Matcha meets Alkohol: Darf Genuss widersprüchlich sein?
Für mich steht Matcha für Reinheit und Balance. Alkohol hingegen eher für Genuss – und im schlimmsten Fall den Kater danach. Im neuen Matcha Hard Seltzer von «Sundays» steckt beides in einer Dose. Ein Erfahrungsbericht.
Erholt vom Wochenende? Ich nicht. Obwohl ich ein Low-Alcohol-Getränk getrunken hab – nämlich den neuen Matcha Hard Seltzer von «Sundays». Aber dabei ist es nicht geblieben. Wahrscheinlich waren es der Pisco Sour oder die Pineapple Queen, die mir letztlich doch zu Kopf gestiegen sind. Ohne hier einen Schuldigen oder eine Schuldige suchen zu wollen, diejenige haut nämlich gerade in die Tasten.
Zurück zur eigentlichen Frage: Darf ein Getränk mit Matcha überhaupt ungesund sein? Ein Matcha Hard Seltzer verspricht doch beinahe Gesundheit und Wohlfühlen. Immerhin gilt Matcha längst als Superfood. Ihn ausgerechnet mit Alkohol zu kombinieren, scheint mir schon fast eine Sünde. Oder ist genau das der Reiz? Zeit für eine kleine Einordnung.
Mehr als grün
Es gibt ihn in allen erdenklichen Varianten: als warmes oder kaltes Getränk, gebacken in Kuchen oder Keksen – oder auch in Cocktails wie dem Matcha Spritz. Ich bin dem Matcha-Hype schon lange verfallen. Zeitweise war die Nachfrage nach dem grünen Tee so gross, dass Japan sogar mit einem Matcha-Mangel zu kämpfen hatte. Heute werden die Teebauern in Japan, die Matcha anbauen, vom Staat unterstützt – denn der Export des wertvollen Produkts bringt ordentlich Geld ein.
Nicht nur die leuchtend grüne Farbe schreit nach «Ich bin gesund». Auch der Blick auf die Inhaltsstoffe bestätigt den Eindruck. Das Koffein im Matcha ist an Polyphenole gebunden, was dazu führt, dass er langsamer und sanfter wirkt als zum Beispiel im Kaffee. Die nicht-essenzielle Aminosäure L-Theanin fördert Entspannung, ohne Schläfrigkeit. Und ich bilde mir ein, dass sie mich tatsächlich fokussierter macht – zumindest, wenn ich sie nicht mit Alkohol kombiniere.
Es geht noch weiter: Die im Matcha enthaltenen Catechine sind hochwirksame Antioxidantien, fangen freie Radikale ab, wirken entzündungshemmend, blutdrucksenkend und stoffwechselanregend. Ausserdem enthält der Grüntee die Vitamine A,C, E und K sowie Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Zink. Bäm!
Zwischen Rausch und Risiko
Ich weiss. Alkohol, so charmant er sich im Glas präsentiert, ist – nüchtern betrachtet – ein gesundheitlicher Risiko-Cocktail, wenn er nicht verantwortungsbewusst genossen wird. Zwar kann unsere Leber den grössten Teil des konsumierten Ethanols abbauen, dabei entstehen bei übermässigem und missbräuchlichem Konsum jedoch Schadstoffe. Außerdem zieht hoher Alkoholkonsum auch psychische und soziale Probleme nach sich.
Und trotzdem: Wie viele schätze ich ihn nicht nur wegen des Geschmacks, sondern auch wegen des beschwingten Gefühls. Letzlich entscheidet, wie bei anderen Genussmitteln, die Dosis. In kleinen Mengen und bewusst genossen, ist Alkohol überwiegend unbedenklich.
Widerspruch als Gleichgewicht
Mich hat überrascht, wie nonchalant «Sundays» beides kombiniert. Ein Matcha Hard Seltzer, mit 4 Volumenprozent Alkohol. Klingt erstmal harmlos – ein Gin-Tonic bringt es locker auf etwa 8 bis 12 Volumenprozent Alkohol – bleibt aber dennoch ein alkoholhaltiges Getränk. Zwei derart widersprüchliche Komponenten in einer Dose. Ein mutiger Spagat? Ich finde nicht.
In der heutigen Zeit ist es alles andere als ungewöhnlich, dass Gegensätze aufeinandertreffen: Achtsamkeit und Hedonismus werden parallel gelebt, Mental Wellbeing ist genauso präsent wie der kollektive Eskapismus. Oder konkret: Zum Bottomless Brunch am Wochenende muss ich unbedingt Superfoods wie Avocado und Acai essen. Und wenn ich unter der Woche ins Gym gehe, feiere ich am Wochenende doppelt.
So sind die konträren Komponenten in Lifestyle-Getränken wie dem Matcha Hard Seltzer kein Störfaktor, sondern vielmehr ein Feature. Genuss darf nicht nur widersprüchlich sein – ja, er soll sogar. Und vielleicht sind gerade Menschen wie ich der Beweis dafür, dass Widersprüche unsere heutige Genusskultur ausmachen. Ich will mich nicht entscheiden müssen zwischen Disziplin und Gönnung. Ich will beides – und manchmal sogar gleichzeitig.