Alles andere als baden gegangen: Andi Kollwentz und Heinz Velich bei der Burgunder Trophy.

Alles andere als baden gegangen: Andi Kollwentz und Heinz Velich bei der Burgunder Trophy.
© Regina Hügli

Die Sieger der Burgunder Trophy 2016

Burgenlands beste Burgunder: Mit der Burgunder Trophy prämiert Falstaff Jahr für Jahr herausragende Weißweine aus dem Burgenland. Einmal mehr zählen Andi Kollwentz und Heinz Velich zu den Gewinnern.

Wenn vom Burgenland die Rede ist, denken viele automatisch an tolle Rotweine, manche vielleicht auch an Süßweine«, sagt Andreas Liegenfeld, Präsident des burgenländischen Weinbauverbandes, »dass das Burgenland aber auch tolle Weißweine erzeugt, ist noch immer zu wenig in den Köpfen der Konsumenten verankert. Daher haben wir vor dreizehn Jahren mit Falstaff die Burgunder Trophy ins Leben gerufen.« 
Dabei weiß Andreas Liegenfeld um die Qualitäten der Weißweine aus eigener, langjähriger Erfahrung, produziert er doch auf seinem Familienweingut in Donnerskirchen am Leithaberg mehrheitlich hervorragende weiße Sortenvertreter. Und tatsächlich hat sich das Image seit 2004, als die Falstaff Burgunder Trophy zum ersten Mal durchgeführt wurde, merklich verbessert. Das ist insbesondere erfreulich, wenn man weiß, dass im Burgenland fast fünfzig Prozent der Rebfläche mit Weißweinreben bepflanzt sind. Neben dem allgegenwärtigen Welschriesling, der vom leichten Alltagswein bis zur Trockenbeerenauslese seine Vielseitigkeit unter Beweis stellt, ist auch der Grüne Veltliner im Burgenland weit verbreitet. 

Weiße Burgundersorten

In jüngerer Zeit hat sich der Sauvignon Blanc stärker etabliert, und auch aromatische Sorten von Muskat Ottonel bis Traminer haben stets ihre Liebhaber gefunden. Falstaff hat sich bei der Gründung des Bewerbs für die weißen Burgundersorten entschieden. Prämiert werden also in unterschiedlichen Kategorien Weine aus den Sorten Pinot Blanc, Pinot Gris und Chardonnay, zusätzlich wurde der Neuburger aufgenommen, der nicht zu den Burgundersorten zählt, aber diesen stilistisch nahesteht. 
Der Anteil der Anmeldungen von Weinen aus 2014 war aufgrund der kleineren Erntemengen etwas geringer als üblich, insgesamt zeigten sich die Weine mit Holzpassage sehr lebendig und trinkfreudig. »2014 hat uns sehr viel Arbeit abverlangt – die Niederschläge rund um den Erntebeginn machten eine strenge Selektion nötig, die den Ertrag deutlich senkte. Aber wir konnten nach und nach eine kleine Menge an Topqualität hereinholen«, sagt Andi Kollwentz rückblickend. 
Aus der Sonderkategorie »Leithaberg DAC Weiß« konnten nur Weine berücksichtigt werden, die tatsächlich aus Burgundersorten stammen, hier sieht das Gesetz ja auch Grünen Veltliner vor. Eingereicht wurden verfügbare Weine aus beiden Jahrgängen, sowohl ohne als auch mit Angabe von Riede. Alle Verkostungsnotizen von Leithaberg-DAC-Weinen wurden in eine Kategorie zusammengefasst. Den Abschluss bildeten auch heuer die Reserve-Weine, wo trinkreife Spitzenweine aufeinandertrafen. Hundert Weingüter haben an der Falstaff Burgunder Trophy teilgenommen.

»Kleine Trauben mit kleinen, aromatischen Beeren sorgen Jahr um Jahr für die Mineralität und Würzigkeit des Chardonnay ›Gloria‹« Andi Kollwentz, Großhöflein
© Regina Hügli
»Kleine Trauben mit kleinen, aromatischen Beeren sorgen Jahr um Jahr für die Mineralität und Würzigkeit des Chardonnay ›Gloria‹« Andi Kollwentz, Großhöflein

