Eine wilde Sache: Die Wildbakers haben das Ziel, das Bäckerhandwerk von seinem verstaubten Image zu befreien. © Daniel Schneider

Eine wilde Sache: Die Wildbakers haben das Ziel, das Bäckerhandwerk von seinem verstaubten Image zu befreien.

© Daniel Schneider

Baking up a storm: Brot selber backen oder doch zukaufen?

In einer Welt, in der Food-Trends kommen und gehen, gibt es ein Grundnahrungsmittel, das seit Jahrtausenden überdauert und immer wieder aufs Neue fasziniert: Brot. Von exotischen Mehlsorten bis hin zu handwerklicher Perfektion.

von Alexandra Gorsche
02. November 2023

In der Welt der Gastronomie spielt Brot eine entscheidende Rolle. Die Frage, die sich stellt: selbst herstellen oder auf externe Anbieter:innen zurückgreifen? Dabei geht es um mehr als nur bloße Geschmackspräferenzen, es wirft ein Schlaglicht auf die Herausforderungen und Chancen, vor denen die Gastronomiebranche heute steht. Vorhandene Ressourcen, die Erwartungen der Gäste, Wirtschaftlichkeit und der eigene Qualitätsanspruch sind entscheidende Faktoren in der Entscheidungsfindung.

Brot als Unverzichtbarkeit

Auch wenn personelle Ressourcen in Zeiten wie diesen mehr denn je gut geplant gehören, bäckt Harald Irka, Küchenchef und Inhaber »Am Pfarrhof«, täglich aus einem mittlerweile 13 Jahre alten Sauerteig sein Brot selbst. Der Hauptgrund dafür ist klar: »Wir haben in unserer Umgebung keine Bäckerei gefunden, die uns die gewünschte Qualität liefern konnte«, hält Irka fest. Gebacken werden täglich drei unterschiedliche Sorten: ein Dinkel-Roggensauerteigbrot, Sauerteig Focaccia und Baguette. Jörg Schmid, Bäckerei Schmid und Brotsommelier, verfolgt einen anderen Zugang: »Wir haben höchsten Respekt vor der Herstellung von edlen Speisen und wissen, welche Expertise dafür nötig ist, ähnlich ist es beim Brotbacken. Um Brotbacken in Perfektion zu beherrschen, benötigt man ein immenses Fachwissen und viel Detailliebe. Ich denke, dass es irgendwann einfach zu viel ist, um dies auch noch in der Küche mit zu leisten. Man stellt auch nicht seinen eigenen Wein her. Darum erachte ich es als sinnvoll, wenn man Expert:innen an der Hand hat und die Backwaren auch von denen bezieht.«

»Es gibt kein vielseitiger einsetzbares Produkt wie altes Brot.«
Harald Irka, Spitzenkoch »Am Pfarrhof«

Qualität im Fokus: »Am Pfarrhof« wird ausschließlich dreierlei selbstgebackenes Brot gereicht. © Achromatic Photography
Qualität im Fokus: »Am Pfarrhof« wird ausschließlich dreierlei selbstgebackenes Brot gereicht.
© Achromatic Photography

Selbstbacken macht demnach Sinn, wenn man entsprechend qualifiziertes Personal hat, das sich diesem Thema auch widmen kann. Denn eines braucht es: Zeit. Sobald eine gewisse Expertise erlangt ist, rät Jennifer Gruber, Brotbotschafterin, Restaurants selbst zu backen: »Wenn man ein gutes Rezept in- und auswendig kennt und bei der Zubereitung auf die wichtigen Kleinigkeiten achtet, dann zahlt es sich aus, eigenständig zu agieren. Zumal das Selbstbacken kostengünstig ist. Die Rohstoffe bzw. Zutaten sind meist in der Küche bereits vorhanden.« Wird doch zugekauft, bringt Schmid zum Ausdruck, wie wichtig die Identität des Betriebes und dessen Ausrichtung ist: »Die Werte des eigenen Restaurants müssen sich auch in den Backwaren widerspiegeln. Eine ursprüngliche Herstellung aus Rohstoffen und in Handarbeit geleistet, sollten allerdings heute das Standardwerk sein.«

Täglich frisch: Bei Harald Irka und Lisa Gasser kommt nur selbstgebackenes Brot auf den Tisch. © Martin Schönbauer
Täglich frisch: Bei Harald Irka und Lisa Gasser kommt nur selbstgebackenes Brot auf den Tisch.
© Martin Schönbauer

