Croissant-Stadtführer durch Wien
Schlechte Zeiten für das Wiener Kipferl. Sich zu krümmen liegt zwar in seiner mürben Natur, aber aktuell muss es sich der französischen Konkurrenz beugen. Croissants regieren die Stadt, und Falstaff weiß, wo sich der Plunder in Stellung gebracht hat.
Die Landkarte Österreichs gleicht einem Croissant und das vibrierende Plunderherz im Osten teilt sich in viele Bezirke. Den Wiener:innen steht der Sinn nach flaumiger Vielschichtigkeit in durchfetteten Papiersackerln. Dass sie es mit dem neuen Frühstücksverhalten sehr ernst meinen, lässt sich an den neuen Hotspots der Stadt erkennen: Handwerksbäckereien, Pop-Ups und Coffee-Shops mit Croissant-Schwerpunkt haben den Sprung über den Gürtel geschafft. Bislang wurde in den schicken Ecken der Innenstadt und Bohemien-Meilen in Wieden und Neubau der Teig touriert und nach ausgesuchten Rezepturen bearbeitet, doch die große Nachfrage macht sich auch in den Außenbezirken bemerkbar. Dieser Trend geht Hand in Hand mit zwei internationalen Bewegungen: der erstarkten artisanalen Bäcker-Szene und der Popularität von Third-Wave Coffee-Bars, die ihrer jungen Kundschaft fotogenes Plundergebäck zum Flat White servieren. Croissant-Spezialitäten wie das Pistazien-Croissant oder aufsehenerregende Hybride wie der »Cronut« oder zuletzt das »Crookie« verbreiten sich schnell via Instagram und TikTok und inspirieren experimentiertfreudige Patissiers, die auf lange Schlangen vor ihren Shops hoffen.
Geplunderte Schätze
Der Legende nach nahm die Geschichte des Croissants ihren Ursprung in Wien und nun kehrt das Aushängeschild der Viennoiserie zurück und fordert seinen Vetter, das Mürbe Kipferl, zu einem Popularitäts-Duell heraus. Falstaff hat sich durchgekostet und präsentiert seinen Plunder-Plan der Bezirke.
1. Bezirk
Viennoiserie-Hotspot
Die Inhaber:innen Rémi Soulier und Patricia Petschenig haben das Handwerk der Viennoiserie in Lyon und Paris gelernt und arbeiten in ihren Croissant-Teig Tourage Butter aus Frankreich ein. Neben dem Klassiker gibt es auch »Croissant Pistache«.
1010 Wien
Österreich
»Concrete & Croissants«-Pop-Up
Zu den »Kaffein«-Standorten in der Schulerstraße und dem Specialty Coffee Shop im Stoß am Himmel hat nun auch vorübergehend ein Pop-Up mit dem klingenden Namen »Concrete & Croissants« in der Doblhofgasse 9 eröffnet. Die hervorragenden Croissants werden nicht nur klassisch serviert, sondern auch pikant befüllt.
Schön bunt
Name ist hier Programm: Während in den meisten Coffee-Hotspots das Croissant die hübsche Nebenrolle spielt, erwartet die Gäste hier ein umgekehrtes Kräfteverhältnis. Fotogene Varianten mit bunten Glasuren und Toppings lassen das Instagram-Herz höher schlagen. Und gut schmecken sie auch.
Cornetti im »La Stella« und »Dolce Pensiero«
Die süßen Ausnahme in dem Croissant-Stadtführer: Bei »La Stella« handelt es sich weder um eine Bäckerei, Patisserie oder einen Coffee-Shop, sondern um ein italienisches Apericafé. Und streng genommen gibt es in dem winzigen Gastro-Shop gegenüber der Staatsoper auch keine Croissants, sondern italienische Cornetti. Diese vernachlässigbare Formalie soll uns aber nicht vor einer Empfehlung abhalten. Hier gibt es eine cremige Vielfalt an Füllungen in wirklich guter Qualität.
Cornetti zum Mitnehmen gefällig und sie befinden sich am anderen Ende der Innenstadt? Dann finden Sie am Salzgries in der Auslage von »Dolce Pensiero« noch mehr Pasticceri zur Auswahl. Auch die Pistazien-Variante gehört hier zu den süßen Hauptdarstellern.
1010 Wien
Österreich
Versteckt aber stadtbekannt
Das Feinkost-Bistro »Beaulieau« versteckt sich zwar im Palais Ferstel, ist aber längst kein Geheimtipp mehr, ebenso wie die köstlichen Croissants in der Vitrine.
