Zum Inhalt springen

Ein Irish Pub ist mehr als ein schöner Raum – es ist ein Treffpunkt für alle.

Ein Irish Pub ist mehr als ein schöner Raum – es ist ein Treffpunkt für alle.
© Marc Braner / Shutterstock.com

Warum Irish Pubs weltweit so beliebt sind

Irland
Bar
Alkohol

Mindestens ein Irish Pub gibt es in praktisch jeder mittelgroßen Stadt auf der Welt. Aber warum ist das Konzept der urigen Schänken so beliebt und warum sind es ausgerechnet die Pubs der Iren, die die Massen begeistern?

Ein berühmtes irisches Sprichwort lautet »There are no strangers here; only friends you haven‘t yet met«. Die Gastfreundschaft der Iren ist legendär. Kommen und Gehen, Trennung und Wiedersehen sind in der irischen Seele tief verankert – und das Pub, der öffentliche Treffpunkt, spielt hierbei eine tragende Rolle. Viele wollen die irische Gastfreundschaft immer wieder erleben – egal ob auf einer Irlandreise, daheim oder in einer fremden Stadt. Auch die Iren selbst stillen ihr Heimweh mit ihrem Nationalgetränk im Pub – einem Pint frisch gezapften Guinness.

Mehr als Romantik

Die Popularität der Irish Pubs fußt aber nicht alleine auf Fern- respektive Heimweh, sondern zu einem nicht vernachlässigbaren Teil auf dem Geschäftssinn des irischen Architekten Mel McNally. Mc­Nally ist der bekannteste Designer von Irish Pubs weltweit, seit den 90er-Jahren hat er mit seiner Irish Pub Company mehr als 2000 Pubs gebaut – vom immer individuell gestalteten Entwurf über die Fertigung der Einzelteile in Irland bis zur Fertigstellung vor Ort. Zur Einordnung: Laut der Irish Pubs Global Federation gibt es weltweit mindestens 6500 Irish Pubs. Die Pubs aus der Feder des Architekten McNally sind immer makellos: Von den Holz- und Polsterarbeiten über die Raumaufteilung, die stets prominent platzierte Bar, die goldenen Beschriftungen hinter Glas bis zu den sorgfältig ausgesuchten Schildern und Accessoires.

Was das Geheimnis eines florierenden Irish Pubs sei, wollen wir von McNally wissen, seine Antwort fällt überraschend untechnisch aus: »Ein großartiges irisches Pub verkörpert alles, was an der irischen Kultur besonders ist«, sagt er. »Es vereint unsere Liebe zum Gespräch, zur Musik und zum Craic.» Craic – dieser durch und durch irische Begriff steht für Spaß, gemeinsames Vergnügen und Lebensfreude. Ein Pub mit viel »craic« ist also ein Ort, an dem es lebendig, lustig und gesellig zugeht. So einfach ist das!

Mel McNally hat mit seiner Irish Pub Company mehr als 2000 Irish Pubs auf der ganzen Welt gebaut, wie etwa das »Morrisons« in Rom.
Foto beigestellt
Mel McNally hat mit seiner Irish Pub Company mehr als 2000 Irish Pubs auf der ganzen Welt gebaut, wie etwa das »Morrisons« in Rom.

Guinness als Pub-Förderer

Als Architekturstudent in Dublin besuchte McNally Anfang der 70er-Jahre mit seinen Kommilitonen mehr als 200 Pubs in Irland und analysierte deren Architektur, Raumaufteilung und Atmosphäre. Auf den britischen Inseln baute er seine ersten Pubs, bevor er mit der Biermarke Guinness Anfang der 90er-Jahre das »Guinness Irish Pub Concept« entwickelte. »Deutschland und Italien waren damals unsere Hauptmärkte«, sagt McNally. »Die Partnerschaft mit Guinness sorgte für Schwung und sie wussten, dass wir das Irish Pub-Konzept auf ein Niveau heben konnten, das diese Lokale zu ikonischen Veranstaltungsorten machte.«

Und noch heute ist der Erfolg ungebrochen. Derzeit arbeitet die Irish Pub Company an neun Pubs gleichzeitig auf der ganzen Welt – einige sind noch in der Planungsphase, andere stehen kurz vor der Vollendung. Trotz der schwierigen Wirtschaftslage ist das Irish Pub also immer noch im Trend. »Das Irish Pub hat einen Zweck über das Angebot hinaus; es hat eine Gemeinschaft und eine Seele! Es hat viele andere Konzepte überdauert, und ein gutes irisches Pub von hoher Qualität wird mit dem Alter besser, sodass Investoren es als langfristige Investition sehen«, so Mel McNally.

Der beste Beweis dafür ist das 1992 eröffnete »Kilkenny« in Berlin. Die Irish Pub Company erbaute das Lokal unter den Viadukten der S-Bahn-Station Hackescher Markt. Auch Jennifer und Till Haffner, die das »Kilkenny« seit 2022 betreiben, sehen das Konzept Irish Pub als ziemlich krisensicher an. »In einem Pub kriegt man sehr viel mehr geboten als nur Bier oder Essen«, sagt Till Haffner. »Bei uns weiß jeder, was ihn erwartet: Herzlichkeit, Freundlichkeit, Sport«, fasst Jennifer Haffner zusammen. Das Irish Pub sei etwas, das man sich leisten könne, aber eben auch leisten wolle.

