»Bar Centrale«: Ein Besuch in einer der italienischsten Bars Münchens
Die »Bar Centrale« feiert ihr 25. Jubiläum. Ein Anlass für einen Ausflug in die historische Verbindung der Stadt mit Italien.
Si, claro riecht es nach Café und Cornetto in der nördlichsten Stadt Italiens. Vor allem in der Ledererstraße, da wo nun mehr seit 25 Jahren die »Bar Centrale« Espresso ausschenkt als sei man nicht in good old Germany, sondern – nun – in Bella Italia eben.
Eine Bar, italienischer als Italien selbst.
Die blauen Ledersofas, die in Klarsichtfolie geschlagenen Tramezzini, die geschnitzte Frau, die jedem Besucher ein Panettone darbietet. Dazu kommt das dunkle Holz, das auf eine Art dunkel ist, die nicht düster, sondern behaglich wirkt. Das alles versprüht italienischen Flair wie Jeremy Fragrance Parfüm. Nicht umsonst vermerken die Besitzer der Bar, Rudi Kull und Albert Weinzierl, auf ihrer Website: »Eine Bar, italienischer als Italien selbst.«
Und das ist nur richtig so. Denn wie wir alle wissen, liegt die italienische Grenze nicht jenseits des Brenners, sondern an der Ausfahrt der A8 nach München. Es wird oft und viel gemutmaßt, woran das liegen mag. Vielleicht am Föhn, meinen die einen, dem warmen Wind, der von den Alpen her durch die Straßen von München weht und einen leicht dazu verführen könnte, die paar Brocken Urlaubs-Italienisch auszupacken und Eiscreme fortan nur noch als »Gelato« zu bezeichnen. Andere halten es für erwiesen, dass hier genau wie in den Städten entlang des Stiefels das Leben auf der Straße stattfindet, beim Aperitif oder Espresso. Klar, wo kaum eine deutsche Stadt so stark mit dem rot schimmernden Aperol Spritz verbunden und überall und ständig Cappuccino geschlürft wird.
Heute gibt es um die 600 italienische Restaurants in München
Auch wenn die »Bar Centrale« in München so etwas wie das Kolosseum in Rom, also das Herzstück von Monaco di Bavaria ist, hat die italienische Esskultur in München natürlich nicht ihren Ursprung hier. Schon 1810 genossen Münchner italienische Schokolade des Chocolatiers Luigi Tambosi, 1890 begann die Liaison der Stadt mit der italienischen Küche, die bis heute anhält, als in der Schellingstraße die »Osteria Bavaria« eröffnete. Heute gibt es um die 600 italienischen Restaurants in München, was ungefähr der Restaurantdichte einer italienischen Kleinstadt entspricht.
Aber mehr noch: Eine Forschergruppe der Ludwig-Maximilian-Universität in München hat zu der Frage Bücher gewälzt und herausgefunden, dass der besondere Bund, den die Stadt mit der italienischen Kultur verbindet, bereits im Jahr 1654 begann. Zu der Zeit residierte hier der Kurfürst Ferdinand Maria von Bayern. Seine Frau und Beraterin, Henriette Adelaide von Savoyen, eröffnete das erste freistehende Opernhaus in Deutschland: mit der italienischen Oper »La ninfa ritrosa«. Um dieses Projekt zu verwirklichen, lockte sie aus Turin einen Trupp italienischer Handwerker, Architekten und Künstler nach München – und hauchte der Stadt so den Geist ein, den sie bis heute atmet.
Weil der Kurfürst Ferdinand seine Angetraute liebte, und weil diese wiederum die italienische Kultur liebte, schenkte er ihr die Theatinerkirche: ein Replikat Sant’Andrea della Vale in Rom. Genau wie das im italienschien chic erbaute Schloss Nymphenburg. Und damit nicht genug: Im Zierkanal des Schlosses paddelten Gondoleri, die, um die Vorlieben von Henriette zu befriedigen, aus Venedig nach München zwangsversetzt wurden.
Ciao, ihr Lieben
In der »Bar Centrale« ist an diesem Morgen der Teufel los. Ein Kellner trägt vollbeladene Tabletts mit Cornetto, die Kaffeemaschine lässt ihren goldbraunen Strom in Tassen fließen und man begrüßt sich hier – kein Scherz – mit »Ciao, ihr Lieben.« Denn ein Vierteljahrhundert möchte gefeiert werden, findet »illycaffè«, der Veranstalter der Sause. Mit illustren Gästen, die Slippers tragen, Halstücher und Gesichter, die so schön glänzen, dass man sofort die Skincare-Routine erfahren möchte. Eigentlich alles wie immer also. Nur ein bisschen festlicher.
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