Afghanische Küche und Weine der Alten und Neuen Welt – passt das überhaupt zusammen? Ja, sofern alle Beteiligten wissen, was sie tun und wovon sie reden. Tamara und Eni, die Gastgeber im von aussen unscheinbaren Restaurant «Zamarod» nahe der Bern, wissen das ganz offensichtlich bestens. Ihre Weinkarte ist viel grösser als üblich in der sogenannten Ethno-Gastronomie. Riesling von der US-amerikanischen Charles Smith Winery ist ebenso verfügbar wie Pouilly-Fumé von Henri Bourgeois (CHF 10,–/Glas). Und bisher haben wir nur von den offenen Weinen gesprochen, während es bei den Flaschen erst richtig interessant wird. Champagner von Premiumerzeuger Charles Heidsieck (CHF 94,–) gefällig? Vielleicht sogar ein 2019er Dominus (CHF 490,–)? Derlei Wein-Affinität deutet sich schon bei der Flaschen-Glas-Dekoration im Lokal an. Alkoholfrei geht es natürlich auch: mit Granatapfelsaft vom steirischen Obsthof Retter. Was man nicht findet, ist eine riesige Auswahl an Speisen – aber das sehen wir überaus positiv, spricht es doch für Frische. Das als afghanische Version des Risottos beschriebene Gericht namens Shola aus Mungbohnen, Reis und Dill, serviert mit Salat und hausgemachten Brot (CHF 26,– auf der Lunchkarte) war überzeugend abgeschmeckt, der wunderbar lockere gedämpfte Reis mit Safran und Berberitzen (CHF 24,–) geriet locker und wurde von kraftvoll gewürztem Spinat und Kartoffeln begleitet. Safranglace mit Pistazien (CHF 6,–) und Kardamomeis (CHF 6,–) merkte man an, dass sie hausgemacht waren; hätten wir dazu Sauternes bestellen wollen, hätte uns der Chef nicht enttäuscht, denn auch der ist da. Kein Wunder, dass man hier am besten reserviert. Auch am Mittag.