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Die Weinberge der Grenzregion zu Slowenien bilden die einzigartige Naturkulisse für die Südsteirische Weinstraße.

Die Weinberge der Grenzregion zu Slowenien bilden die einzigartige Naturkulisse für die Südsteirische Weinstraße.
© OeWM | WSNA

Die Südsteirische Weinstrasse: Eine 70-jährige Erfolgsgeschichte

Südsteiermark Special 2025
Südsteiermark
Weinbau

Die Südsteiermark zählt zu den beliebtesten Reisedestinationen Österreichs. Vor 70 Jahren wurde dazu mit einer bahnbrechenden Idee der Grundstein gelegt. An der Grenze zum damaligen Jugoslawien wurde die erste »Weinstraße« Österreichs gebaut.

Dass das einzigartige Weinbaugebiet an der Grenze zu Slowenien seine außerordentliche Anziehungskraft entwickeln konnte, ist den intensiven infrastrukturellen Vorbereitungsarbeiten zu verdanken, die in den frühen 50er-Jahren ihren Anfang nahmen. Damals wurde im südsteirischen Grenzland mit dem Bau neuer Straßen begonnen, und Schritt für Schritt wurde das Gebiet erschlossen, das sich in weiterer Folge zu einem wichtigen Fremdenverkehrs- und Naherholungsziel entwickeln konnte.

Zur Belebung der Region wurde vor allem auch das Südsteirische Weinland mit einem Wegenetz ausgestattet, das es künftigen Besuchern aus Nah und Fern leichter machen sollte, die oft noch abgeschiedenen Betriebsstätten zu erreichen. Für die Winzer wurden Möglichkeiten für Ab-Hof-Verkäufe ihrer Weine und Bewirtungen in den Buschenschänken geschaffen.

NAMENSGEBUNG

So wurde, teils unmittelbar an der Grenze zu Jugoslawien, eine insgesamt etwa 25 Kilometer lange Strecke errichtet, für die der damalige Landeshauptmann Josef Krainer Senior im Oktober 1955 anlässlich der Eröffnung der letzten Teilstrecke den Namen »Südsteirische Weinstraße« prägte. Mit der wachsenden Motorisierung stieg auch die Reisefreudigkeit der Bevölkerung stetig an, und die Südsteirische Weinstraße entwickelte sich immer mehr zum Geheimtipp für Tagesausflüge und in der Folge für Kurzurlaube.

Der steirische Weintourismus war geboren und die Weinstraße war sein Fundament. Auch die Tatsache, dass der Verlauf dieser schmalen Straße entlang der Weingärten auf den Hügelkuppen zum Teil direkt der damaligen jugoslawischen Grenze folgte, war für viele Besucher sehr reizvoll.

Ein geschichtlicher Einschub: Bereits seit dem Vertrag von St. Germain 1919 existierte die Grenzlinie nur als politisches Faktum, teilweise verläuft die Staatsgrenze exakt in der Mitte der Fahrbahn, sie wurde durch keinen »Eisernen Vorhang« gesichert. Die »Grüne Grenze« und die Fahrerlaubnis auf der »neutralen Straße«, die sonst nirgendwo in Österreich möglich war, übten auf die Gäste einen heute nur mehr schwer nachvollziehbaren Nervenkitzel aus.

Die Winzer der Region verstanden es schnell, den neuen Zustrom von weininteressierten Besuchern zu verstärken. Vom Gebietsweinkosten über das sommerliche Gästeweinkosten, die »Steirische Weinwoche« in Leibnitz im Sommer, bei der sich alle drei Anbaugebiete mit ihren Produkten präsentierten, bis zum Klapotetz-Aufstellen zu Jakobi, kumulierten die Aktivitäten im Herbst mit Weinlese und Erntedank und den dazugehörenden Festen.

Des einen Leid, des andern Freud, sagt man: Es war ausgerechnet der österreichische Weinskandal 1985, der in der Folge der Steiermark als Weinregion eine unerwartete Aufmerksamkeit bescherte. Bis dahin hatte die Vermarktung des steirischen Weines einen regionalen Charakter, nur wenig steirischer Wein verließ das Bundesland.

STEIRISCHE Exzellenz

Auf der Suche nach garantiert nicht von der Diethylenglykol-Problematik betroffenen Regionen, kamen die reschen, krachtrockenen Weißweine der »Steirischen Toskana«, wie die Region der Weinstraße bereits 1987 in der Wiener Zeitung betitelt wurde, gerade recht. Bald war es nicht der knackige Welschriesling allein, der Einzug in die heimische Gastronomie hielt, einige wagemutige, in Tracht gewandete Jungwinzer wurden sogar mit Sorten wie Muskat-Silvaner (alias Sauvignon Blanc), Morillon (alias Chardonnay) oder duftigem Gelben Muskateller in den Wiener Tophäusern vorstellig.

