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Die aufregendsten Foodie-Hotspots 2026 in Europa

Genussreisen
Europa

Ein Abend in Krakau im ersten und einzigen Zwei-Sterne-Restaurant Polens? Ein Pintxos-Rausch in San Sebastián? Oder einfach beherzt ins beste Smørrebrød Kopenhagens beißen? Bei kulinarischen Städtetrips hat man in Europa die Qual der Wahl. Falstaff stellt daher die zehn aufregendsten Foodie-Hotspots 2026 vor.

Bologna: Tradition und perfektionierte Einfachheit

La Grassa! Die Fette! Bolognas Beiname scheint wenig schmeichelhaft und ist doch gleichsam liebe- und verheißungsvoll. Schließlich geht es um die Opulenz, mit der in der norditalienischen Stadt kulinarisch aus dem Vollen geschöpft wird. In Bologna und der Region Emilia-Romagna drumherum stellen Produzenten weltberühmte Produkte her. Zarter Parmaschinken kommt von hier, der Hartkäse Parmigiano Reggiano und natürlich die Mortadella di Bologna. Im Viertel Quadrilatero, ein historisches Labyrinth, überquellend vor Feinkostläden, Märkten und Restaurants, findet man all diese Delikatessen und noch viel mehr.

In zahllosen Restaurants kann man sich zudem durch ikonische Gerichte schlemmen, die hier ihren Ursprung haben. Köstlichste Tagliatelle al Ragù kommen in der »Taverna Di Roberto« auf den Tisch. Die »Trattoria Da Me« verführt mit Tortellini in Brodo. Und die Lasagne in der »Osteria Dell’Orsa«? Köstlich! Eine klassische Trattoria wie »Da Cesari« spiegelt mit ihren Gerichten ebenfalls die Essenz Bolognas: eine ehrliche, tief in der Tradition verwurzelte Küche mit atemberaubend perfektionierter Einfachheit.

Doch egal, in welchen Restaurants man letztlich landet – ein Aperitivo vorweg gehört natürlich dazu! In diesem Fall vielleicht mal ein Spritz mit dem Bologna-Likör Sarti. Salute!

Porto: Authentisch & innovativ in Nordportugal

An das Kuttelgericht Tripas à moda traut man sich doch nicht so richtig ran? Keine Sorge! In den Gassen von Porto bleiben noch viele andere Möglichkeiten, die authentische Küche der Stadt am Douro-Fluss kennenzulernen – von der Kohl-Kartoffel-Suppe Caldo Verde bis zu allerlei Bacalhau-Variationen. Gehobene Anlaufstellen dafür? Etwa das »Cozinha do Manel« oder das »Flor dos Congregados«. In den Zwei-Sterne-Restaurants »Casa de Chá da Boa Nova« und »Antiqvvm« hingegen verschmelzen exquisite portugiesische Produkte und Aromen mit innovativen Ideen.

Zwischendurch wird es gern auch mal süß in Porto! In der »Confeitaria do Bolhão« erliegt man den Torten und portugiesischen Backwaren genauso schnell wie den Pastéis de Nata bei »Manteigaria«. Nicht zuletzt sollte man für das ein oder andere Gläschen Ruby oder Tawny in einem der Portweinkeller in der Vila Nova de Gaia verschwinden. Das Anbaugebiet im Douro-Tal ist schließlich nicht weit.

Stockholm: Weit mehr als Köttbullar und Zimtschnecken

Gibt es die beste Zimtschnecke in »Lillebrors Bakeri«? In der »Valhallabageriet«? Oder vielleicht doch ganz woanders? Lecker werden diese Kanelbullar in jedem Fall sein und eine unwiderstehliche Begleitung zum Fika, dieser Kaffeepause, die eigentlich viel mehr als das und ein schwedisches Kulturgut ist.

Doch auch über diesen Backklassiker hinaus erobert Stockholm Foodie-Herzen mit Lässigkeit und nordischem Stil. Ganz gleich, ob es einen in schicke Bistros oder eines der 18 Sternerestaurants zieht; ob man in den Gassen der Altstadt Gamla Stan oder in anderen Stadtvierteln wie dem trendigen Södermalm unterwegs ist. Regionalität und Nachhaltigkeit sind dabei in vielen Restaurants mittlerweile gesetzt.

Wichtig sind nach wie vor traditionelle Spezialitäten: Von Graved Lachs und Hering über Toast Skagen mit Garnelen und Rogen bis zu den Köttbullar, den berühmten Fleischbällchen, die etwa im »Meatballs for the People« in unterschiedlichsten Varianten auf den Tisch kommen.

Oft werden Klassiker frisch interpretiert wie im »Restaurang Hantverket«. Bei der New Nordic Cuisine im »Frantzén« werden die nordischen Zutaten mit globalen Ideen und Techniken sogar auf Drei-Sterne-Niveau neu gedacht.   