Peter Kapp gehört zu den Spitzenbäckern Deutschlands, ist Fachbuchautor und hat jahrzehntelang einzigartige Brotkreationen an zahlreiche Gourmet-Köch:innen geliefert. In Sachen Identität des eigenen Betriebes und Festlegen des eigenen Qualitätsanspruchs stimmt er Schmid zu und rät, achtsam zu sein: »Wenn man beispielsweise Croissants zukauft, frisch oder TK, dann ist es wesentlich auf die Inhaltsstoffe zu achten: Butter – keine Margarine muss in ein Croissant. Auch bei Brötchen ist die Range gewaltig: zwischen vier und 40 Cent können diese kosten, das hat einen Hintergrund.« Wie wesentlich und entscheidend das eingestellte Brot im Restaurant sein kann, unterstreicht Kapp: »Das Erste, das auf den Tisch kommt und gekostet wird, gibt Aufschluss über die weiteren Zutaten, die in einem Betrieb verarbeitet werden. Es lohnt sich beim Brotkorb auf Qualität zu setzen.«

»Zeit ist Geschmack! Nur weil ein Brot gut aussieht, schmeckt es nicht gleich.«
Peter Kapp, Spitzenbäcker und Autor »Artisan Boulanger«

Spielwiese für Aromen

Welche Type und welche Sorte von welchen Produzent:innen zum Einsatz kommen, hängt von Geschmack und dem Wunschergebnis ab. »Leider wird im Bäckerhandwerk noch zu wenig Augenmerk auf die Auswahl der Mehle gerichtet«, hebt Schmid hervor und fügt hinzu: »Meist lässt sich eine, vor allem traditionell für eine Region bekannte, Backware in idealer Qualität auch mit Getreide, sprich Mehl aus der Region herstellen.« Um ein Beispiel zu nennen: Pane di Altamura aus Hartweizenmehl/Semola aus Apulien. Gruber setzt auf eine regionale Produzentin: »Ich kaufe mein Mehl direkt von der Rosenfellner Mühle, da ich die Müllerin sehr gut kenne und ich mein Mehl mit der gewünschten Type sowie auch in der besten Qualität bekomme. Mir ist es wichtig, unsere Region zu unterstützen. Wir haben selbst Getreidefelder und so schließt sich der Kreis vom Anbau bis zum fertigen Brot.« Sie bevorzuge beim Weizenmehl Type 700, beim Roggenmehl Type 960 und sobald es um Gebäck für Diabetiker:innen gehe, setzt sie auf Type 1600 Weizenmehl.

Jennifer Gruber ist Brotbotschafterin, zweifache Krume und Kruste Gewinnerin des Vienna Brotbackfestivals. © Christian Hylac/AMA
Jennifer Gruber ist Brotbotschafterin, zweifache Krume und Kruste Gewinnerin des Vienna Brotbackfestivals.
© Christian Hylac/AMA

Sauerteig vs. Hefe – welches Brot gewinnt? Sauerteig scheint der Favorit zu sein: »Sobald Roggenmehl in meine Teige kommt, ist es meine Pflicht, Roggensauerteig zu verwenden. Denn würde dieser nicht in den Teig kommen, wäre das Korn des Roggenmehls unter dem Mikroskop scharfkantig und für unseren Darm wie Schleifpapier. Sobald Roggensauerteig seine Arbeit in meinen Teigen machen kann, sieht das Korn durch die Fermentation wie angebohrt aus und so wird das Brot leichter verdaulich. Deshalb auch ein Qualitätsbrot und Sauerteig kann man auf alle möglichen Varianten haltbar machen bzw. lagern«, veranschaulicht Gruber. Sobald es um Allergien & Unverträglichkeiten geht, sind sich die Profis einig: Zukauf soll es sein! »Es gibt sehr gute glutenfreie Alternativen im Handel. Man braucht Sicherheit, da man seine Gäste nicht gefährden möchte«, so Irka. Die korrekte Herstellungsweise sei nur schwer zu garantieren.

