Das Salzkammergut ist ein Paradies für Bike-Liebhaber (wie hier am Attersee) – vor eindrucksvoller Kulisse lässt sich herrlich radeln und genießen.

Das Salzkammergut ist ein Paradies für Bike-Liebhaber (wie hier am Attersee) – vor eindrucksvoller Kulisse lässt sich herrlich radeln und genießen.
© Oberösterreich Tourismus GmbH/Moritz Ablinger

Nahe am Wasser gebaut: Genussradeln am See

Zwischen Bodensee im Westen und Neusiedlersee im Osten erweist sich Wasser als perfekte Begleitung für genussreiche Radausflüge.

An Auslauf fehlt es hier nicht. Mit einer Uferlänge von 270 Kilometern ist der Bodensee im äußersten Westen Österreichs immerhin der drittgrößte See Mitteleuropas. Beinahe die gesamte Länge lässt sich dabei mit dem Rad abfahren – so auch der (kurze) österreichische Teil zwischen dem Blumenparadies Lindau und dem Naturschutzgebiet Rheindelta. Die Etappe startet in Lochau, wo mit dem »Mangold« von Andrea und Mike Schwarzenbacher schon ein erstes versorgungstechnisches Verzögerungsmoment wartet. Man kommt nicht hierher, um gleich wieder aufzubrechen. Die Gerichte bringen Weltläufigkeit an den See. Kreativität, die sich aus internationalen Einflüssen und bewusst regional ausgesuchten Lebensmitteln nährt, zielt hier präzise auf die Genussnerven ab.

Auf der eigentlichen Radroute geht es zunächst vorbei an Bregenz bis zum Rohrspitz und dann etwas abseits des Wassers durch den Grüngürtel nach Gaißau und über Höchst zurück Richtung Landeshauptstadt. Dort lohnt sich auf Höhe des Hafens und der Seepromenade ein Stopp im »Weiss«, wo Milena Broger und Erik Pedersen im skandinavisch anmutenden, lichten Lokal mit experimentierfreudiger Häppchen­küche für Gaumengenuss sorgen. Wozu noch ­weiterradeln? Sucht man das tatsächliche Erfolgserlebnis einer gesamten Seeumrundung, hat aber keinen Hunger auf Hunderte Kilometer, ist man in Zell am See gut aufgehoben. Knapp elf Kilometer – das ist auch inklusive Zwischenstopps an einem Halbtag schaffbar. Dass es dabei in Prielau nur einen kurzen Abstecher braucht, um beim dortigen Schloss vorbei zu radeln, kann unter »Kollateralnutzen« verbucht werden. Das historische Gebäudeensemble rund um die über 600 Jahre alte Kapelle ist Heimat von Andreas Mayers Restaurant. Sein Küchenteam veredelt Kochen vom schnellen Imbiss bis zum zehngängigen Gourmet­menü zum Kunsthandwerk.

Auch die Ostseite des Sees spart nicht mit gastronomischen Hotspots: Die »Speisenmeisterei« im Lohninghof, das »Seensucht« im »Seehotel Bellevue« oder der »Erlhof« bieten ausreichend kulinarische Gründe, warum die Seenumrundung dann doch aus dem angepeilten Zeitkorsett platzt. Weil hungern am reichlich gedeckten Tisch, wer tut das schon? Vorsätze sind ja auch nur da, um gegessen zu werden. Hängt man die Karotte anderntags dafür etwas höher, schraubt also das Kilometerziel nach oben, ohne dabei dem Element Wasser untreu zu werden – und vertraut dabei auf Hilfe durch einen E-Antrieb am Fahrrad –, lohnen sich Touren entlang der Kapruner Ache durch die Sigmund-Thun-Klamm zum Kesselfall oder zu den deutlich entfernter gelegenen Krimmler Wasserfällen. Die Ausfahrt geht als Kur durch, denn bereits vor rund 200 Jahren erkannten Salzburger Ärzte die Heilkraft der stobenden Gischt. Der feine Wassernebel hilft demnach bei der Heilung äußerer Entzündungen ebenso wie bei durch Kraftlosigkeit und Schwäche hervorgerufene Schmerzen.

Kraftlosigkeit könnte einen überkommen, wenn man im Salzkammergut in Sachen Radtour aufs Ganze geht. Grenzen in Distanz und Steigungen sind einem bei See-Erkundungen in der alpinen Rand­lage nämlich keine gesetzt. Für ehrgeizige Mountainbiker warten die zehn Etappen des »BergSeen e-Trails«, auf sportlich ähnlich ambitionierte Radler mit weniger Zeitbudget die »6-Seen-Tour«, für ­Genussorientierte empfiehlt sich die Runde vom Grundl- zum Ödensee. Dort wartet mit der »Kohlröserlhütte« eine besondere kulinarische Wohlfühloase. »Wir können hier unsere Vision von Genuss für alle Sinne verwirklichen«, sagen Christina und Manfred Mayer. Als Koch, Grillmeis­ter, Fleisch- und Weinsommelier bringt er die notwendigen Kompetenzen mit, das selbst gesteckte Ziel, »nicht nur Ausflugsziel, sondern Erlebnis« sein zu wollen, zu erreichen. Satteltaschen oder Rucksack sind empfehlenswert, gibt es neben Gaststube und Sonnenterrasse doch einen Genussladen.

