Zum Inhalt springen
© Claudia Salzmann

Sie schenkt Geschirr neues Leben

Geschirr
Kunst
Gourmet
Bern

Haben Designerteller einen Sprung oder ist die Lieblingstasse kaputt gegangen? Solchen Dingen schenkt Kintsugi-Künstlerin Felicitas Sohm ein zweites Leben.

Sven Stauffer packt die handgefertigten Teller vom bekannten Keramiker Martin Freiburghaus aus. Sie haben alle einen Sprung oder sind in 2-3 Teile zerbrochen. «Diese Einzelstücke kann ich einfach nicht wegwerfen», sagt der Gastronom, der das Spitzenrestaurant «Moment» in Bern führt. Nun hat er eine Lösung gefunden: Im Berner Mattequartier hat Felicitas Sohm ein Kintsugi-Atelier. Kintsugi ist eine japanische Restaurationskunst, bei der man mit akkurater Handarbeit Geschirr ein zweites Leben schenkt. Sohm hat dieses Handwerk in Tokio während vier Jahren bei einem pensionierten japanischen Ehepaar erlernt.

Viel Geduld braucht es: Zuerst werden die noch vorhandenen Stücke angeleimt, mit einer Paste die offenen Spalten ausgebessert, alles flach gefeilt, mit Urushi (ein Naturlack gewonnen vom Urushi-Baum) bestrichen und schliesslich mit Goldstaub veredelt. «So entsteht die Schönheit im Imperfekten. In Japan nennt man das Wabi-Sabi», weiss die Bernerin. Sie ist eigentlich Betriebswirtin, hat aber viele Jahre im Ausland gewohnt und sich zum Ziel gesetzt, von jeder Destination eine neue Fähigkeit zu erlernen: In Kanada liess sie sich beispielsweise zur Goldschmiedin und Gemmologin ausbilden, in China eignete sie sich Wissen über Süsswasserperlen an und in Japan wurde sie Kintsugi-Künstlerin. 

Ihre japanischen Kintsugi-Sensei, wie Lehrer in Japan genannt werden, üben dieses Handwerk seit der Pension aus. «Und sie sind stolz, dass es jetzt in der Schweiz weiterlebt.» Fingerfertigkeiten, Fantasie und Geduld hat die Frau. Das erkennt man an all den Schalen, Krügen und Tässchen, die auf einem Regal aushärten. Die Arbeiten können bis zu drei Monate dauern. Arbeit wird nun aus dem Restaurant «Moment» dazukommen. «Ich finde es grandios, wenn zwei Handwerke zusammenfinden. Qualität gewinnt immer», sagt Sven Stauffer. 

Und Felicitas Sohm betont, dass die Kintsugi-Reparatur mehr als die Wiederherstellung der Funktionalität ist. Die Schönheit der Vergänglichkeit und die Geschichte eines Gegenstands werden betont. «Das reparierte Gefäss wird zu etwas Wertvollem und Einzigartigen.»

Kurse und Reparaturen: kintsugi-urushi.com


 

Claudia Salzmann
Autorin
Mehr zum Thema
1 / 12