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© Steffen Sinzinger

Zwischen Krabbenbrötchen und Wagyu: Tim Lentl übernimmt das Berliner »QIU«

Berlin
Koch
Neueröffnung

Das »QIU« im Berliner »The Mandala« war lange eine sichere Adresse für Geschäftsessen. Jetzt soll dort mehr passieren. Mit gerade einmal 28 Jahren übernimmt Tim Lentl die Küche – und bringt eine spannende Konzept-Idee ins Rollen.

Berlin liebt kulinarische Konzepte mit großen Gesten. Noch mehr Nordic Minimalism, noch mehr Fermentation, noch mehr globale Aromenarchitektur. Tim Lentl dagegen beginnt seine neue Rolle mit einer fast trotzig einfachen Frage: Was passiert, wenn man sich konsequent auf Deutschland konzentriert?

Der 28-Jährige, zuletzt mehrere Jahre im Zwei-Sterne-Restaurant »FACIL« des »The Mandala Hotels« tätig, übernimmt ab sofort die Küchenleitung im »QIU«. Die Idee dazu entstand aus seinem Wunsch heraus, Verantwortung zu übernehmen und ein neues Konzept mit konsequentem Fokus auf heimische Produkte zu entwickeln.

Dabei geht es allerdings nicht um die nächste Interpretation von Königsberger Klopsen oder Sauerbraten mit Schäumchen, sondern um eine andere Herangehensweise: »Wir modernisieren nicht altbekannte deutsche Gerichte, sondern schaffen mit Zutaten aus verschiedenen Regionen Deutschlands Neues«, sagt Lentl. Alle Produkte stammen somit aus Deutschland – die Karte wechselt alle drei Monate.

Aktuell finden sich auf der Speisekarte Büsumer Krabben auf knusprigem Brioche – Lentls persönliche Hommage an das norddeutsche Krabbenbrötchen. Oder die Bavette vom Vogelsberger Wagyu, die lose an schwäbischen Zwiebelrostbraten erinnert, aber mit sous-vide gegartem Fleisch und Chimichurri aus deutschen Kräutern spannender denkt. Selbst anatolische Einflüsse finden ihren Weg auf die Karte: Die dry-aged Forelle von der Lüneburger Heide wird von einem Mangoldröllchen begleitet, inspiriert von türkischer Sarma.

Küchenchef auf Umwegen

Auch Michael Kempf, der dem »FACIL« einst den ersten und später den zweiten Michelin-Stern erkochte, unterstützt den Schritt seines ehemaligen Mitarbeiters. Lentl beeindrucke mit innovativen Ideen und bringe zugleich jene Teamplayer-Mentalität mit, die eine Küche langfristig tragen könne, sagt Kempf.

Dabei verlief Lentls Weg keineswegs klassisch. Der gebürtige Esslinger studierte zunächst Kultur- und Medienbildung in Ludwigsburg, bevor er sich erst später für die Gastronomie entschied. 2021 wechselte er nach Berlin und absolvierte seine Ausbildung im Borchardt. Mit der neuen Position als Küchenchef befindet sich das »QIU« selbst in einer Art Neupositionierung. Bislang war das Restaurant vor allem für seinen Business Lunch bekannt. Diese Mittagsstruktur bleibt bestehen, soll nun aber um eine ambitioniertere Abendkarte ergänzt werden.

Hervorragende Qualität spielt somit weiterhin eine Rolle, allerdings ohne die übliche Überinszenierung. Oder in Lentls Worten: »QIU ist ein entspannter Ort, an dem man erstaunlich gut essen kann.« Zumindest hofft er, diesen Satz künftig von seinen Gästen zu hören.

 

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