Plättenfrühstück

Als Alternative kann man vom Grundlsee aus auch in die andere Richtung losradeln. Entlang des Westufers geht es bis ans Ende zum Toplitzsee und von dort über den Badeplatz in Gössl zurück Richtung Grundlsee und über einen kurzen Anstieg vorbei am Tresselstein nach Altaussee, von wo man schöne Ausblicke auf das Dachsteinmassiv genießen kann. Im »Brahms Café« der Seevilla in Altaussee wartet später die entsprechende Belohnung in Form hausgemachter Mehlspeisen. Man muss nicht an die Ringstraße, um Wiener Kaffeehauskultur in Bestform genießen zu können. Örtlich nicht verlegbar ist dagegen das Plättenfrühstück, das hier geboten wird: Den Tag auf einem der traditionellen Fischerboote des Ausseerlands mit einem besonderen Blickwinkel auf Loser und ­Trisselwand vom Wasser aus beginnen? Es gibt Schlimmeres.

Näher ans tatsächliche Wien führt der Donauradweg. Er begleitet wie ein Zierband Österreichs Hauptfluss und gehört vor allem rund um die und in der Wachau zum Reizvollsten, was Flussradfahren bieten kann. Auf rund 30 Kilometern führt der Donauradweg auf beiden Seiten des Stroms zwischen Krems und Melk durchs UNESCO-Weltkulturerbe. Dabei werden Seh- und Magennerven gefüttert: Die Landschaft ist ein Augenschmaus, und an jeder Ecke warten Gaumenfreuden. Es beginnt schon kurz nach Krems in Mautern, wo mit dem »Landhaus Bacher« eine der ers­ten und über die Jahre stabilsten Adressen in Sachen ­Spitzengastronomie wartet. Die Route führt entlang der ­typischen Weinbauterrassen weiter nach Dürnstein. Nächster Genussstopp: von der Schloss­terrasse den Blick auf die Donau genießen oder am Donauufer im »Gasthof Prankl« das Marillen-Tiramisu kosten. Oder beides. Es wird jedenfalls schwer sein, sich zum Weiterfahren motivieren zu können. Man sollte aber, denn in Weißenkirchen warten in der »Hofmeisterei Hirtzberger« als Stärkung wahlweise Mohnbuchteln oder eine Kostprobe aus dem zweitausend Weine fassenden Keller. Oder beides. Am Zielpunkt, dem barocken Benediktinerstift in Melk, führt die Tour durch die 900 Jahre alte Geschichte der wuchtigen Anlage und ihre prächtige Stiftsbiblio­thek mit 85.000 Bänden und nicht zuletzt zum feinen Speiseangebot von Jochen Hipfinger in der »Wachauer Stube«.

© Niederoesterreich Werbung/ Franziska Consolati

Auch weiter im Süden geizt ein Fluss nicht mit Reizen. Entlang der Drau in Kärnten lässt sich die Südseite der Alpen auf über 500 Kilometern großzügig genießen. Vom Flussjuwel Obere Drau über die Kulturstadt Spittal, vom quirligen Villach in den Landschaftsgarten des Rosentals, von der Büchsenmacherstadt Ferlach ins verträumte Jauntal – das reicht für einige Sommerradtouren. Man kann hier die Heraklit’sche Lebensformel »Panta Rhei«, wonach alles im Fluss ist (oder zumindest ihn entlang radelt) aber auch in »Panta See« umwandeln. So umfasst die »Kärntner Seen-Schleife« insgesamt 340 Kilometer und lässt dabei keinen landschaftlichen und gastronomischen Hot­spot aus. Eine Genussrallye in Dauerschleife, die man à la Julienne geschnitten genießen kann. Man kann überall starten, zwischenstoppen, wieder einsteigen. Startet man beispielsweise in Villach, erreicht man mit dem Ossiacher See, dem Afritzsee und dem Feldsee schon die ersten, dicht gestaffelten möglichen Zwischenstationen am Weg zum Millstätter See.