Nicht ganz so versteckt und schon längst eine Frühstück-Institution in der Innenstadt: Das »Le Bol« am Hohen Markt und das »Le Bol Blanc« in der Naglergasse. Was das schicke Publikum zum (wirklich hervorragenden) Croissant bestellt? Den Café au Lait natürlich!
1010 Wien
Österreich
2. Bezirk
Trés Chic: Champagner zum Croissant
French Breakfast Deluxe: In der Patisserie »Marischka« wird an Samstagen ein extravagantes Food-Pairing als Combo angeboten. Um 11 Euro bekommt man Champagner zum Croissant serviert.
Gute Laune, gute Cornetti
Hier geht es erst ab Mittag los, aber auch am Nachmittag schmecken die gefüllten Cornetti »molto bene«. Für Frühaufsteher mit Appetit auf Süßes: Am zweiten Standort in der Stubenbastei sind die Dolci schon ab 8 Uhr morgens zu kaufen.
3. Bezirk
Buttrig und bio
Stellvertretend für die sieben Filialen von »Joseph Brot« soll hier das Mutterschiff in Wien Mitte als Croissant-Hotspot genannt sein. Zwei Varianten werden angeboten: Klassisch oder mit Schokolade Beans.
1030 Wien
Österreich
Ukrainische Süßspeisen treffen im »Kashtan« auf Viennoiserie
Das im März eröffnete »Kashtan« bringt französische Patisserie sowie ukrainische Spezialitäten auf die Landstraße. Eine bunte Auswahl an gefüllten und schön verzierten Croissants lassen sich vor Ort oder »to go« genießen.
Pierre Rebouls Feierabend-Croissant
Weiter entlang der Landstraße findet sich der erste Standort von »Ströck Feierabend«. Dort und in den weiteren Filialen kann man das Feierabend-Croissant des französisch-stämmige Chef-Pâtissiers Pierre Reboul kaufen. Falstaff hat er sein Rezept für den Gebäck-Klassiker verraten.
1030 Wien
Österreich
1030 Wien
Österreich
4. Bezirk
Dolci soweit das Auge reicht
Name ist hier Programm: Das Kalorienzählen hat man in der Wohllebengasse in Wieden aufgegeben. Bei den »Casolaro Bros« gibt es neben gefüllten Cornetti auch weitere Klassiker der italienischen Snack-Küche. Der zweite Standort in der Erdbergstraße in Landstraße lockt das Grätzelpublikum mit Dolci, wie Cornetto Nocciolo und Pistacchio sowie Crema und Amarena.
1040 Wien
Österreich
»New York Rolls« in Wieden
Trend-Alarm: In Wien werden Croissants auch im kreisrunden Format angeboten. Seit April neu am Markt: »New York Rolls« in der Operngasse. Dem vorwiegend jungen Publikum werden die 10 unterschiedliche Croissant-Varianten serviert – von süß bis salzig. Fotografieren erwünscht, bröseln unvermeidbar.
5. Bezirk
Die Buttercroissants im »Wiener Chic« gibt es auch in der veganen Variante und im entzückenden Mini-Format.
»Jomon«: vielschichtig und vielfältig
Der artsy Coffee-Hotspot bietet hausgemachte Backwaren zum Kaffee: Die pikante und süßen Croissants in vielen Varianten sind nicht nur hübsch zum Anschauen, sondern schmecken auch gut. Auch in der Karlsplatzpassage bei der Oper sind die Backwaren zu haben.
Aus Liebe zum Croissant
Im Zuge einer »Croissant«-Stadttour führt kein Weg an dieser Viennoiserie-Schmuckstück in 1060 vorbei. Knusprig-flaumige Croissants mit glänzender Oberfläche, die fast zu schön sind, um sie zu essen.
Frech Connection
Das Publikum in Mariahilf hat augenscheinlich eine Schwäche für Viennoiserie, denn ebenfalls auf der Otto Bauer Gasse zu finden: Das »Peti Pari«. Hier konzentriert man sich auf die klassische Variante des Croissants. »To go« oder direkt vor Ort zu genießen.
7. Bezirk
Croissant mit Kultfaktor
Hier wird dem (Sauerteig-)Plunder gehuldigt: Bei »Ährnst« nimmt man die Herstellung des Plunderteigs überaus ernst. Die Croissants sehen nicht nur wie kleine Meisterwerke aus, sie schmecken auch so.
