchen, aber ohne Absage nicht erscheinen. In der Branche spricht man von »No-Shows« – und sie kommen offenbar häufig vor.

Nach Angaben des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband NRW kennen 87 Prozent der befragten Gastronomen und Hoteliers dieses Problem aus eigener Erfahrung. Grundlage ist eine Umfrage unter 250 Betrieben in Nordrhein-Westfalen. Die wirtschaftlichen Folgen sind dabei keineswegs marginal: Rund 40 Prozent der Betroffenen schätzen den Schaden auf über fünf Prozent ihres Jahresumsatzes, weitere 60 Prozent auf bis zu fünf Prozent.

»No-Shows verursachen reale wirtschaftliche Schäden«, sagt Patrick Rothkopf, Präsident des Dehoga NRW. Gerade in einer Branche mit niedrigen Margen, hohen Kosten und anhaltendem Personalmangel wirkten sich nicht eingehaltene Reservierungen besonders stark aus. Wer einen Tisch buche, solle daher entweder erscheinen oder rechtzeitig absagen.

Planlose Planbarkeit

Wie sich No-Shows konkret auswirken, schildert etwa ein Gastwirt aus Leverkusen gegenüber der dpa. An einem eigentlich ausgebuchten Abend blieben dort 38 von 150 Sitzplätzen leer – entweder, weil Gäste gar nicht kamen oder weil Gruppen kleiner erschienen als angekündigt. Solche Ausfälle seien zwar nicht die Regel, aber regelmäßig spürbar.

Die Folgen betreffen nicht nur den Umsatz des Betriebs. Weniger Gäste bedeuten auch geringere Trinkgeldeinnahmen für das Servicepersonal. In Zeiten des Fachkräftemangels könne dies die Attraktivität der Arbeit in der Gastronomie zusätzlich schmälern.

Ähnliche Erfahrungen macht ein Restaurantbetreiber in Schwerte. Dort erschienen an einem stark nachgefragten Feiertag zwei große Gruppen trotz Reservierung nicht. Gerade an solchen Tagen, so der Wirt, hätten die Tische problemlos anderweitig vergeben werden können – vorausgesetzt, man hätte rechtzeitig Bescheid gewusst.

Zwischen Gastfreundschaft und Absicherung

Die Umfrage zeigt, dass viele Betriebe zunächst auf Kommunikation setzen. 38 Prozent der Befragten kontaktieren Gäste vorab telefonisch oder per E-Mail, um Reservierungen zu bestätigen. 30 Prozent weisen bereits bei der Buchung auf deren Verbindlichkeit hin. Rund zehn Prozent verlangen eine Anzahlung oder hinterlegen Kreditkartendaten, um sich gegen Ausfälle abzusichern. Besonders bei größeren Gruppen steigt die Bereitschaft, finanzielle Sicherheiten zu verlangen. Dennoch bleiben solche Maßnahmen außerhalb der gehobenen Gastronomie die Ausnahme. Viele Betreiber befürchten zusätzlichen Verwaltungsaufwand oder eine abschreckende Wirkung auf Gäste. Drei Prozent gehen einen Schritt weiter und verzichten vollständig auf Reservierungen.

No-Shows sind damit weniger ein Einzelfall als ein strukturelles Problem, das Planung und Wirtschaftlichkeit erschwert. Für Gäste mag eine nicht wahrgenommene Reservierung belanglos erscheinen. Für Restaurants bedeutet sie jedoch leere Tische, laufende Kosten und verpasste Umsätze.


Redaktion
Mehr zum Thema
1 / 12