An dessen Ufer warten dann großzügige Sonnenterrassen direkt am Wasser. Oder man beginnt am Faaker See mit seiner spektakulären Aussicht auf die Karawanken und fährt übers Drautal weiter nach Velden. Natürlich könnte man hier stoppen. Der Wörthersee liefert landschaftlich und vor allem auch kulinarisch auf sämtlichen Uferseiten ausreichend Programm. Vom »Seespitz« in Velden über »La Terrasse« und »Porto Bello« im Schloss Seefels in Pörtschach bis zum »Soleo« in Krumpendorf und dem Allerheiligsten der Kärntner Kulinarik: Hubert Wallners Restaurant in Maria Wörth. Daran vorbeizuradeln gleicht einer Gotteslästerung. Eigentliches Ziel dieses Teilstücks ist aber der Klopeiner See, endgültiges Ende Lavamünd an der Grenze zu Slowenien.

Grenzerfahrungen mit Wasseranschluss bietet auch das Burgenland. Ungarn ist hier nur zwei, drei kräftigere Pedaltritte entfernt. Als Bindeglied dient mit dem Neusiedlersee der zweitgrößte Steppensee Mitteleuropas, an dessen Ufer sich nicht nur ein Nationalpark, sondern dank absoluter Abwesenheit von Steigungen auch ein Eldorado für genussorientierte Radfahrer ausbreitet. Man kann hier dem ehemaligen Eisernen Vorhang, der West- und Osteuropa einst hermetisch voneinander trennte, von Pamhagen in nördlicher Richtung bis Andau folgen, dann die Geschichte hinter sich lassen und über Halbturn nach Weiden am See weiterradeln. Verdienter Endpunkt: Oliver Wiegands »Zur blauen Gans«. Er hat sich einer nachhaltigen, unprätentiösen und ehrlichen Küchenlinie auf höchstem Niveau verschrieben, in der auch auf Veränderungen in der Natur reagiert wird. So gibt’s das Signature-Dish, den Zander im Ganzen,  nur dann, wenn Fischlieferant Emmerich Varga viel Glück hat – der sinkende Wasserstand des Sees fordert erste Opfer.

Bis ans Meer

Schon auch auf Fisch, vor allem aber auf Graurind, Kamerunschaf und Ziegen sowie regionale Klassiker (Grammelknödel mit Paradeiser) konzentriert sich das Angebot in Max Stiegls »Gut Purbach«. Bis man dort zu Messer und Gabel greifen kann, muss man aber erst in die Pedale treten und aus dem Seewinkel im Südosten auf die Westseite des Sees wechseln.

Hier wartet gleich eine Vielzahl an Superlativen: Oggau gilt als älteste Rotweingemeinde Österreichs, Rust als kleinste Statutarstadt Österreichs und Mörbisch mit den Seefestspielen als Heimat des größten Operettenfestivals der Welt. Sämtliche Des­tinationen sind durch ein dichtes Netz an Radwegen miteinander verbunden. Insgesamt sind es 40 Radwanderwege, die rund um Österreichs einzigen Steppensee angelegt sind. An Auslauf fehlt es also auch hier, 750 Kilometer östlich vom Bodensee, nicht. Wem das immer noch zu eng ist, der muss ans Meer. Die Halbinsel Punta Skala in der Nähe von Zadar würde sich anbieten. Im dortigen »Falkensteiner Resort« stehen E-Bikes, Mountainbikes und Elektroroller bereit, um die Küste und spektakuläre Sonnenuntergänge zu genießen.

Adressen

Salzburg

Mayer’s auf Schloss Prielau
Starke Aromen, starke Geschmackskombi-nationen: Spitzenkoch Andreas Mayer lebt hier -seine Leidenschaft auf höchstem Niveau aus.

Hofmannsthalstraße 10, 5700 Zell am See
T: +43 6542 72911, mayers-restaurant.at

Seensucht im Seehotel Bellevue
Crossover-Küche zwischen Salzburger Schmankerln aus regionalen Zutaten und mediterranen Köstlichkeiten mit exklusivem Touch von Michael Schnell.

Seeuferstraße 41, 5700 Zell am See
T: +43 6542 21828, restaurant-am-see.at

Speisenmeisterei
Der alte Lohninghof wird perfekte Bühne für die »Speisenmeister« Irene und Thomas Schwab, die mit einer asiatisch-mediterranen Küche und feiner Vinothek locken.

Seeuferstraße 6, 5700 Zell am See
T: +43 6542 47448, speisenmeisterei.at

Steiermark

Wassermann
Die Lage mit ihrem Grundlsee-Blick ist atemberaubend, genauso wie die Menüs von Stefan Haas. Schöne Weinkarte.

Archkogl 31, 8993 Grundlsee
T: +43 3622 8477263, grundlsee.mondihotels.com

Seevilla
Roland Wechselberger überzeugt mit niveauvoll zubereiteten Österreich-Klassikern im familiengeführten und mit viel Feingefühl umgestalteten Traditionshaus am Altausseer See.