Die Trophy-Sieger

Bei den Siegern kommt man auch dieses Jahr an einem Produzentennamen nicht vorbei: Andi Kollwentz aus Großhöflein dominiert seit Jahren den Bewerb wie kein anderer, wenn es um die Rebsorte Chardonnay geht. Ein Anspruch, den man auch auf ganz Österreich ausdehnen kann. 
Beim Jahrgang 2015 belegte der Chardonnay »Leithakalk« den ersten Rang, wie auch der Chardonnay »Neusatz« 2014 in seiner Jahrgangsgruppe an der Spitze landete. Hier allerdings punktegleich mit dem Chardonnay »Steinriegel« von Albert Gesellmann. Und um sich auch noch den Hattrick zu sichern, siegte in der Reserve-Trophy der Chardonnay »Gloria« 2011, der sich die Top-Platzierung aber mit einem weiteren burgenländischen Meister der Chardonnay-Vinifikationskunst, nämlich mit Heinz Velich aus Apetlon und dem Chardonnay »Tiglat« 2012, teilen musste. 
Bei der zweiten großen Sortengruppe, dem Weißburgunder, beherrschen zwei weitere Namen das Geschehen. Die Kategorie »Klassischer Weißburgunder« ging geteilt an Georg Prielers »Seeberg« und Gernot Leitners »Salzberg«.
Auch den besten Leithaberg DAC Weiß stellte Prieler mit einem reinsortigen Weißburgunder, Gernot Leitner aus Gols holte sich dafür die Kategorie Weißburgunder 2014 mit seinem am Salzberg gewachsenen »Pannobile«. 
Ein Trio stellte die besten Leithaberg DAC 2014: Punktegleich platzierten sich Markus Altenburger aus Jois mit dem Chardonnay »Jungenberg«, Schloss Esterházy mit dem Pinot Blanc aus der Lage Tatschler und Gernot Heinrich mit Weißburgunder Leithaberg DAC.
Die beiden besten Grauburgunder kamen von Harald Kraft aus Rust mit Grauburgunder 2015 und Gerhard Kracher aus Illmitz mit Pinot Gris Reserve 2014. 

»Der ›Tiglat‹ hat uns international bekannt gemacht. Die Rebstöcke haben viel erlebt und aufgenommen, was sie weitergeben können.« Heinz Velich, Apetlon 
© Regina Hügli
»Der ›Tiglat‹ hat uns international bekannt gemacht. Die Rebstöcke haben viel erlebt und aufgenommen, was sie weitergeben können.« Heinz Velich, Apetlon 

Aus welchen Regionen kommen die Weine?

Der Löwenanteil der verkosteten Weine kam auch heuer aus den beiden Appellationen rund um den Neusiedler See, der auf das Klima entscheidenden Einfluss nimmt. Im Westen bestimmt der Leithaberg mit seinen speziellen Böden die Güte der Weißweine – ein hoher Anteil an Kalk, aber auch Glimmerschiefer kommt den Burgundersorten sehr entgegen. Doch auch der Seewinkel mit seinen teils schottrigen, teils sandig geprägten Lagen bringt sehr feine und lagerfähige Weißweine hervor. In den südlicheren Regionen des Burgenlands, wo König Blaufränkisch regiert, ist der Weißwein eher ein Randthema. In der Region um Rechnitz im Südburgenland gibt es eine nennenswerte »Weißwein-Insel«, im Mittelburgenland zeigt Albert Gesellmann seit Jahren, welches Potenzial für Spitzenweißweine vorhanden ist.
Auch wenn sich die Weine von den beiden Seeseiten schon wegen der geologischen Gegebenheiten unterscheiden, so weisen sie im Charakter doch gewisse Gemeinsamkeiten auf, die vom Seeklima bestimmt sind. Die Weine besitzen stets eine gute Reife und dadurch einen angenehmen, extraktsüßen Grundton. Die Säurestruktur ist weniger ausgeprägt als in den kühleren Anbauzonen. Dennoch lassen die weißen Burgunder des Burgenlandes eine angenehme, oft salzig-mineralische Frische nicht vermissen, die den Weinen einen guten Trinkfluss verleiht. Ein weiterer Pluspunkt ist die Lagerfähigkeit, die speziell bei den im Holzfass geschulten Vertretern zu den Stärken der weißen Burgundersorten zählt. 
2015: ein Weinjahr wie man es sich wünscht
Ein Schwerpunkt liegt bei der Falstaff Burgunder Trophy immer auf dem jüngsten Jahrgang – dieses Mal war das der 2015er –, der trocken und klassisch ausgebaut sein soll. In dieser Klassik-Gruppe wurde die größte Zahl an Weinen eingereicht. Der eher warme und sonnenreiche Jahrgang brachte gut ausgereifte Weine mit viel Frucht und Extrakt, aber auch etwas weniger Säurestruktur hervor, die im starken Gegensatz zum kühlen, säurereicheren Vorgänger 2014 stehen. »2015 ist ein Jahr, wie man es sich wünscht: Perfektes Erntewetter brachte uns kleinbeerige, reife und kerngesunde Trauben, da kann man sich auf einen großartigen Jahrgang freuen«, sagt Georg Prieler aus Schützen. 
Die Verkostungsergebnisse laden einmal mehr ein, sich mit den weißen Burgundern des Burgenlandes auseinanderzusetzen, denn neben den Weinen der Spitzenbetriebe gibt es auch ausgezeichnete Weine zu attraktiven Einkaufspreisen. 

Auch Georg Prieler aus Schützen ist für seine eleganten Weißweine bekannt.
© Steve Haider
Auch Georg Prieler aus Schützen ist für seine eleganten Weißweine bekannt.
Peter Moser
Peter Moser
Wein-Chefredakteur Österreich
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