San Sebastián: Sternestadt mit Pintxos-Obsession

Erst ein Pintxo vom gegrillten Oktopus, dann einer mit butterzarter Ochsenbacke – und doch ist das erst der Auftakt. In den mittelalterlichen Altstadtgassen von San Sebastián verliert man sich genüsslich zwischen Theken und Tresen, vor einer schier endlosen Parade aus Pintxos, die in Bars vom »Zeruka« bis zur »La Cuchara de San Telmo« um Aufmerksamkeit buhlen. Doch so betörend die aufgespießten Tapas-Köstlichkeiten auch sind: Sie sind nur der erste Vorgeschmack auf die kulinarische Welt der Hauptstadt des nordspanischen Baskenlandes.

Schon auf einem entspannten Feinkostbummel auf dem »Mercado San Martín« hat man bei all den Spezialitäten der baskischen Küche die Qual der Wahl: Soll man den Idiazabal-Käse probieren? Ein Stück Pastel Vasco – baskischer Käsekuchen – vernaschen? Oder doch lieber fangfrische Meeresköstlichkeiten aus dem Golf von Biskaya mit einem Glas spritzigen Txakoli-Wein genießen?

Der Abend gehört dann den Restaurants von Weltrang. Denn: Im Verhältnis zur Einwohnerzahl von 190.000 hat San Sebastián auch 2026 eine Dichte an Michelin-Sternen wie kaum eine andere Stadt. Unter den 13 prämierten Restaurants sind allein drei mit drei Michelin-Sternen – so wie das »Arzak«. Avantgardistisch, baskisch, aufregend!

Madrid: Tapas, Churros und innovative Gourmetkunst

Kulinarische Genüsse sind in Madrid allgegenwärtig! Nicht nur, wenn man im »Casa Alberto« oder anderen Traditionslokalen beim Eintopf Cocido Madrileño oder dem Kutteltopf Callos sitzt. Oder wenn es einem bei hochkreativer Gourmetkunst wie im »DiverXO« (drei Sterne) den Atem verschlägt. Es ist bei den appetitanregenden Streifzügen durch die spanische Hauptstadt immer auch ein bisschen Zeit für Churros con Chocolate in der »Chocolatería San Ginés« oder für Bocadillo de Calamares, ein Sandwich mit Tintenfischringen, in der »Bar La Campana«. Die Metropole verführt überall mit alten Pastelerías und schummrigen Bodegas, mit Nachbarschaftsmärkten und herausragenden Gourmetrestaurants – und natürlich: Tapas-Bars!  Einfach Patatas Bravas, Knoblauchgarnelen oder ein paar Croquetas bestellen, dazu ein Bier – und dann nur noch die Lebendigkeit und die Geselligkeit drumherum absorbieren.

Kopenhagen: Smørrebrød und Spitzenküche im Norden

Der innovative, nachhaltige, klare Geist der »New Nordic Cuisine«, der die Gastro-Szene einst auf den Kopf stellte, ist in Kopenhagen vielerorts übergesprungen. Mit allein 20 Restaurants, die einen oder mehr Michelin-Sterne haben, sowie 23 Bib-Gourmand-Empfehlungen ist die dänische Hauptstadt daher nach wie vor ein absolutes Foodie-Paradies. Spitzenpositionen haben inzwischen auch das »Geranium« und das »Jordnær« mit je drei Michelin-Sternen. Und ergattert man im »Alchemist« einen Tisch, erwartet einen ein Zwei-Sterne-Spektakel – mit bis zu 50 »impressions«, also Gängen.   

Auch sonst geht es in der pulsierenden Gastro-Szene deliziös, stylisch und weltgewandt zu. Man kann Austern in »Kødbyens Fiskebar« im einstigen Fleischerviertel bestellen. Mexikanisches Streetfood der Ex-»Noma«-Köchin Rosio Sanchez im »Hija de Sanchez« genießen. Oder im trendy »Reffen Street Food Market« in ein argentinisches Black-Angus-Sandwich mit Chimichurri beißen. Ein Muss in Kopenhagen ist zudem das traditionelle Smørrebrød, das belegte Roggenbrot, wie es beim »Aamanns« oder »Selma« üppig aufgeschichtet wird. Aber: Für eine unwiderstehliche Zimtschnecke in der »Hart Bageri« sollte immer noch Platz bleiben!   

Berlin: Foodie-Weltreise

Schlangestehen gehört dazu! Egal, ob man sich für die berühmte Currywurst bei »Curry 36« oder gegenüber für den Döner bei »Mustafas Gemüse Kebab« entscheidet. Die deutsche Hauptstadt steht nach wie vor für diese Imbiss-Klassiker und hat doch längst den Ruf als eines der heißesten Food-Ziele Europas. Von der Kantstraße mit ihrer Fülle an asiatischen Restaurants über die eleganten Adressen in Mitte bis ins trendige Friedrichshain: Berlin ist überraschend, dynamisch und extrem global mit schwindelerregender Auswahl.