Fischerndorf 60, 8992 Altaussee
T: +43 3622 71302, seevilla.at

Kärnten

Gourmetrestaurant Hubert Wallner
Der Hausherr lebt seine Kreativität mit meisterlichen Gerichten neuerdings im eigenen Lokal am Südufer des Wörthersees aus.

Seeplatz 6, 9082 Maria Wörth
T: +43 4273 38589, hubertwallner.at

La Terrasse im Schloss Seefels
Im umfassend umgebauten Hotel blieb in der Küche alles beim (hochklassigen) Alten: 80 Prozent der Produkte stammen aus der Region. Kurze Lieferketten für langen Genuss.

Töschling 1, 9212 Pörtschach
T: +43 4272 2377, seefels.at

Seespitz im Schlosshotel Velden
Leichte Bistroküche auf der Seeterrasse oder Auswahl an Slow-Food-Variationen der Genussregion Alpen-Adria – auf japanische Weise puristisch zubereitet.

Schlosspark 1, 9220 Velden
T: +43 4274 520000, schlossvelden.falkensteiner.com

Niederösterreich

Landhaus Bacher
Thomas Dorfer interpretiert klassische Küche zeitgemäß und setzt damit die große Tradition des Hauses fort. Exzellente Weinauswahl.

Südtiroler Platz 2, 3512 Mautern an der Donau
T: +43 2732 82937, landhaus-bacher.at

Kaiser von Österreich
Silvia und Hermann Haidinger sorgen für einen Mix aus bodenständiger und zeitgemäßer Küche mit vielen mediterranen Akzenten.

Körnermarkt 9, 3500 Krems
T: +43 2732 86001, kaiser-von-oesterreich.at

Prankl
Allein der Grammelgnocchi wegen einen Ausflug wert. Bodenständig, entspannt, mit der richtigen Dosis Moderne.

Hinterhaus 16, 3620 Spitz
T: +43 2713 2323, gasthaus-prankl.at

Wachauerstube
Gerald Diemt sorgt hier für eine gehobene Wirtshausküche mit Paprikahendel, Braten und Wachauerstuben-Gulasch. Topweine aus der Wachau.

Unterloiben 74, 3601 Dürnstein
T: +43 2732 85950, wachauerstube.at

Burgenland

Taubenkobel
Amuse und Apfeltarte kommen vom offenen Feuer, dazwischen lässt Alain Weissgerber Kräuter und Beeren (vom weinberühmten Goldberg) ihr Aromenwerk an Aal oder Ente tun.

Hauptstraße 31,7081 Schützen
T: +43 2684 2297, taubenkobel.at

Gut Purbach
Pannonische Zutaten und burgenländische Tradition treffen auf französisches Handwerk und Max Stiegls Talent, Bewährtem seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Hauptstraße 64, 7083 Purbach
T: +43 2683 56086, gutpurbach.at

Zur Dankbarkeit
Herausragende burgenländische Interpretationen internationaler Küche, dazu eine ausführliche Weinkarte mit Schätzen aus der Region und aus Übersee.

Hauptstraße 39, 7141 Podersdorf
T: +43 2177 2223, dankbarkeit.at

Presshaus
Pannonische Klassik von der Suppe bis zu den Desserts. Dazwischen nicht das feine Fischangebot und die gut sortierte Weinkarte übersehen.

Apetloner Straße 13, 7142 Illmitz
T: +43 2175 2730, presshaus.com

Mooslechners Rusterhof
Nach Stationen im Wiener Corso oder Cafe Central betreibt Michael Mooslechner seit über 25 Jahren den 1535 erbauten Rusterhof und serviert Wiener Küche am See.

Rathausplatz 18, 7071 Rust
T: +43 2685 60793, rusterhof.com

Kroatien

Bracera im Falkensteiner Hotel & Spa Iadera
Die kroatische Halbinsel Punta Skala ist Heimat der schönen Falkensteiner-Anlage. Die gehobene Küche passt genau ins Bild: Mediterrane und internationale Einflüsse bilden eine Symbiose, auf der Terrasse direkt am Wasser genießt man kreative Fischküche.

Ulica 1, 23231 Petrčane
T: +385 52 3500960, falkensteiner.com

FoŠa
Im Sommer bietet die Terrasse des historischen Gebäudes in Zadar den besten Blick aufs Meer. Das kreative, elaborierte Menü umfasst fünf oder acht Gänge, auch ein vegetarisches Menü wird angeboten. Auf der Weinkarte stehen einige exzellente dalmatinische Tropfen.

Ulica kralja Dmitra Zvonimira 2, 23000 Zadar
T: +385 23 314421, fosa.hr


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Erschienen in
Falstaff Nr. 03/2024

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Klaus Höfler
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