Die Kunst des Brotbackens: Peter Kapp gibt sein Wissen gerne weiter, unter anderem online unter www.meisterklasse.de. © Fabian Hensel
Die Kunst des Brotbackens: Peter Kapp gibt sein Wissen gerne weiter, unter anderem online unter www.meisterklasse.de.
© Fabian Hensel

Unverzichtbare Ausrüstung

Wer bis dato noch nicht selbst bäckt und denkt, dass es dazu aufwendige und kostspielige Gerätschaften braucht, der irrt, laut Irka: »Für unsere Focaccia benötigen wir beispielsweise gar keine Küchengeräte, bis auf den Backofen.« Schmid bestätigt: »Um gutes Brot herzustellen, benötigt es nicht viel an Geräten. Wichtigste Voraussetzungen sind eine gute Getreidequalität und entsprechende Fermentationsprozesse, die in der Konsequenz viel Zeit erfordern. Rein an Gerätschaften erleichtert eine Knetmaschine den Herstellungsprozess des Teiges, ein gut isolierter Steinbackofen sorgt für die entsprechende Knusprigkeit der Brote, aber auch ein Reifeschrank mit Temperatursteuerung kann ein wertvolles Hilfsmittel sein. Ansonsten gelten viel Handarbeit und Zeit.« Ein Ratschlag für Gastronom:innen von Kapp: »Was nichts kostet, ist nichts wert. Der Brotkorb am Tisch darf Geld kosten. Sollte man bis dato kein Geld dafür verrechnet haben, dann sollte man zumindest eine Mischkalkulation andenken.«

Jörg Schmid und Johannes Hirth: Die Bäckermeister setzen auf fundiertes Fachwissen für das Handwerk. © Daniel Schneider
Jörg Schmid und Johannes Hirth: Die Bäckermeister setzen auf fundiertes Fachwissen für das Handwerk.
© Daniel Schneider

Erschienen in

Falstaff Profi Magazin

Sep./Nov. 2023

Zum Magazin

Lesenswert

Herr Franz - Falstaff PROFI

Seit 1986 ist »Herr Franz« aus dem »Unterwirt« in Ebbs weder für Gäste noch für Familie Steindl wegzudenken.

© Tollerien Didi

So kann Gastro gelingen: »Herr Franz« feiert 40 Jahre im »Unterwirt«

»Herr Franz« feiert gleich doppelt: 40 Jahre im »Unterwirt« in Ebbs und seinen 60. Geburtstag. Eine Geschichte die zeigt, dass Gastronomie mit Wertschätzung und Treue funktioniert.

Manitoba Mehl - Falstaff PROFI

Ideal für hoch aufgehendes Gebäck: Mit »Manitoba-Mehl« gelingen Pizza, Brot und Brioche besonders gut.

© Gustavo Sanchez/Unsplash

Food School: »Manitoba« geht auf

Über Pizza-Bäcker wurde eine kanadische Provinz zum Synonym für das beste Mehl: »Manitoba« überzeugt mit hohem »W-Wert« und sorgt für das perfekte Aufgehen.

Österreichischer Brot- und Konditorenwettbewerb 2026 - Falstaff PROFI

Die Jury des Konditorenwettbewerbs wurde 2026 von Meisterschülern der HTL Wels verstärkt.

© LMAk

Brot- und Konditorenwettbewerb 2026: Goldregen für heimische Backstuben

Über 1.100 Brote und Feinbackwaren sowie zahlreiche Konditoreiprodukte wurden beim österreichischen Brot- und Konditorenwettbewerb bewertet. Die Medaillen sind vergeben, die Gesamtsieger werden auf der BÄKO-Hausmesse bekanntgegeben.

Buchtipp Fermentieren - Falstaff PROFI

Asiatische Fermentierkunst mit regionalen Lebensmitteln: Sibylle Hunger macht Mut und gibt Tipps zur nachhaltigen Verwendung der Zutaten.

© at Verlag

Buch-Tipp: »Koji Miso Shoyu Tempeh – Asiatische Fermentation mit heimischen Zutaten«

Fermentation muss nicht kompliziert sein: Sybille Hunger zeigt, wie sich asiatische Techniken mit heimischen Rohstoffen alltagstauglich in Küche und Restaurant integrieren lassen.

Österreichischer Brot- & Konditorenwettbewerb 2026

Frisch gebacken: Die Einreichungen beim letzten Wettbewerb 2024 wurden von der Jury detailliert bewertet.

© LMAK

Sie backen um den Sieg: Die besten Brotmacher und Konditoren 2026

Der »Österreichische Brot- und Konditorenwettbewerb 2026« geht mit zahlreichen Neuerungen an den Start. Die Lebensmittelakademie und die Bundesinnung der Lebensmittelgewerbe schärfen beide Formate – und auch das Publikum darf mitwählen.