Das »Steirereck«, damals noch im 3. Bezirk, übernahm in Person des Patrons Heinz Reitbauer Senior, assistiert von Sommelier-Legende Adi Schmid, die Vorreiterrolle, bald folgten die führenden Restaurants von Wien bis auf den Arlberg dem neuen Trend, der unmittelbar an der »Südsteirischen Weinstraße« seinen Ausgang genommen hatte.

Die Weinfreunde erkannten schnell die Vorzüge dieser frischen, mineralischen Weine, die sich ganz deutlich von der dominanten Geschmackswelt des Grünen Veltliners und Riesling unterschieden. Die Kenner lernten, welche Spitzenriede zu welchem der neuen steirischen Winzerstars gehört, ein Zieregg zu Tement, der Nussberg zu Gross, der Hochgrassitzberg zu Polz oder der Kranachberg zum Sattlerhof, damit war die Südsteiermark in die besten Weinkarten integriert. Die Wachau hatte damit einen Konkurrenten mehr bekommen.

WEINKULTUR

Nun war die Zeit gekommen, die wachsende Popularität in Fach- und Gourmetkreisen auch einem breiteren Publikum zu vermitteln. Und dies ließ sich am besten direkt vor Ort, konkret in Gamlitz an der »Südsteirischen Weinstraße« vermitteln. Im Jahr 1990 wurde die Steierische Landesausstellung im Schloss Gamlitz unter dem Titel »Weinkultur« eröffnet und sie traf voll den Zeitgeist. Laut Zahlen der Steirischen Landesregierung strömten nicht weniger als 270.112 Besucher in die Ausstellung, die von Ende April bis Mitte November alle erdenklichen Aspekte rund um den steirischen Wein beleuchtete. Übrigens: Graz hatte in diesem Jahr eine Bevölkerungszahl von rund 106.000 Personen.

Nur ganz wenige Landesschauen sind den Besuchern so gut in Erinnerung geblieben, wie jene in Gamlitz, und noch weniger hatten eine derart starke direkte Auswirkung auf die südsteirische, ja sogar gesamtsteirische Weinwirtschaft und den von ihr angetriebenen Weintourismus. Dieser Initialzündung folgte eine Investitionswelle, die dank umfangreicher Förderprogramme des Landes, des Bundes und Europas sehr schnell begann, Früchte zu tragen. Aus klein- und kleinstbäuerlichen Winzereien haben sich international konkurrenzfähige Spitzenweingüter entwickelt und Beherbergungsbetriebe und die Gastronomie blühten auf. Heute präsentiert sich die »Südsteirische Weinstraße« mit einem Angebot von großer Diversität und höchster Qualität.

LAGEN-GEOGRAFIE

Die Geografie der Hügellandschaft sorgt im Zusammenwirken mit der Geologie und den mikroklimatischen Bedingungen auch auf relativ engem Raum für sehr unterschiedliche Charakterzüge der Weine. Die »Südsteirische Weinstraße« umfasst Spitzenlagen, die von Ost nach West den Ortsweingebieten Ehrenhausen, Gamlitz und Leutschach zuzuordnen sind. Der Verlauf der Weinstraße nimmt in Spielfeld seinen östlichen Anfang, von wo aus man über Wielitsch Richtung Graßnitzberg und Berghausen aufwärts fährt.

Die zweite Möglichkeit führt von Ehrenhausen südlich über Ottenberg oder Ewitsch hinauf auf die eigentliche Weinstraße. In der südöstlichen Ecke der Region befinden sich in unmittelbarer Grenznähe einige steirische Grand Crus, wie Obegg, Hochgrassnitzberg und Zieregg mit ihren zahlreichen Subrieden. Wendet man sich der Grenze folgend Richtung Westen, erreicht man das Gemeindegebiet von Ratsch an der Weinstraße. Steil fällt hier der Witscheiner Herrenberg gegen Süden, in Blickrichtung Gamlitz liegen der Nussberg, am nächsten Kogel der Stermetzberg und Schusterberg.

In der Ehrenhauser Zone dominieren schwere Korallenkalkböden und solche aus Tonmergel, der hier traditionell als »Opok« bezeichnet wird. Die Reben wachsen unter kargen Bedingungen und die Trauben reifen langsam und harmonisch. Die Weißweine zeigen feingliedrige Zitrusnoten, besitzen gute Struktur am Gaumen sowie reife Säure und einen salzigen, feinwürzigen Abgang.

