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© Shutterstock (Symbolbild)

Alkoholfrei: Achtsamer Genuss im Aufschwung

Interview
alkoholfrei
Alkoholfreie Weine

Alkoholfreie Alternativen boomen – und der Mindful Drinking Club treibt diese Bewegung mit an. Gründerin Jennifer Kießling erklärt, warum bewusster Konsum zur neuen Normalität wird und was die Gastronomie noch lernen muss.

In einer Welt, in der wir schnelle Konsumentscheidungen treffen, setzt sich eine neue Form der Genusskultur durch: das bewusste Erleben des Moments, verstärkt durch die achtsame Wahl dessen, was wir trinken wollen. Was vor wenigen Jahren noch belächelt wurde, ist heute Ausdruck eines neuen Zeitgeists: Hochwertige alkoholfreie Getränke erobern Bars, Restaurants und private Haushalte.

Der Mindful Drinking Club hat sich als Vorreiter im Bereich der alkoholfreien Genussgetränke etabliert. Gegründet von Jennifer Kießling und Max Lielje in Berlin, verfolgt das Unternehmen seit 2021 das Ziel, eine inklusive Trinkkultur zu schaffen, die über das blosse Weglassen von Alkohol hinausgeht und sich bewusst für alkoholfreie Optionen entscheidet. Denn alkoholfrei bedeutet nicht weniger Qualität und Genuss.

 

Max Lielje und Jennifer Kießling.
© Mindful Drinking Club
Max Lielje und Jennifer Kießling.

«Der Mindful Drinking Club ist der erste Fachhandel und Vertrieb für eigenständige alkoholfreie Genussgetränke und Null-Prozent-Spezialitäten im deutschsprachigen Raum», erklärt Jennie im Gespräch mit Falstaff. Das Besondere: Die angebotenen Produkte kopieren keine alkoholischen Vorbilder, sondern entwickeln eigenständige Geschmacksprofile. Dazu gehören unter anderem sogenannte Proxies – komplexe Alternativen zu Wein und Schaumwein – sowie hochwertige, alkoholfreie Aperitifs und Elixiere.

Von der Nische zum Trend

Seit der Gründung des Clubs hat sich der Markt für alkoholfreie Getränke rasant entwickelt. «Ich würde sagen, dass sich seit etwa vier, fünf Jahren ein ganz grundsätzlicher Wandel in der Sichtbarkeit und Verfügbarkeit von hochwertigen Alternativen vollzieht», so Jennie. Dieser Wandel spiegelt sich nicht nur in der wachsenden Produktvielfalt wider, sondern auch in der zunehmenden Akzeptanz alkoholfreier Angebote in der Gastronomie und bei Veranstaltungen. «Es wird langsam, aber sicher immer normaler und einfacher, überhaupt eine alkoholfreie Option zu finden, serviert zu bekommen und einfordern zu können.»

Der inklusive Ansatz des Mindful Drinking Clubs geht jedoch über das Produktangebot hinaus. «Inzwischen empfinde ich es als anmassend und übergriffig, keine gute alkoholfreie Option im Angebot zu haben und als Gastgeber:in davon auszugehen, dass alle Alkohol konsumieren möchten», betont Jennie. Der Club versteht sich nicht nur als Vertrieb, sondern auch als Impulsgeber für eine bewusste und nachhaltige Trinkkultur.

Dabei legt das Unternehmen grossen Wert auf ethische und nachhaltige Geschäftspraktiken. Das Sortiment ist überwiegend vegan, viele Produkte sind biozertifiziert oder entstehen mit Produkten aus kontrollierter Wildsammlung. Auch beim Versand setzt der Mindful Drinking Club auf umweltfreundliche Materialien und verzichtet komplett auf Plastik. «Das sind wirtschaftlich nicht immer die einfachsten und kurzfristig lukrativsten Entscheidungen, aber sie entsprechen unserer Vorstellung einer möglichst nachhaltigen, sozialverträglichen und verantwortungsvollen Unternehmenskultur», erläutert Jennie.

Der persönliche Wandel der Gründerin

Jennie selbst hat einen bemerkenswerten Weg hinter sich. Sie hat nicht nur privat Wein getrunken, sondern sich auch beruflich als Gastronomin intensiv mit Wein beschäftigt. «Nach vielen Jahren ausgeprägten bis exzessiven Weinkonsums trinke ich seit Dezember 2021 keinen Alkohol mehr.» Diese persönliche Entscheidung spiegelt sich in ihrer Leidenschaft für alkoholfreie Spezialitäten wider. Ihre Favoriten? «Weniger offensichtliche Geschmacksprofile sprechen mich mehr an, aber das hängt sowohl vom Anlass als auch von meiner Tagesform ab.»

Für die Zukunft sieht Jennie vor allem in der Gastronomie noch viel Potenzial. «Ich sehe hier flächendeckend grossen Nachholbedarf, ein inklusives Angebot zu schaffen. Die Möglichkeiten dafür sind da und mittlerweile so vielfältig, dass es einfach keine Ausreden mehr gibt». Ihr Appell an die Branche: «Fangt irgendwo an. Es muss nicht direkt eine mehrseitige Flaschenkarte sein – ein paar Optionen reichen schon aus, um dem Gast ein völlig anderes Gefühl zu geben.»

Der Mindful Drinking Club plant, im Sommer 2025 in die Deutschschweiz zu expandieren, um die Vision einer bewussten und inklusiven Trinkkultur weiter zu verbreiten – ein weiterer Schritt, der zeigt, dass alkoholfreier Genuss längst mehr ist als nur ein Trend.

VieVinum Future Academy 2025
Im Rahmen der VieVinum Future Academy 2025, die am 17. Februar 2025 im Schloss Schönbrunn in Wien stattfindet, wird Jennifer Kießling an einer einstündigen Podiumsdiskussion teilnehmen und einen Impuls zur inklusiven Trinkkultur geben. Dabei geht es um Low und Zero-Getränke in der Gastronomie und im Handel.

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Linda Carstensen
Linda Carstensen
Portalmanagerin Schweiz und Autorin
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