Wiener oder Frankfurter Würstchen? Ein kulinarisches Rätsel
Warum heißen die Würstchen in Österreich »Frankfurter« und in Deutschland »Wiener«? Und gibt es überhaupt Unterschiede in Geschmack, Rezept oder Tradition?
Die Welt der Würstchen mag simpel erscheinen, doch wenn es um Wiener und Frankfurter geht, wird es schnell kompliziert. Denn was in Deutschland als Wiener Würstchen bekannt ist, nennt man in Österreich Frankfurter. Aber wie kam es zu diesem verwirrenden Namensspiel und gibt es eigentlich Unterschiede zwischen den beiden?
Die Herkunft: Von Frankfurt nach Wien und zurück
Die Geschichte beginnt in Frankfurt am Main. Bereits im 13. Jahrhundert wurden dort Würstchen hergestellt, die sich durch ihre feine Konsistenz und die Verwendung von reinem Schweinefleisch auszeichneten. Im Jahr 1805 wanderte dann der Metzger Johann Georg Lahner aus Frankfurt nach Wien aus. Nach seiner Lehre zog er in die österreichische Hauptstadt und entwickelte dort eine neue Variante der Frankfurter Würstchen. Er mischte zu dem Schweinefleisch auch Rindfleisch – das war zu diesem Zeitpunkt in Deutschland verboten. Das Ergebnis war eine neue Art Würstchen. Diese neue Variante feierte in Wien große Erfolge und in Anlehnung an Lahners Herkunft und die Ursprünge des Produkts nannte man sie dort Frankfurter. In Deutschland hingegen wird Lahners Wurstkreation seither als Wiener verkauft.
Zudem ist der Begriff Frankfurter in Deutschland rechtlich geschützt: Nur Würstchen, die innerhalb des Wirtschaftsraums Frankfurt produziert werden, dürfen offiziell als Frankfurter Würstchen bezeichnet werden. Würstchen, die außerhalb dieser Region hergestellt werden, tragen die Bezeichnung »nach Frankfurter Art«. In Supermärkten heutzutage verschwimmen die Unterschiede außerdem sehr oft, da viele Würstchen industriell produziert werden. Doch traditionelle Metzger halten oft noch an den regionalen Rezepturen fest.
Welche Unterschiede gibt es?
Auch die Art, wie die Würstchen serviert werden, zeigt regionale Eigenheiten. Während in Deutschland die Wiener Würstchen ein fester Bestandteil von Partysnacks und Suppen sind oder klassisch mit Kartoffelsalat gereicht werden, genießt man Frankfurter in Österreich oft pur, zusammen mit Senf, Kren und einer Scheibe Brot.
Das doppelte Namensspiel mag auf den ersten Blick verwirrend erscheinen, doch es ist auch charmant. Es zeigt, wie Migration, Handwerk und Geschmack Grenzen überschreiten können. Am Ende ist es wohl nebensächlich, wie wir die Würstchen nennen – entscheidend ist der Geschmack. Ob aus Frankfurt oder Wien, ob pur oder als Beilage, die Würstchen sind längst ein Klassiker, der auf keiner Speisekarte fehlen darf.
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