Ein gutes Irish Pub wird mit dem Alter immer besser – Das »Kilkenny« in Berlin wurde 1992 eröffnet.
Foto beigestellt
Ein gutes Irish Pub wird mit dem Alter immer besser – Das »Kilkenny« in Berlin wurde 1992 eröffnet.

Zwei Pubs – zwei Seelen

Die Haffners führen neben dem »Kilkenny« auch das »Murphy‘s« am Schiffbauerdamm. Beides zwar Irish Pubs, aber beide mit eigener Seele. »Im ›Murphy‘s‹ geht es ruhiger zu und her«, sagt Jennifer Haffner. »Das ist mehr wie ein irisches Wohnzimmer.« Im »Kilkenny« aber ist Action angesagt, mit Pubquiz, Livemusik und Sportübertragungen. »Jetzt geht bald die Hurling-Saison los«, freut sich Till Haffner und fügt an, dass sie wirklich alles zeigen, was man auch in Irland in einem Pub mit Sportübertragung sehen kann.

Die Iren sind bei den Haffners nicht nur eine gern gesehene Gästegruppe, sondern auch eine wichtige Stütze des Teams. »Wenn wir etwas ändern, muss es zuerst einmal unseren irischen Mitarbeitern gefallen«, sagt Till Haffner. So beziehen sie beispielsweise den Bacon oder die Würste für das Irish Breakfast direkt aus Irland. »Wenn unsere irischen Mitarbeiter sagen, dass es wie zuhause schmeckt, dann ist es gut genug.«

Doch Kontinuität bedeutet nicht Stillstand. Änderungen sind in einem mehr als 30 Jahre alten Pub schwer umzusetzen – gerade auch im baulichen Bereich. Man könne auch in einem Pub – wie in allen anderen Gastronomielokalen – vieles anpassen und umsetzen, erklären die Haffners, doch es gäbe etwas, daran lasse sich nicht rütteln: am Pint Guinness. Das müsse immer top sein.

So selbstverständlich das perfekte Pint auch sein mag – Irish Pubs bewegen sich immer in einem Spannungsfeld zwischen Authentizität und Kommerz. Das bestätigt auch Gerald Schedl, der Anfang des Jahres das Wiener Pub »Trinity« übernommen hat. Das Lokal wurde von der Irish Pub Company komplett mit irischem Holz ausgekleidet – auch hier stimmt jedes Detail. »Allein die Holzarbeiten schlugen mit 1,5 Millionen Euro zu Buche«, so Gerald Schedl. Die Vorbesitzer wollten ein Edelpub-Konzept in Wien platzieren. »Doch gerade nach Corona war so ein Konzept schwer einzuführen.« Auch in Wien stehe ein Irish Pub eben für Gemütlichkeit, Ehrlichkeit und ein »heimeliges Gefühl« – und weniger für Luxus.

Das Wiener »Trinity«  ist ein Pub wie aus dem Bilderbuch: mit viel dunklem Holz  und gleich drei Barbereichen für durstige Irlandfans.
Foto beigestellt
Das Wiener »Trinity« ist ein Pub wie aus dem Bilderbuch: mit viel dunklem Holz und gleich drei Barbereichen für durstige Irlandfans.

Das Zürcher Premium-Pub

Schedl hat das Gewicht von den edlen Angeboten genommen und stattdessen in das Küchenangebot investiert. Er öffnet sein Pub mittlerweile sogar zu Mittag. Auch wenn Wien nicht die richtige Stadt für die Premiumisierung von irischen Lokalen zu sein scheint, gibt es durchaus andere Beispiele, die das Gegenteil beweisen. So etwa das »James Joyce« in Zürich, das nicht nur ein Pub, sondern auch ein Restaurant mit bestem Essen sowie guter Weinauswahl ist. Die viktorianische Inneneinrichtung stammt hier nicht von der Irish Pub Company, sondern aus der Bar des ehemaligen »Jury‘s Hotel« aus dem historischen Stadtkern von Dublin. Das »James Joyce« zeigt, dass Irish Pubs durchaus erfolgreich gehobene Ansprüche erfüllen können, ohne ihre Seele zu verlieren. In der Limmatstadt, wo die Kaufkraft höher und die Bereitschaft für Premium-Erlebnisse größer ist, funktioniert die Mischung aus traditioneller Pub-Atmosphäre und gehobener Gastronomie offenbar bestens.

Am Ende bestätigt sich McNallys ursprüngliche Erkenntnis: Ein Irish Pub ist weit mehr als nur ein Lokal – es ist ein Gefühl, eine Erfahrung, ein Stück transportierte Kultur. Ob in Berlin, Wien oder Zürich, ob schlicht oder gehoben: Solange der »Craic« stimmt, die Atmosphäre authentisch bleibt und das Guinness perfekt gezapft wird, werden Irish Pubs auch weiterhin Menschen aus aller Welt anziehen. Denn wie das irische Sprichwort sagt: »There are no strangers here; only friends you haven‘t yet met« – und genau das macht ein echtes Irish Pub aus.

