Wie Strudel die Welt erobert: »Unglaublich, wie international das Interesse ist«
Ihr Weg zeigt, wie Traditionen nicht nur bewahrt, sondern auch weltweit geteilt werden können. Instagram-Bloggerin Astrid Lamarche hat es geschafft, die klassische österreichische Mehlspeise wie den Strudel auf die internationale Bühne zu bringen.
Astrid Lamarche, alias austrian_cravings auf Instagram, ist auf den ersten Blick eine typische Kalifornierin: Sie lebt seit über zehn Jahren mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in San Diego, genießt das sonnige Wetter und die lockere Lebensweise. Doch tief in ihr schlägt ein Herz für Österreich – genauer gesagt für die österreichische Küche.
Lamarche stammt aus Oberösterreich und hat ihre Leidenschaft für Strudel und heimische Mehlspeisen zu einem florierenden kleinen Geschäft und einer internationalen Instagram-Community ausgebaut. Heute begeistert sie Menschen weltweit mit ihren Strudel-Kursen und kulinarischen Erlebnissen, die tief in der österreichischen Kultur verwurzelt sind. Doch wie kam es dazu, dass eine oberösterreichische Heimatliebhaberin in Kalifornien die Kunst des Strudelziehens unterrichtet und damit eine wachsende Fangemeinde erobert?
Falstaff: Strudel scheint ja besonders gut anzukommen. Wann hast du gemerkt, dass daraus mehr als nur ein Hobby werden könnte?
Astrid Lamarche: Das war letzten Sommer. Ich habe ein Video gepostet, wie ich mit meiner Familie in Österreich Strudel gemacht habe, und das ging auf Instagram viral. Plötzlich hatte ich viele neue Follower und Anfragen. Strudel kennen die Amerikaner zwar, aber oft nur in Form von gekauftem Blätterteig mit Apfelfüllung. Dass der Teig selbst gezogen wird, war für viele neu und faszinierend. Und es gab immer wieder den Wunsch nach Kursen, also habe ich angefangen, Online-Strudelkurse anzubieten.
Deine Strudel-Kurse scheinen ja auch weltweit gut anzukommen. Wer nimmt daran teil?
Es ist wirklich unglaublich, wie international das Interesse ist. Meine Teilnehmer kommen aus den USA, Kanada, Europa, aber auch aus Neuseeland, Australien, Indien und sogar Jordanien. Viele haben familiäre Wurzeln in Österreich oder den umliegenden Ländern wie Ungarn oder Tschechien. Sie erinnern sich an die Strudel, die ihre Großmütter gemacht haben, und wollen diese Tradition wiederbeleben. Andere sind einfach neugierig auf die Technik oder lieben österreichisches Essen, das sie vielleicht aus dem Urlaub kennen.
Strudel online zu lehren klingt erstmal herausfordernd. Wie machst du das?
Ich war anfangs auch skeptisch, aber es funktioniert erstaunlich gut. Ich arbeite mit zwei Kameras, damit die Teilnehmer jeden Schritt genau verfolgen können. Wir starten immer gemeinsam mit der Teigzubereitung, damit er ruhen kann, und in der Zwischenzeit erkläre ich, wie die Füllung vorbereitet wird. Die Gruppen sind klein, maximal sechs Teilnehmer, damit ich auf alle Fragen eingehen kann. Es macht richtig Spaß, weil die Leute oft auch ihre eigenen Geschichten und Erlebnisse teilen, besonders wenn sie aus unterschiedlichen Kulturen und Ländern kommen.
Die Zutaten, speziell das Mehl, sind ja auch nicht überall gleich. Wie löst du dieses Problem in deinen Kursen?
Das Mehl ist tatsächlich eine Herausforderung, besonders in den USA. Ich erkläre immer genau, welches Mehl die Teilnehmer verwenden sollen, aber wenn sie unsicher sind, empfehle ich, zwei Teige zu machen – einen mit dem heimischen Mehl und einen mit einem empfohlenen. Zum Glück klappt es in den meisten Fällen. Nur ein, zwei Mal hat der Teig nicht funktioniert, aber das ist selten.
Wie reagieren die Amerikaner auf deine Strudel und Mehlspeisen?
Sie lieben es! Besonders der echte Strudel, den sie so nicht kennen. Auch meine Brioche-Zöpfe und Apfelschlangerl kommen gut an. In den USA gibt es zwar viele Apfelrezepte, aber die sind oft mit gekauftem Blätterteig gemacht. Wenn ich dann etwas ganz Traditionelles mitbringe, sind sie begeistert. Was auch toll ankommt, sind meine Geschichten und die österreichische Tradition, die dahintersteht. Die Amerikaner lieben Traditionen, vor allem, wenn es um Familie und Feste geht.
Du lebst in Kalifornien, bist aber sehr verbunden mit Österreich. Was bedeutet Heimat für dich?
Heimat für mich dreht sich viel um die Küche und das Essen. Ich bin ein genussvoller Mensch, und die Geschmäcker und Gerüche prägen mich. Bei uns war die Küche immer der zentrale Punkt des Hauses. Dort saßen wir gemeinsam am großen Tisch, und es war der Ort, an dem sich alle trafen. Selbst wenn ich am Telefon arbeite oder auf Social Media aktiv bin, sitze ich in der Küche. Es ist mir wichtig, meinen Kindern diese Werte zu vermitteln. Ich lege Wert darauf, dass der Tisch gedeckt ist und die Bestecke ordentlich liegen. Es sind diese kleinen Dinge, die das Gefühl von Heimat ausmachen.
Das klingt nach einer starken Esskultur, die du auch weitergeben möchtest.
Genau! Es ist wichtig, diese kleinen Traditionen zu transportieren. Ich achte darauf, dass wir selbst kochen, auch wenn wir gelegentlich auswärts essen oder etwas bestellen. Aber es gibt Dinge, die ich nicht akzeptiere, wie tiefgefrorene Chicken Nuggets – das kommt für mich nicht in Frage. Ich möchte, dass meine Kinder zu Hause nicht mit Fertiggerichten aufwachsen, denn in den USA gibt es ein Überangebot an Fertigessen. Klar, manchmal ist es schwierig, aber ich versuche, so viel wie möglich selbst zu machen.
Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich träume davon, irgendwann ein österreichisches Buffet in Kalifornien zu eröffnen. Ein Kochbuch wäre auch etwas, das ich gerne machen würde. Es gibt viele Ideen, aber momentan steht die Familie im Vordergrund. Meine Kinder sind noch klein, und daher bleibt nicht viel Zeit für größere Projekte. Aber wer weiß, vielleicht gibt es nächstes Jahr auch Strudelkurse in Österreich, wenn ich im Sommer dort bin. Die Nachfrage wäre auf jeden Fall da!
Hast du etwas Spezielles geplant, um diesen Herbst in Wien zu feiern?
Ja, ich freue mich darauf, Sturm zu trinken. Das habe ich seit 11 Jahren nicht mehr gemacht, weil ich nie im Herbst hier bin. Das wird ein besonderes Erlebnis, und ich bin gespannt, wie es wird. Sturm gibt es schließlich nicht in den USA.
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