© Usen Parmanov/Unsplash

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Der Spa-Branche fehlt es an Innovationsgeist

Neue Umfrage des »Spa Competence Circle« zeigt, dass die Branche zwar resilient aber auch etwas zu selbstverliebt ist. Expert:innen empfehlen, strategische Anpassungen für die Zukunft vorzunehmen.

von Alexander Schöpf
21. November 2023

Die Spa-Branche in der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) und Südtirol trotzt den aktuellen Herausforderungen und zeigt sich widerstandsfähig, wie eine aktuelle Umfrage des »Spa Competence Circle« (SCC) unter 149 Teilnehmern – überwiegend aus dem Hotel- und Resort-Sektor – zeigt. Doch trotz solider Performance in den letzten Monaten bergen die Zahlen und Antworten der Umfrage beunruhigende Hinweise auf ein zu starkes Verharren im Status-quo, warnen die Expert:innen der beauftragten Umfrage.

Die Branchenkennerinnen Dagmar Rizzato und Karin Niederer analysieren die Ergebnisse der »SCC Spa Sentiment Survey 2023« durchaus mit einer gewissen Sorge: »Die aktuellen Ergebnisse signalisieren zwar stabile Preise für Spa-Behandlungen, aber auch alarmierende Hinweise auf die Zukunft dieser Branche, wenn notwendige Innovationsstrategien weiterhin auf die lange Bank geschoben werden.«

Berdürfnisse von Gästen und Personal zu wenig im Fokus

Die Bedürfnisse des Personals sind klar: Schulungen, Weiterbildungen, flexible Arbeitszeitgestaltung und Provisionsmodelle sind gefragt. Doch nur knapp die Hälfte der Unternehmen setzt diese Anpassungen in ausreichendem Maße um. Investitionen in die Spa- und Wellnessinfrastruktur werden durch hohe Kosten und steigende Zinsen erschwert, was die Branche vor Herausforderungen stellt.

Die sich verändernden Ansprüche der Gäste stehen zu wenig im Fokus. Outdoor-Aktivitäten, Gesundheitserhaltung im Urlaub, Prävention, bewusste gesunde Ernährung, mentale Gesundheit, Einsatz moderner Technologien im Spa bzw. bei Behandlungen oder Angebote zur Persönlichkeitsentwicklung stehen bei den Gästen hoch im Kurs, doch umfassende innovative Konzepte fehlen noch.

Karin Niederer und Dagmar Rizzato © APA/HPhoto – Hannes Pacheiner; APA/Sabine Kunzer
Karin Niederer und Dagmar Rizzato © APA/HPhoto – Hannes Pacheiner; APA/Sabine Kunzer

Dagmar Rizzato und Karin Niederer appellieren an die Branche, strategische Anpassungen für die Zukunft vorzunehmen, wollen die Destinationen im Spa- und Wellness-Segment zukünftig die Vorreiterrolle behalten. »Die Situation der Spa- und Wellnessbranche ist bei genauer Betrachtung alarmierend. Die bekannten Bedürfnisse der Gäste stehen zu wenig im Fokus. Die Unternehmen müssen dringend handeln und aufgrund der Kosten- und Personalsituation sich mehr um strategische Anpassungen des Angebotes und des Konzepts grundsätzlich Gedanken machen, um interessant zu bleiben«, mahnt Rizzato. Niederer erklärt: »Es ist wichtig, dass die Branche auf die bekannten Bedürfnisse des Personals und der Gäste reagiert, um positive Ergebnisse zu erzielen.«

Die Ergebnisse im Überblick

Im ersten Halbjahr haben 35 Prozent der Betriebe angegeben, dass der Umsatz gewachsen ist, 23 Prozent der befragten Betriebe verzeichnen eine Abnahme des Umsatzes. doch Experten warnen davor, sich von dieser Zahl blenden zu lassen und die Zukunft im Auge zu behalten. Ganze 72 Prozent der Befragten gaben an, dass die Betriebskosten – sowohl insgesamt als auch im Spa-Bereich – angestiegen sind, was langfristige Auswirkungen auf die Rentabilität der Betriebe haben könnte. Obwohl 22 Prozent der Gäste mehr zusätzliche Spa-Behandlungen buchen, wird im Vergleich zum Umsatzwachstum deutlich, dass das Gästepotenzial noch besser ausgeschöpft werden könnte, um positive Ergebnisse zu erzielen. Während 21,5 Prozent der Gäste mehr Behandlungen pro Aufenthalt buchen, gibt es immer noch Unsicherheit über zukünftige Buchungen pro Gast und Aufenthalt.

Für das zweite Halbjahr erwarten zwar immerhin 36,7 Prozent der Befragten eine Fortsetzung des Umsatzwachstums gesamt, jedoch sind bereits 19 Prozent besorgt über eine mögliche Abnahme. Die Umfrage zeigt auch, dass 20,3 Prozent der Befragten eine Steigerung der Capture Rate im zweiten Halbjahr erwarten, also eine Zunahme anwendungsbuchender Gäste, während 20,3 Prozent Einbußen befürchten, was auf eine brüchige Zuversicht in der Branche hinweist.

Über den »SCC Spa Sentiment Survey«

Der »SCC Spa Sentiment Survey« wurde von Prof. Stefan Nungesser für »Kohl > Partner» und den »Spa Competence Circle« durchgeführt. Nungesser ist Teil des »Spa Competence Circle«, Leiter des Studienzweigs »Hotel Management« an der Fachhochschule Kärnten und befragte 149 Spa- und Wellnessbetriebe, darunter Hotels, Thermen und Day Spas aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz. Die Studie bietet Einblicke in die aktuellen Trends und Herausforderungen des Spa-Geschäfts.

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