Die Besten Adressen

Österreich

Trinity Pub Vienna

Das »Trinity Pub« ist allein schon wegen der traditionellen Einrichtung beeindruckend. Das Team setzt auf einen Mix aus Pub-Tradition, Cocktails und erstklassigen Speisen. Zudem gibt es im Untergeschoss einen separaten Speak-Easy-Raum, der separat reserviert werden kann.
Rilkeplatz 3, 1040 Wien, Österreich, T: +43 1 2266866
trinitypub.at

The Long Hall Vienna

Das »Long Hall« bringt authentisches Dublin-Flair ins Herz Wiens: Über 120 Whiskeys, 16 Biere vom Fass und eine kreative Speisekarte mit irischen Klassikern und Steaks sorgen für Genuss auf hohem Niveau. Im Sommer lädt der große Gastgarten zum Verweilen ein.
Florianigasse 2, 1080 Wien, Österreich, T: +43 1 2951080
thelonghall.at

Charlie P’s Irish Pub Vienna

Im »Charlie P’s« trifft authentisches Pub-Flair auf moderne Küche. Die Bar ist irisch geführt und bietet neben Guinness und Craft Beer auch kreative Pub-Food-Klassiker sowie regelmäßige Events an. Ein Treffpunkt für internationale Gäste und Wiener gleichermaßen.
Währinger Straße 3, 1090 Wien, Österreich, T: +43 1 409 44 92
charlieps.at

The Galway Bay Innsbruck

Das »Galway Bay« ist das Herz der irischen Szene in Tirol. Die stimmungsvolle Einrichtung, hausgemachtes Pub-Food und eine breite Auswahl an Craft-Bieren machen das Lokal zur ersten Adresse für Fans irischer Lebensart. Regelmäßige Livemusik sorgt für echtes Pub-Feeling.
Kaiserjägerstraße 4, 6020 Innsbruck, Österreich, T: +43 512 576 789
thegalwaybay.com

Deutschland

Kilian’s Irish Pub München

Das »Kilian’s« ist Münchens bekannteste Adresse für Irish Hospitality. Hier trifft man auf internationale Gäste, Livemusik an sechs Tagen die Woche und eine Küche, die von Irish Stew bis Burger reicht. Die Terrasse mit Blick auf die Frauenkirche ist legendär.
Frauenplatz 11, 80331 München, Deutschland, T: +49 89 24219899
kiliansirishpub.com

Kilkenny Irish Pub Berlin

Direkt unter dem S-Bahn-Viadukt am Hackeschen Markt gelegen, ist das »Kilkenny« ein pulsierender Treffpunkt mit mehreren Räumen, Sportübertragungen und Live-Musik. Die authentische Einrichtung und das breite Getränkeangebot machen das Pub zu einem Berliner Klassiker.
Am Zwirngraben 17-20, 10178 Berlin, Deutschland, T: +49 30 24728727
kilkenny-pub.de

Celtic Cottage Berlin

Im Süden Berlins gelegen, punktet das »Celtic Cottage« mit authentischem Pub-Feeling, großem Garten und regelmäßigen Musikveranstaltungen – darunter auch traditionelle Irish-Sessions!
Albrechtstraße 81, 12167 Berlin, T: +49 30 797 44 771
celtic-cottage.de

Schweiz

James Joyce Restaurant Zürich

Das »James Joyce« ist eher eine gehobene Bar mit Restaurant als ein Pub. Das Lokal hat viel irisches Flair sowie ein authentisches Dubliner Jugendstil-Interieur. Hier stehen gehobene Küche, saisonale Spezialitäten und eine große Whiskey-Auswahl im Mittelpunkt – kein klassisches Pub, sondern eine feine Genussadresse mit irischem Einschlag.
Pelikanstrasse 8, 8001 Zürich, Schweiz, T: +41 44 221 18 28
jamesjoyce.ch

Mulligans Irish Pub Genf

Das »Mulligans« ist seit 1996 eine Institution in Genf. Zentral gelegen, ist es Treffpunkt für die englischsprachige Community und Liebhaber irischer Musik. Neben einer exzellenten Bierauswahl gibt es Live-Sport, Dart und Irish-Folk-Sessions.
Rue de-Grenus 10, 1201 Genève, Schweiz, T: +41 22 732 84 30
irishpubsgeneva.ch/mulligans-irish-pub

The Auld Dubliner Basel

Das »Auld Dubliner« ist das älteste Irish Pub Basels. Hier gibt es Guinness, Livemusik und eine herzliche Atmosphäre – ein Stück Irland am Rhein.
Steinenbachgässlein 34, 4051 Basel, T: +41 61 281 84 84
dubliner.ch


Benjamin Herzog
Benjamin Herzog
Chefredaktion Schweiz
Mehr zum Thema
1 / 12