Zwischen Denkmal und Denkfehler: Folge drei von »Raus aus Teufelsküche«
In Folge drei von »Raus aus Teufelsküche« will Umair Hussain im traditionsreichen »Gablerbräu« in Salzburg durchstarten. Doch Chaos in Küche und Service gefährden seinen Traum. Kann Alain Weissgerber das Ruder noch herumreißen?
In Folge drei von »Raus aus Teufelsküche« reist Alain Weissgerber nach Salzburg in das geschichtsträchtige »Gablerbräu«, ein Lokal mit jahrhundertealter Geschichte. Betreiber Umair Hussain will hier seinen Traum verwirklichen. Doch zwischen unklarem Management, vergessenen Bestellungen und einem Team, das nicht eingespielt ist, steht viel auf dem Spiel. Kann Alain Weissgerber das denkmalgeschützte Restaurant und Umairs Zukunft retten?
Ein Lokal mit Geschichte
Mitten in der Salzburger Altstadt liegt das traditionsreiche »Gablerbräu« – ein Lokal, das bereits vor 600 Jahren urkundlich erwähnt wurde. Seit 2024 gehört es dem 28-jährigen Umair Hussain, der mit 16 nach Österreich kam und sich seinen Traum von der Selbstständigkeit erfüllt hat. Doch so beeindruckend das Gebäude, so instabil ist der Betrieb. Kein Überblick über Lagerbestände, fehlende Struktur im Team, und ein Geschäftsmodell, das nicht trägt. Ob das »Gablerbräu« eine Zukunft hat, hängt jetzt an 48 Stunden.
Zahlen ohne Bodenhaftung
Schon beim ersten Gespräch mit Weissgerber wird klar: Umair verfolgt große Ziele – mit einem angestrebten Umsatz von zwei Millionen Euro jährlich. »Und die machst du aktuell?«, fragt Alain trocken. »Ne, im ersten Jahr nicht«, lautet die wenig überzeugende Antwort. Während Umair beteuert, 14 bis 18 Mitarbeitende zu beschäftigen, stellt sich schnell heraus: Der Kellner Hakim ist allein im Lokal. Auch sonst scheinen Kommunikation und Realität oft nicht ganz so zusammenzupassen.
Gulasch statt Gourmet
Beim ersten Testessen geht alles schief, was schiefgehen kann. Hakim empfiehlt Zwiebelrostbraten, Zanderfilet und Beef Tatar – vergisst dann bei der Bestellung in der Küche aber den Fisch zu nennen und dass Koch Ibrahim in der früh schon gesagt hatte, dass kein frisches Fleisch für das Beef Tatar da ist. Statt Rücksprache mit Alain zu halten und ihn zu fragen, was er stattdessen essen möchte, wird einfach entschieden: Es gibt Gulasch. Weissgerber ist fassungslos: »Drei Gerichte bestelle ich, und kriege nur eines von denen, die ich bestellt habe.« Das Gulasch schmeckt fade, die Zwiebeln sind nicht knusprig, die Sauce gekauft, die Spätzle riechen nach Kühlschrank. Alain spuckt das Essen in die Serviette.
Realitätscheck
Am Abend sind zwei Tische besetzt, doch auch diesmal bessert sich die Situation nicht. Wieder fehlen Gerichte, wieder müssen Gäste umdisponieren, wieder schiebt jeder dem anderen die Schuld zu. Hakim ignoriert klare Hinweise des Kochs, Bestellungen kommen nicht an, Gäste müssen auf die bestellten Gerichte verzichten und umdisponieren. Auch die Lüftung in der Küche scheint nicht zu funktionieren. Alain beobachtet das Geschehen und beschließt: So kann das nicht weitergehen.
Am nächsten Morgen versammelt Alain das gesamte Team. Er spricht Klartext. Die Qualität sei weit entfernt von dem, was Umair ständig betone. Der Businessplan ist lückenhaft, die nötige Gästeanzahl unrealistisch. Umair wirkt unbeeindruckt, redet Alain nach dem Mund. »Er geht mit Millionen um, als wäre es nichts«, so Weissgerber später. Der Bauleiter Joseph bringt zumindest optisch etwas Hoffnung: Licht, Pflanzen, Sauberkeit – kleine Schritte in die richtige Richtung.
Fleischlaberl mit Sti(e)l
Wie in jeder Folge bereitet Alain mit dem Team ein Promotionsgericht zu, um neue Kunden anzulocken. Diesmal: Fleischlaberl am Stiel. Mit den kleinen Snacks ziehen Umair und Hakim los und verteilen die Kostproben. Die Reaktion ist positiv. Nach der Rückkehr der beiden stellt Alain das neue Menü vor: als Vorspeise können sich die Gäste an einer Tapas-Bar bedienen, wo unter anderem Salatherzen mit Bachforelle, Kroketten vom Beinschinken und Käsekrainer am Spieß aufgetischt werden. Doch auch schon heir scheitert die Umsetzung an der internen Kommunikation. Hakim informiert die Gäste nicht wie geplant über die Tischabfolge – alle stürzen gleichzeitig los. Es wirkt chaotisch wie ein unkoordiniertes Buffet. Die Hauptgänge werden dann im Sharing-Stil in die Mitte der Tische platziert: Karfiol im Ganzen mit Butterbrösel und Ei, Kalbsbutterschnitzel mit Püree und Rostzwiebel, Blunzn mit Erdäpfel und Kren. Trotz Chaos überzeugt wenigstens das Essen.
Große Bühne, schwache Regie
Trotz des gelungenen Eröffnungsabends bleiben zentrale Probleme ungelöst. Das »Gablerbräu« hat enormes Potenzial – Lage, Geschichte und Raum sprechen für sich. Doch Struktur, Planung und Teamführung fehlen weiterhin. Umair träumt groß, hört zu, aber handelt kaum danach. Alain Weissgerbers klare Worte scheinen zwar kurzfristig Eindruck zu machen, doch am Ende bleibt der Eindruck: Umair glaubt, es ohnehin besser zu wissen – obwohl die Realität im laufenden Betrieb bisher ja das Gegenteil gezeigt hat. Hilft hier überhaupt noch ehrliche Kritik oder bleibt das »Gablerbräu« ein Denkmal mit Denkfehler?
Alle Infos zur Serie »Raus aus Teufelsküche« gibt es in unserem Themenspecial sowie jeden Dienstag um 21.15 Uhr auf »PULS 4« und »JOYN«.