Spargelsaison in der Schweiz: Wann gibt es wirklich frische Ware?
Jedes Jahr tauchen im März in Schweizer Supermärkten bereits die ersten Spargeln auf. Doch wer sich auf frische, regionale Ware freut, sollte vorsichtig sein: Die eigentliche Spargelsaison beginnt in der Schweiz frühestens Mitte April. Warum gibt es die beliebten Stangen also schon früher zu kaufen? Und woher stammen sie?
Offiziell startet die Spargelsaison in der Schweiz je nach Wetterlage Mitte bis Ende April und dauert bis zum 24. Juni, dem Johannistag. Dennoch gibt es im Detailhandel oder auf Märkten bereits Wochen vor dem offiziellen Saisonstart grüne und weisse Spargeln in den Regalen. Diese frühen Angebote stammen oft nicht aus der Schweiz, sondern aus Importen oder geschützten Anbaumethoden.
Viele der frühen Spargeln kommen aus südlichen Ländern wie Spanien, Italien, Frankreich oder Griechenland, wo das mildere Klima bereits eine Ernte ab Ende Februar oder Anfang März ermöglicht. Durch schnelle Transporte per Flugzeug oder LKW gelangen sie innerhalb weniger Tage in die Schweizer Regale. Auch deutsche oder niederländische Produzenten bieten bereits früh geerntete Spargeln an. Daneben setzen einige Schweizer Landwirte auf moderne Anbaumethoden wie Folientunnel oder beheizte Felder, um die Ernte um zwei bis vier Wochen zu verfrühen. Dadurch kann es vorkommen, dass erste Schweizer Spargeln bereits Ende März auf den Markt kommen.
Schweizer Produktion deckt Bedarf nicht
Die Nachfrage nach frühen Spargeln steigt stetig. Viele Konsument:innen möchten nicht bis Mitte April warten, sondern schon im März Spargelgerichte geniessen. Detailhändler wie Migros und Coop reagieren darauf mit einem entsprechenden Angebot. Die Migros betont dabei, dass sie den Grundsatz hat, ein Produkt immer von der geografisch nächstgelegenen Destination zu beziehen, wobei die Verfügbarkeit, die hohe Qualität und die Produktsicherheit gewährleistet sein müssen. Ausserdem beziehe sie ihre Produkte aus der Schweiz, sobald dort Saison sei und ausreichend Ware zur Verfügung stehe. Trotzdem können die Schweizer Spargelproduzenten die Nachfrage nicht vollständig decken, weshalb auch während der Schweizer Spargelsaison Import-Spargeln aus dem nahen Ausland im Verkauf bleiben.
Etwa 180 Gemüseproduzenten bauen in der Schweiz Spargeln an, vor allem in der Ostschweiz, im Mittelland und in der Westschweiz. 2023 wurden in der Schweiz insgesamt 730 Tonnen Spargel geerntet, was nur 7,6 Prozent des gesamten Verbrauchs entsprach. Zum Vergleich: Deutschland hatte im selben Jahr eine Anbaufläche von 21.270 Hektar, während es in der Schweiz 460 Hektar waren.
Migros unterstützt Produzenten in Entwicklungsländern
Die Migros verweist darauf, dass sie neben der Unterstützung lokaler Produzenten auch eine internationale Verantwortung trägt und Produzenten in Entwicklungsländern den Marktzugang ermöglicht. «Wir beziehen Spargeln aktuell auch aus Peru. In Peru sind Spargeln ein wichtiger Wirtschaftszweig für die Landbevölkerung», erklärt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Leiterin der Medienstelle der Migros. Zudem achte die Migros bei importierten Produkten darauf, sie möglichst aus nachhaltigem Anbau zu beschaffen. Die Produzenten müssen zum Beispiel nach GlobalG.A.P. zertifiziert sein, dieser Standard beinhaltet Anforderungen zum Anbau, zur Lebensmittelsicherheit, zum Umweltschutz und zur Arbeitssicherheit.
Besonders wichtig sei auch die Transparenz für die Kundinnen und Kunden, damit sie sich bewusst für ein Produkt entscheiden können. So sei die Herkunft auf Migros-Produkten stets klar deklariert. Gleichzeitig hebt die Migros hervor, dass auch Früchte und Gemüse, die offiziell keine Saisonalität haben, einen wichtigen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung und zur Gesundheit leisten können.
Wer Wert auf frische, regionale Spargeln legt, sollte dennoch bis Mitte April warten, wenn die offizielle Schweizer Spargelsaison beginnt. Früher angebotene Spargeln stammen meist aus dem Ausland oder aus beschleunigten Anbaumethoden, was sich nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Frische auswirken kann. Wer also den echten Geschmack der Schweizer Spargeln erleben möchte, muss sich noch etwas gedulden.