Winzern im Berner Studentenquartier
Die Metzgerei Lehmann in der Berner Länggasse ist ein Saftladen. Wein und Essen stehen auch auf dem Menü.
Letztes Jahr schloss mit der Metzgerei Lehmann die zweitletzte im Studentenquartier. Des Metzgers Geist bleibt im Nachfolgeprojekt «Lehmanns Bistro & Saftladen» am Leben: In der Vitrine warten Würste und ausgewählte Fleischprodukte und liebevoll kuratierte Käse auf Esserinnen und Käufer.
Hinter dem Tresen steht Bänz, er ist eine der acht Personen, die den Ort zum Wein- und Saftladen umgewandelt haben. Er ist mit dem Wein betraut, stets auf der Suche nach neuen Naturweinen. Zwei Produzenten hat er glücklicherweise im Haus: Bruno Bucher von Heftig Cidre und die Weinschaffenden von Satellites of Love. «Unser Sortiment soll eine Plattform für innovative Winzer:innen sein», sagt Bänz. Dazu sind Degustationen um das hiesige und dortige Schaffen in Planung. Die Etiketten im Regal sind Beweis davon, ein bisschen machen sie auch den Anschein nach Kunst, so kreativ sind die Bilder auf den Flaschen.
Fürs Essen ist Florian zuständig. Letztes Jahr, als das Lehmanns noch ein Pop-up war, tischte er anatolische Gerichte auf. Einige davon haben es auch auf sein aktuelles Menü geschafft: Beispielsweise die grossartigen Çiğ Köfte, eine würzig-türkische Spezialität aus Bulgur. «Da wir supersaisonal kochen, wechselt das Menü ständig», sagt der Koch. Die Spargeln sind schon fast alle gegessen, gerade brät er Igelstachelbart (ein Pilz, der einem Blumenkohl gleicht) als Schnitzel. Stolz ist er auf seine Cremeschnitte, die elegant als Millefeuille mit Vanillefüllung und einer Beerenconfitüre daherkommt. Vorbei ist die Zeit mit den rosaroten Zuckerdeckeln.
Die Spontanität, die sich in der Gärung der Weine zeigt, wird auch im Bistro gelebt: Reservationen werden nicht entgegengenommen, aber es gibt immer ein Plätzchen, versprechen die Damen und Herren. Wartezeiten kann man sich mit einem Abstecher in die Produktionsräume oder einem Glas an der Bar verkürzen. «Wir lieben es, wenn es im Lokal Bewegung gibt», sagt Zumi, einer der Winzer. Sein Compagnon Stephan fügt hinzu: «Und wir mögen es, dass das Handwerk wieder ins Quartier einzieht.»
Das stimmt: Die Schulkinder aus dem Quartier beobachten, wie die «Lehmänner» mit den Fässern hantieren, die Bistro-Besuchende fragen interessiert nach. Die ersten Weine produzierte Satellites of Love in einer Waschküche. «Das Lehmanns ist für uns nun ein echtes Upgrade». Die ersten Gäste trudeln ein, Zeit für die Arbeit. Und in ihrem Fall wohl auch fürs Vergnügen.