Zum Inhalt springen

Ewald Zweytick liebt guten Wein, rockige Musik und die Freiheit, zu tun und zu lassen was er will.

Ewald Zweytick liebt guten Wein, rockige Musik und die Freiheit, zu tun und zu lassen was er will.
© Stefan Gergely

Zweyticks Himmelstor: Der Winzer des Jahres 2025

Wein
Winzer
Auszeichnung

Anfang der Achtziger Jahre konnte Ewald Zweytick aus Ratsch in der Südsteiermark ein eigenes Grundstück erwerben und setzte 1986 seinen ersten Sauvignon aus. Es waren persönliche Begegnungen mit Winzerlegenden wie Josef Jamek oder mit Manfred Tement, die ihn bestärkten, den Winzerberuf zu ergreifen und seinen eigenen, großen Wein zu kreieren.

Ewald Zweytick ist für den steirischen Wein, was Willie Nelson für die Country Music ist: ein von vielen geschätztes Leitbild, weil er zu den Besten der Branche gehört und ein dank seiner Offenheit sehr sympathischer Mensch. Ursprünglich hätte sein älterer Bruder Hannes den schmucken elterlichen Hof in Ratsch bei Gamlitz übernehmen sollen, doch dieser, obwohl gelernter Weinbau- und Kellermeister, engagierte sich beruflich in der Politik und wirkte viele Jahre als Nationalratsabgeordneter. Ewald kehrte also von Graz, wo er arbeitete, wieder nach Hause zurück und kümmerte sich um Weingärten und Vinifikation.

Nach dem Weinskandal, der sich gerade zum 40. Mal jährte, erlebte die Südsteiermark einen wahren Aufschwung, denn säurebetonte, resche Naturweine standen plötzlich hoch im Kurs. 1990 widmete sich die Steirische Landes­ausstellung im Schloss Gamlitz der steirischen Weinkultur und bald waren Sauvignon Blanc, Gelber Muskateller und Morillon österreichweit hoch im Kurs.

In den 90er-Jahren begann Ewald Zweytick seinen eigenen Weg zu gehen und setzte zunächst auf einen internationalen, vom neuen Holz geprägten Stil. Für manchen Kritiker vielleicht zu viel Holz, aber wie würde Ewald formulieren: »Rockmusik kann man auch nicht leise spielen, das macht wenig Sinn.« Natürlich wurde die Stilistik im Laufe der Jahre verfeinert, mit dem Tuning kam auch das Terroir immer mehr zu Geltung.

Der Quereinsteiger mit dem berufsjugendlichen Outfit hat sich längst als mehr als ernstzunehmender Winzer erwiesen, denn seine Ansprüche waren stets sehr hoch und was nicht passte, wurde niemals auf die Flasche gebracht. Und so wuchs die Zahl seiner Fans stetig an, und auch die Produktion wurde mit Bedacht erweitert. Sein Absatzcredo lautet »Im Grund ist es einfach, ich mach jeden Wein so, dass er zuerst mir schmeckt. Was ich dann nicht zu trinken schaffe, wird halt teuer verkauft.«

Rund 18 Hektar bewirtschaften die Zweyticks, in Lagen, die fast alle in unmittelbarer Nähe zum Weingut im südsteirischen Ratsch liegen. Blicken wir auf das aktuelle Sortiment des Weinguts, das 1986 mit dem Aussetzen der ersten Sauvignon-Blanc-Reben seinen Anfang genommen hat, so vinifiziert Ewald Zweytick heute eine beachtliche Bandbreite an unterschiedlichen Weinen. In den ersten Jahren bekamen die großen Weine einen eigenen Namen, die Riedenbezeichnung war am Etikett nicht zu finden. Mit der Einführung der dreiteiligen DAC-Pyramide hat aber auch Zweytick dieses System aufgegriffen, nun gibt es Gebiets- und Ortsweine und an der Spitze die Lagenweine, die aber immer noch ihren Markennamen tragen.

Schon die Einstiegsweine sind hier unkonventionell. Der leichtfüßige Roséwein namens »Rose in Spanish Harlem« reift ein halbes Jahr im gebrauchten Barriquefass, was ihm das »gewisse Etwas« verleiht. Die sommerlichen Weißweine aus Sämling und Welschriesling feiern Frische und Mineralität – mit einem Wort: die Trinkfreude. Die Gutsweine der Sorten Weißburgunder, Gelber Muskateller und Sauvignon Blanc vermitteln eine präzise Sortencharakteristik und tragen Südsteiermark DAC stolz als ihre Herkunftsbezeichnung. Die nächste Stufe bilden die Ehrenhausener Ortweine. Der Chardonnay reift rund 15 Monate im 1500-Liter-Holzfass, der Sauvignon Blanc verbringt die gleiche Dauer im Edelstahltank, bevor er auf die Flasche kommt. Stilistisch ganz Zweytick: viel gelbe Frucht, Stoff und Frische, mineralisch und mit guter Länge.

Saftiger Weinstil

Der Weißburgunder K3 bildet den Übergang zu den Riedenweinen, im gebrauchten Barrique geschult werden hier die Trauben von den drei wichtigsten Weinbergen des Gutes zusammengeführt. Sie kommen vom Stermetzberg, der eigentlichen Hauslage von Ewald Zweytick, vom Witscheiner Herrenberg an der Steirischen Weinstraße und von der Ried Sulz, die Richtung Gamlitz liegt.

Eine kleine Einzellage bewirtschaftet Zweytick gleich oberhalb im Süden von Gamlitz: Die von Wald geschützte Ried Höllriegl am alten Pfarrweingarten beschert einen kräuterwürzigen Gelben Muskateller, der 18 Monate im großen Holzfass reift und sich dann saftig und rassig präsentiert, und einen ebenso feinwürzigen Sauvignon Blanc, der hier vom Gamlitzer Sandstein mit Länge und Reifepotenzial ausgestattet wird.