Von Sulztal, wo die höchsten Lagen, auf ehemaligen Klippen des Urmeeres mit sandigen Böden bedeckt sind, wie am Kalteneck oder Eckberg, wächst der berühmte Gelbe Muskateller besonders gut und gibt duftige Weine. Von hier könnte man über den Urlkogel schnell einen Abstecher ins Tal nach Gamlitz machen, hier ist die Bundestraße zwischen Ehrenhausen und Leutschach die schnellste West-Ost-Verbindung.

Das Gebiet südwestlich von Gamlitz ist die Heimat zahlreicher berühmter Weinberge, die über den zur Weinstraße querverlaufenden Gräben steil aufragen. Steinbach mit dem Gamlitzberg, Sernau mit Sernauberg, Fürst, König und Welles im Süden und schließlich der große Kranachberg mit seinen unzähligen Sublagen.

Die Kessellagen in Gamlitz halten gut die Wärme und sorgen mit ihrer Mischung aus Opok, Sandstein und Schotterböden für Trauben mit vielschichtigem, reifem Fruchtaroma und gelben und roten Obstnuancen. Daraus keltert man dann ausdrucksstarke Weine. Zart vegetabile Aromen entwickeln sich hier erst in den kühleren Rieden ab 400 Meter Seehöhe, die Weine sind dann vom Charakter her am Gaumen finessenreich und nuanciert im Geschmack.

BESTE WEISSWEINLAGEN

Im Ortsweingebiet von Leutschach an der Weinstraße kann man zwischen der klassischen »Südsteirischen«, die über Glanz und Hochpössnitzberg über Fötschach nach Leutschach führt, und der »Alten« Weinstraße wählen, die von Leutschach Richtung Süden über Schlossberg und Pössnitzberg verläuft. Man kann diese beiden Teile der Weinstraße auch als eine Art Rundkurs abfahren. Die Hügel des Pössnitzberges sind ähnlich dem Kranachberg in Myriaden von Subrieden zergliedert, die den Namen Pössnitzberg beinhalten.

Im Osten liegt oberhalb von Langegg die historisch bedeutende Ried Czamillonberg, die vor einem Jahrhundert durch die Grafen Woracziczky über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht wurde. Die Rebberge der Leutschacher Region sind von Opok und Schotteranteilen geprägt. Diese Kalkmergelböden und die hier vorherrschenden starken Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind für eine dunkelwürzige, vielfältige Aromatik und kräftige, saftige Weißweine verantwortlich, hier wachsen neben Sauvignon Blanc einige der besten Chardonnays Österreichs. Mit etwas Übung lernen Weingenießer bald die unterschiedlichen Orts-Charaktere im Glas zu schmecken und können sich dann umso mehr an der versatilen Rebsorte Sauvignon Blanc erfreuen.

NATURAL & ORANGE WINES

Das Sortenangebot entlang der »Südsteirischen Weinstraße« ist so vielfältig wie der Zugang, den die Winzer bei der Produktion ihrer Weine wählen. Der Anteil an biologisch zertifizierten Betrieben ist hier überdurchschnittlich hoch, schon früh waren hier etliche Winzer zur Biodynamie übergegangen, und so reicht das Angebot von klassischen Weinen mit oder ohne neues Holz über Natural Wines bis hin zum Orange Wine.

Was die Rebsorten im Detail betrifft, ist heute der national wie international stark nachgefragte Sauvignon Blanc die Nummer Eins, gefolgt von Welschriesling und Weißburgunder. Ebenso zu Herkunftswein mit DAC veredelt werden können Chardonnay (Morillon), Grauburgunder, Gelber Muskateller, Riesling und Traminer.

Neben diesen werden in kleinerem Umfang zahlreiche Spezialitäten gepflegt und auch die neuen PIWI-Sorten werden von zahlreichen Betrieben an der Weinstraße mit beachtlichen Resultaten erprobt. Rotwein ist im geringen Umfang verfügbar, meist Blauer Zweigelt, mit Pinot Noir hingegen werden, nicht zuletzt als positiver Effekt des Klimawandels, bereits sehr vielversprechende Ergebnisse erzielt.

Freunde von Schaumweinen finden ein sprudelndes Angebot an Frizzante und Pét Nát bis Sekt Austria. In geeigneten Jahrgängen mit Edelfäule werden auch hochwertige Süßweine erzeugt. Kennenlernen kann man die enorme Vielfalt am besten direkt bei den zahlreichen Weingütern, den Buschenschenken und Gasthöfen, die sich an der Südsteirischen Weinstraße aneinanderreihen.

Peter Moser
Peter Moser
Chefredakteur Wein
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