Vegan und heiß begehrt
Wer bei »Jonas Reindl« eines der hausgemachten Croissants ergattern will, muss schnell sein. Zu Mittag sind die veganen Teig-Preziosen oft schon ausverkauft. Die Coffee Roasters sind sowohl in 1070 (auf der Westbahnstraße) als auch in 1080 und 1090 mit Standorten vertreten.
Moderne Pattiserie
Kleines Lokal, riesige Auswahl: Auch neben den opulenten Tartes und Eclairs macht im »Tart'a tata« das schlicht-glänzende Croissant eine gute Figur.
8. Bezirk
Pistazien-Croissants im »Café Délice«
Charmanter Coffee-Shop, der es den Gästen überaus schwer macht, auf die liebevoll zubereiteten Backwaren zu verzichten. Der Renner: Das Pistazien-Croissant.
Neu in der Stadt: Croissants nach dänischem Rezept
Seit der Eröffnung Anfang Mai bereichert das »Freyja - The Croissant Story« die Patisserie-Szene Wiens um eine neue Facette. Hier setzt man auf langsame Fermentation und 27 Schichten Butter im Teig. Bis die formvollendeten Sauerteig-Meisterwerke auf den Teller kommen, gönnt man ihnen vier Tage Ruhe. Ein Unterschied, den man tatsächlich schmeckt.
New York Rolls für Ästheten
Im Kontrast zur opulenten Auslage sind die Croissants eine schlichte, aber nicht minder köstliche Angelegenheit.
11. Bezirk
Grab'n go: Direkt bei der U-Bahnstation Enkplatz gibt es die flaumigen Butter-Croissants von »Geier«. Die Filiale auf der Simmeringer Hauptstraße hat auch an Sonntagen geöffnet und versorgt die Anrainer mit dem begehrten Plundergebäck. Neu im Sortiment (in allen Filialen von »Geier«) sind die opulent gefüllten Pistazien- und Erdbeer-Croissants im XL-Format.
12. Bezirk
Name ist hier Programm: In unmittelbarer Nähe zum Meidlinger Markt, in der »La Crèmerie Café et Croissant«, pflegt man die frankophile Tradition der Viennoiserie zum Kaffee.
1120 Wien
Österreich
13. Bezirk
Hietzing überrascht mit einer Dichte an Coffee-Shops, die mit ihren rein pflanzlichen Croissants die frühstückende Bohème lockt. So zum Beispiel das Nook, wo man den Plunder auch mit Schoko füllt und bestreuselt. Neu im Bezirk: Das Café Láska in der Lainzer Straße, wo die heißbegehrten Pistazien-Croissants den Hietzingern die Kalorienbilanz ruinieren, aber zweifelsohne ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
15. Bezirk
Auf der Äußeren Mariahilfer hat man sich seit Anfang Juni der rein pflanzlichen Patisserie verschrieben. Paul Nähr hat lange an der Rezeptur für sein veganes Croissant und Nusscroissant getüftelt. Schmeckt gut, und schön eingepackt wird es auch.
1170 Wien
Österreich
17. Bezirk
Dieses Lokal könnte dafür verantwortlich sein, dass es die Bohème wieder vermehrt nach Hernals zieht: Das »Grey Kaffee« ist der Stadtbevölkerung mittlerweile als Synonym für Pistaziencornetti geläufig. Köstlich. Punkt.
18. Bezirk
In den Croissants der »Lilla Soul Boulangerie« wohnt die Seele eines großen Plunderherzens inne: Ganz ohne Schnickschnack, mit vielen krossen Schichten, mit frisch-flaumig Gaumenkitzel.
Auf der Währinger Straße, bei »Öfferl« greift man tief in die Back-Trickkiste und geht neue Trend-Wege: Seit Juni gibt es beim Boutique-Bäcker ein opulent befülltes und nicht minder üppig verziertes Bio Zitronen Baiser Croissant.
1180 Wien
Österreich
1010 Wien
Österreich
19. Bezirk
Croissants mit Ausblick? Die gibt es im »Rondell – Café am Cobenzl«. Diese kommen aus der Bäckerstube von »Joseph Brot« und werden zum wohl schönsten Panoramablick über Wien serviert.
20. Bezirk
Eine süße Abwechslung zum Pistazien-Hype: Im »Le Brunch« in der Dresdner Straße füllt man die veganen Croissants mit einem Himbeer-Herz.
21. Bezirk
In Floridsdorf frönt man am Donauufer der Frankophilie: Zum Frühstück gibt es in der »La Creperie« frisch-flaumige Croissants.