Relativ neu im Sortiment ist der Sauvignon Blanc aus der Ried Sulz, der ein Jahr im Holz verbringt, ein stattlich-saftiger Wein mit ausgeprägtem Duft und saftiger Frucht.

Vom Witscheiner Herrenberg ist derzeit der Gelbe Muskateller aus dem Jahrgang 2021 aktuell, im großen Holz zur Perfektion gebracht und mit herrlicher Fruchtexotik und überzeugender Salzigkeit. Der Sauvignon Blanc aus dieser Riede ist maischevergoren und echter Charakterkopf. Der 2019er zeigt Anklänge von Kokos und Nougat im Duft, am Gaumen getrocknete Marillen und bleibt dabei stets frisch, mineralisch und engmaschig.

Ewald Zweytick ist ein guter Zuhörer, stets offen für Innovation.
© Stefan Gergely
Ewald Zweytick ist ein guter Zuhörer, stets offen für Innovation.

Grand Cru Stermetzberg

Gleich vier Paradeweine kommen von der Ried Stermetzberg, aktuell ist hier der Jahrgang 2022 am Markt. Der kraftvolle Grauburgunder »Tosca« reift anderthalb bis zwei Jahre im Barrique, dann kommt er mit Nuancen von Quitten und Salzkaramell ins Glas. Namenspatron war hier nicht Puccinis weltberühmte Oper, sondern ein Musikprojekt des österreichischen Elektronik--Pioniers Richard Dorfmeister.

Der Chardonnay »November Rain«, ausgebaut im neuen Holz, hat seinen Namen von einem bekannten Song der Rockband Guns N’ Roses. »Als ich die letzten Chardonnay-Trauben an einem der ersten Novembertage 1997 im Presshaus hatte, wurde der Himmel schwarz und es hat fürchterlich geschüttet. Und mir war schlagartig klar: Der Wein kann nur November Rain heißen«, so Ewald Zweytick.

Während heute der Trend zu kargeren und leichteren Weißweinen geht, sind Ewald Zweyticks Spitzenprodukte gehaltvoll und auch kräftig, er liebt nun einmal diesen Stil und denkt nicht daran, das zu ändern. Der erste Sauvignon Blanc »Don’t Cry«, Jahrgang 2000, wurde bereits im neuen Barrique vergoren und dann im neuen Holz ausgebaut. »Das war damals super, und mir hat das getaugt, es war ja nur für den Eigenbedarf gedacht.« Bis heute ist der »Don’t Cry« ein Wein mit Kraft und vielschichtigem Aromenspiel, seine Kräuterwürze und Marzipannoten machen ihn zu einem faszinierenden Speisenbegleiter.

Zweytick ist sich durchaus bewusst, dass der aktuelle Trend in Richtung leichtere Weine geht, aber das kann ihn nicht beirren. Er hat eine klare Vorstellung von der Art von Wein, die er machen will: »Ich weiche allen Trends aus, die interessieren mich nicht. Was das Thema Alkohol angeht: Ich kann die Leute nicht verstehen, die zuerst hinten am Etikett nachschauen, ich gehöre zu jenen, die erst einmal einen Schluck nehmen und dann sagen: Das schmeckt mir oder schmeckt mir nicht.«

Zweytick lässt sich nicht von aktuellen Trends beirren. Er hat eine klare Vorstellung, welche Art von Wein er machen will.
© Stefan Gergely
Zweytick lässt sich nicht von aktuellen Trends beirren. Er hat eine klare Vorstellung, welche Art von Wein er machen will.

Das Aushängeschild

Der vielleicht markanteste Wein vom Ried Stermetzberg ist ein weiterer Sauvignon Blanc, sein Name ist »Heaven’s Door«. 1500 Flaschen füllt Ewald Zweytick von diesem speziellen, nuancenreichen Wein, der mit feinster Tropenfrucht, Steinobst und saliner Brillanz aufwartet. Schon der erste Antrunk kündigt einen wahrlich großen Wein an. Hier zeigt der aktuelle Falstaff Winzer des Jahres seine ganze Meisterschaft. »Heaven’s Door« ist ein Herzblutwein, wie er nur wenigen Könnern gelingt.

Anders als so mancher heimische Winzer hat Zweytick nicht bei den Kollegen in der Nachbarschaft Maß genommen, sondern die großen Weine der Welt studiert. Seine eigenen Weine sind der beste Beweis dafür, dass er genau verstanden hat, was es braucht, um Unverwechselbares zu schaffen. Er ist seinen Weg unbeirrbar gegangen, aber stets wohlbedacht, immer an den Stellschrauben drehend und zu Selbstkritik fähig. Und daher wird noch Vieles von ihm zu erwarten sein. »Das Schlimmste wäre zu wissen, dass ich meinen besten Wein bereits gemacht habe«, so Ewald Zweytick augenzwinkernd. Nun wo er Sohn Tobias, der gerade von einem Aufenthalt in Neuseeland zurück nach Ratsch gekommen ist, an seiner Seite weiß, wird hier sicher auch zukünftig Vollgas gegeben.

Das Sortiment erkundet man am besten bei einem Besuch der längst legendären Buschenschank der Familie Zweytick.
© Stefan Gergely
Das Sortiment erkundet man am besten bei einem Besuch der längst legendären Buschenschank der Familie Zweytick.

Erschienen in
Falstaff Magazin Schweiz Nr. 7/2025

Zum Magazin

Jetzt bestellen

Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
Mehr zum Thema
1 / 12