EHL Forum - Falstaff PROFI Matthias Fuchs

Experte für Experiences: Host Matthias Fuchs zeigt die steigende Bedeutung von Luxus-Erlebnissen.

© EHL

Luxus-Hotellerie sucht nach Personal und «lebensverändernden Erlebnissen»

Haben Luxus-Reisen Zukunft? Dazu fand an der renommierten EHL, der Bildungsinstitution für Hospitality und Business, in Lausanne das erste «EHL Experiential Luxury Forum» statt. Experten redeten dabei dem «erlebnisbasierten Luxus» das Wort.

Meist gelesen

Sauer macht haltbar! Eingelegtes für Burger, Focaccia und Co.

© Roland Graf

Sauer macht haltbar! Eingelegtes für Burger, Focaccia und Co.

Ist die Gemüse-Saison gestartet, muss man auch ans Haltbarmachen von Über-Mengen denken. Mit einer alten Methode in neuen Anwendungen stellte »Mautner Markhof« zeitgemäße Einlege-Ideen direkt am Meidlinger Markt vor.

v.l. Simon Ziegler, Die BiowirtInnen, Alexandra Seyer-Gmeinbauer, Gaumen Hoch, Andreas Höritzauer, Demeter Österreich, Michaela Russmann-Matzner, Die BiowirtInnen, Andreas Achleitner, Enkeltaugliches Österreich, Barbara Riegler, BIO AUSTRIA, Reinhold Gmeinbauer, Gaumen Hoch.

v.l. Simon Ziegler, Die BiowirtInnen, Alexandra Seyer-Gmeinbauer (Gaumen Hoch), Andreas Höritzauer (Demeter Österreich), Michaela Russmann-Matzner, Die BiowirtInnen, Andreas Achleitner (Enkeltaugliches Österreich), Barbara Riegler (BIO AUSTRIA), Reinhold Gmeinbauer (Gaumen Hoch).

© ALBA Communications / Christopher Hanschitz

Biobranche fordert Herkunftskennzeichnung und verpflichtende Biozertifzierung für Gastronomie

Transparenz vom Feld bis auf den Teller. Bio-Organisationen fordern eine Herkunftskennzeichnung sowie eine verpflichtende Bio-Zertifizierung in der Gastronomie.

© Lukas Lorenz/Ströck

Wiener Traditionsbäckerei »Ströck« erhält Ehrenzeichen für herausragende Leistungen

Im Wiener Rathaus wurden die Unternehmerinnen Gabriele und Irene Ströck mit der besonderen Auszeichnung geehrt.

© HSMA Deutschland e.V

Das 16. HSMA Hotelcamp: Networking und Innovation im Norden

Das »Atlantic Hotel Galopprennbahn« in Bremen war im November der Treffpunkt für 130 Hotelbegeisterte aus ganz Deutschland.

© FRB Media/Felix R. Braune

© FRB Media/Felix R. Braune

»Falstaff PROFI Arbeitgeber-Check 2024«: Die besten Arbeitgeber der Hotellerie und Gastronomie sind gekürt

Am 10. November 2024 wurden im Rahmen der Fachmesse »Alles für den Gast« die Sieger der diesjährigen Falstaff PROFI Arbeitgeber-Auszeichnung bekanntgegeben. Die besten Arbeitgeber zeichnen sich durch innovative Arbeitskonzepte, Nachhaltigkeit und Mitarbeiterförderung aus.

Elisabeth Voltmer © fischer-fotografie.at

Elisabeth Voltmer © fischer-fotografie.at

Zimt und Vanille als Trendgewürze: Warum die Klassiker in der Weihnachtsküche so beliebt sind

Dominik Mattes, Director Marketing & Innovation, und Elisabeth Voltmer, Head of Quality Management & Product Development bei »Kotányi«, erklären im exklusiven PROFI-Interview, warum Zimt und Vanille für viele Menschen mehr als nur Gewürze sind. Sie sprechen über das Revival klassischer Gewürze, emotionale Assoziationen bei der Produktentwicklung und die Rolle von Qualität und Nachhaltigkeit in der modernen Gewürzproduktion. Entdecken Sie, wie »Kotányi« mit Innovationen und Tradition gleichermaßen die Küchen bereichert und Weihnachtsfreuden neu belebt.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!