Zwischen Lust und Limit: So gehen die Deutschen während der Inflation essen
Zwischen steigenden Preisen und wachsender Sehnsucht nach Gemeinschaft zeigt sich laut Studie: Die Deutschen sparen nicht am Erlebnis, sondern an der Frequenz. Ein Blick auf ein Land, das bewusster genießt.
Essen gehen gehört für viele Menschen in Deutschland weiterhin zur Freizeit – allerdings mit veränderter Frequenz. Eine aktuelle Erhebung des Bayerischen Zentrums für Tourismus (BZT) zeigt, wie stark ökonomische Realität und Freizeitkultur inzwischen miteinander ringen: 48 Prozent der Befragten geben an, seltener auswärts zu essen als noch im Jahr zuvor.
Doch während die Frequenz sinkt, bleibt die Bedeutung erstaunlich stabil. Für viele ist der Restaurantbesuch kein beliebiger Konsum, sondern ein bewusst gesetzter Moment. 24 Prozent gehen weiterhin mindestens einmal pro Woche essen, weitere 31 Prozent immerhin monatlich.
Weniger spontan, mehr bewusst
Was sich verändert hat, ist nicht nur das «Wie oft«, sondern vor allem das »Warum«. Für 65 Prozent entscheidet das Preis-Leistungs-Verhältnis über die Wahl des Lokals. Gleich dahinter folgen weitere Faktoren: Atmosphäre, Geselligkeit, das Gefühl, gut aufgehoben zu sein. Für mehr als die Hälfte zählt die Gemütlichkeit, für viele ist das Essen vor allem eines: ein soziales Ereignis. 59 Prozent gehen am liebsten mit dem Partner, andere mit Freunden oder Familie. Allein essen? Bleibt die Ausnahme.
Echte Gewohnheitsmenschen
Interessant ist ebenfalls, wohin es die Gäste zieht. Während Lieferdienste an Reiz verlieren – 44 Prozent bestellen laut Studie so gut wie nie – behauptet sich das klassische Restaurant als Favorit. 64 Prozent bevorzugen weiterhin den gedeckten Tisch gegenüber dem Schnellrestaurant vor der Haustür.
Vor allem kulinarisch bleibt man den Klassikern erstaunlich treu. Italienische Küche führt mit 58 Prozent die Beliebtheitsskala an, dicht gefolgt von deutscher und regionaler Küche. Das mag nach Nostalgie klingen, ist aber auch Ausdruck eines Bedürfnisses nach Verlässlichkeit.
Eine Frage des Einkommens
Welche Rolle Geld dennoch spielt, wird besonders deutlich bei den unteren Einkommensgruppen. In Haushalten mit weniger als 1.000 Euro Nettoeinkommen geben 46 Prozent an, seltener essen zu gehen, 40 Prozent verzichten nahezu komplett auf gastronomische Angebote.
Am anderen Ende der Skala zeigt sich ein anderes Bild: Wer über 5.000 Euro monatlich zur Verfügung hat, bleibt weitgehend unbeeindruckt. 62 Prozent dieser Gruppe beschreiben ihr Ausgabeverhalten als stabil. Genuss, so scheint es, ist noch weiterhin eine Frage des Budgets.