Im »Rutz« (drei Sterne) genauso wie bei »Tim Raue« und im »Horváth« (je zwei Sterne) wird Michelin-prämierte Spitzenküche kreiert. Aber auch ohne Sterne erlebt man Weltküche auf hohem Niveau. Soll es Ceviche beim Peruaner »Rocoto« sein? Oder feuriger Rindfleischeintopf im eritreischen Restaurant »TZOM«?

Nicht nur zum »Streetfood Thursday« pilgern Foodies zudem in die Markthalle 9 in Kreuzberg. Oder für ein Glas Champagner in die »Sechste« ins KaDeWe. Später am Abend stürzt man sich ins berüchtigte Nachtleben und landet in angesagten Bars wie »Limonadier« – oder in einem der Klubs.

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Krakau: Herzhaft modern in Südpolen

Mal sind sie mit Hackfleisch gefüllt, mal mit Sauerkraut und Pilzen. Egal, in welcher der etlichen Varianten man sie bestellt: Pierogi, gefüllte Teigtaschen, gehören zu einem Trip nach Krakau genauso dazu wie Streifzüge durch die pittoreske Altstadt oder das coole, jüdische Viertel Kazimierz mit all seinen Restaurants, Bars und Cafés. So reich die südpolnische Stadt an Geschichte ist, so bodenständig deftig ist auch die einheimische  Küche – vom herzhaften Eintopf Bigos bis zur sauren Roggenmehlsuppe Żurek. In zeitgenössischen Restaurants wird sie aber inzwischen anders gedacht, modern und mit internationalen Einflüssen. So wie im »Karakter«, im »Szara Gęś w Kuchni« oder vor allem dem »Bottiglieria 1881«, dem ersten Restaurant Polens mit zwei Michelin-Sternen.

Lyon: Deftige Schlemmermetropole

Am Eingang wird man von Paul Bocuse empfangen – überlebensgroß als Wandmalerei. Der »Nouvelle Cuisine«-Meisterkoch lädt einen ein zum Feinkostspaziergang in den nach ihm benannten Markthallen »Les Halles de Lyon Paul Bocuse«. Von Lyoner Wurst im Brioche bis zu Tarte à la Praline mit rosa Zuckermandeln kann man sich dort kaum stattsehen und -probieren an den Delikatessen, Weinen und fantastischen Produkten. Kein Wunder, dass die Stadt an der Rhône im Herzen Frankreichs als Schlemmermetropole gilt – längst nicht nur, aber doch sehr für die französische Küche.

Atemberaubende 92 Restaurants mit bis zu zwei Sternen fanden Erwähnung im »Guide Michelin«. Zu den Gourmetinstitutionen zählt das 1921 eröffnete »Mère Brazier«, in dem sich Eugénie Brazier 1933 als erste Frau drei Sterne erkochte. Heute werden Klassiker wie Bresse-Huhn mit blauem Hummer frisch interpretiert. Berühmt ist Lyon aber auch für die Bouchons, diese urigen Lokale wie das »La Meunière« oder »Le Musée«. Die Atmosphäre ist familiär-lebendig. Und das Essen? Deftig mit Traditionsgerichten wie Andouillette-Wurst oder den Hechtklößen Quenelles. Alles andere als leicht, aber wer will da schon Kalorien zählen?

Tirana: Unbekanntes Terrain

Für viele Foodies ist Tirana ein weißer Fleck. Zu Unrecht! Die dynamische Hauptstadt Albaniens birgt schließlich etliche kulinarische Entdeckungen. Wie in Tirana selbst treffen in der einheimischen Küche zwischen Albanischen Alpen und Adria Kontraste aufeinander: Balkan und Orient, leichte Mittelmeerküche und herzhafte Hausmannskost. Nationalgericht ist das Tavë kosi mit Lamm in Joghurt-Ei-Soße, das wie andere Traditionsspeisen in gehobener Variante etwa im Restaurant »Era« serviert wird. Geschichte und Moderne durchdringen sich, auch kulinarisch. In der aufstrebenden Gastro-Szene gehört das »Mullixhiu« zu den herausragenden Adressen. Spitzenkoch Bledar Kola erfindet traditionelle Gerichte dort neu – kreativ und nachhaltig. Um in Verzückung zu geraten, genügt aber mitunter schon ein knuspriges Byrek, einer der Streetfood-Klassiker, im Eck-Imbiss. Oder ein türkischer Kaffee, während man in die starke lokale Kaffeekultur abtaucht. Oder ein Bummel über den lebendigen Basar »Pazari i Ri«, der noch einmal mehr Appetit auf albanische Leckerbissen macht.

Sascha Rettig
Sascha Rettig
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