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Warum Einkaufen einfach keinen Spaß mehr macht

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50 Euro für einen halbvollen Korb – das schockt heute kaum noch jemanden. Was den Einkauf wirklich unerträglich macht: der moralische Spießrutenlauf zwischen Bio, Klima, Tierwohl und Fairtrade. Ein Kommentar.

Es beginnt harmlos: ein bisschen Obst, Gemüse, Eier, Hähnchen, ein Stück Käse, vielleicht noch ein Brot vom Bäcker. An der Kasse dann der – eigentlich sollte man sich dran gewöhnt haben – Schockmoment: 48,79 €. Für einen Korb, der kaum den nächsten Tag überlebt. Und während man das Portemonnaie zückt, stellt sich unweigerlich die Frage: Habe ich jetzt wenigstens das Richtige gekauft?

Denn teuer ist inzwischen normal. Laut dem Statistischen Bundesamt Deutschlands lagen die Preise für Lebensmittel im Juni 2025 fast 5 Prozent über dem Vorjahr – und das ist noch die gute Nachricht. Besonders bei Frischwaren sind 30 Prozent Aufschlag im Vergleich zu 2020 keine Seltenheit. Aber das eigentliche Problem ist gar nicht der Preis. Es ist der moralische Spießrutenlauf, der sich neuerdings »Einkaufen« nennt – und einfach keinen Spaß mehr macht.

Überforderung im Label-Wirrwarr

Schon beim Joghurt beginnt die Gewissensprüfung: Bio oder regional? Im Glas oder Plastik? Vom Bauernhof oder doch lieber fair gehandelt aus Bolivien? Das Käseetikett verkündet stolz »Weidemilch«, daneben prangt ein Nutri-Score D. Und der vegane Aufschnitt enthält Palmöl aus »nicht weiter spezifiziertem Ursprung«.

Man steht da, umzingelt von Labels, Logos und wohlmeinenden Botschaften – und hat trotzdem keine Ahnung, was jetzt eigentlich die »richtige« Wahl wäre. 60 Prozent der Verbraucher:innen sind laut Universität Hohenheim bereits komplett überfordert mit dem Label-Wirrwarr. Und mal ehrlich: Wer hat schon Zeit, vor dem Kühlregal ein Masterstudium in Nachhaltigkeit zu absolvieren?

In der Kirche der Verunsicherten

Dazu kommt die neue Unsitte, dass jeder Einkauf irgendwie auch ein politisches Statement ist. Wer Mandeldrink kauft, mag keine Bienen. Wer Fleisch kauft, ist sowieso ein Klimasünder. Wer sich Hafermilch im Tetra Pak gönnt, hasst offenbar Wald und Bäume. Und Avocado? Besser nicht zugeben, dass die auch im Einkaufskorb landet! Da helfen auch keine Versprechungen mehr – vor allem, wenn laut Umweltbundesamt viele Begriffe wie »klimaneutral« kaum überprüfbar sind und eher in die Kategorie Marketing-Poesie fallen. Ernährung ist längst zur Glaubensfrage geworden – und der Supermarkt zur Kirche der Verunsicherten.

 

Kurz gesagt: Wir zahlen heute mehr denn je fürs Essen – und fühlen uns trotzdem mies dabei.

 

Der eigentliche Skandal ist aber: Selbst wenn man alles richtig machen möchte, kann man es sich oft schlicht nicht leisten. Die Hans-Böckler-Stiftung warnt längst, dass nachhaltiger Konsum zur sozialen Frage wird. Wer nicht viel verdient, hat die Wahl zwischen moralischem Verzicht oder schlechtem Gewissen.

Schuldgefühl ist gratis

Kurz gesagt: Wir zahlen heute mehr denn je fürs Essen – und fühlen uns trotzdem mies dabei. Dabei wollen die meisten doch einfach nur etwas halbwegs Gesundes, das nicht aus fragwürdigen Quellen stammt, und das man ohne moralischen Kater servieren kann.

Aber das scheint inzwischen zu viel verlangt. Willkommen im Supermarkt 2025: Preise wie im Feinkostladen, Orientierung wie in einem Escape Room – und das Schuldgefühl gibt es gratis dazu. Es kann nur besser werden.


 

Anna Wender
Anna Wender
Senior Redakteurin
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