82 Prozent der Landwirte gehen davon aus, dass die Arbeit autonomer Maschinen die Zukunft ist.

82 Prozent der Landwirte gehen davon aus, dass die Arbeit autonomer Maschinen die Zukunft ist.
© Shutterstock

Hightech auf dem Acker: Die Landwirtschaft von Morgen

Schwimmende Ställe, vertikale Gemüsefarmen und Roboter als Erntehelfer: Wie Technologie die Landwirtschaft der nächsten Jahrzehnte revolutionieren wird.

In Rotterdam schwimmt die erste Farm der Welt. Auf drei Stockwerken soll die Floating Farm die Erdoberfläche entlasten – Meer bildet schließlich 70 Prozent davon. Verarbeitet wird die Milch direkt unter dem Kuhstall auf der zweiten Etage, langfristig ist ein autarkes Kreislaufsystem geplant. Gefüttert werden die Kühe mit Abfallprodukten von Fabriken aus der Umgebung wie Biertreber und Getreideresten, zurück kommt die Milch an umliegende Cafés und Märkte. Abgesehen davon, dass bei dieser stadtnahen Form der Landwirtschaft auch Kinder und der eher landwirtschaftsferne Teil der Bevölkerung sehen, wie Milch hergestellt wird, werden hier enorme Transporte gespart und damit das Klima entlastet. Zur Seekrankheit tendieren Kühe scheinbar nicht, ins Wasser fallen sollten sie allerdings auch nicht – leider schon passiert.

Vertikale Gemüsefarmen

Megacitys werden größer, die Baufläche geringer, der Bedarf an Ressourcen allerdings nicht. Damit sich das durch den Klimawandel unbrauchbar gewordene Ackerland regenerieren kann, aber auch, um Transporte zu vermeiden, setzen viele Städte auf das sogenannte Vertical Farming bauen in die Höhe oder eben in die Tiefe. Obwohl diese Ideen bereits seit den 1960er-Jahren kursieren, haperte es an der Umsetzung. Hier kommen die neuen Technologien ins Spiel. Denn wer beispielsweise wie in »La Caverne« in Paris im Untergrund eine Farm betreiben will, muss sehr genau wissen, welche Temperatur und wie viel LEDs ein jeder Spross der Permakultur benötigt. Und auch mit wie vielen Pilzen, die CO2 abgeben, ein solcher versorgt werden muss.

Die größte dieser Farmen wird von AeroFarms gestellt und steht in Newark im US-Bundesstaat New Jersey; dort werden auf 7.000 Quadratmetern und über 18 übereinander gestapelten Etagen mehr als 900.000 Kilo Salat im Jahr angebaut. Der Schlüssel: »Aeroponik«, das ist eine Anbaumethode, bei der die Pflanzenwurzeln stets mit einer Nährstofflösung in Kontakt stehen, die sie versorgt. In Deutschland ist wohl das Berliner Start-up Infarm ein Projekt, das diesem Grundgedanken am nächsten kommt.

Regenerative Landwirtschaft

Obwohl keine technologische Innovationen im strengen Sinne, sind Kreislaufwirtschaft und regenerative Bewirtschaftung wesentliche Bestandteile eines jeden konkreten Konzepts für vorausschauende Landwirtschaft. Aus dem einfachen Grund, weil ihnen das Prinzip zugrunde liegt, langfristig Transporte und Abfall unbedingt zu vermeiden und Energie zu sparen. Der Grundsatz dabei ist, immer zu versuchen, vorhandene Rohstoffe wiederzuverwerten, um bei der Produktion neuer Rohstoffe sparen zu können. Es geht also darum, Produkte nicht etwa zu deponieren oder zu verbrennen, sondern schon gleich so herzustellen, dass sie maximal langlebig sind und in einem regenerativen Kreislauf der Verwertung bestehen bleiben können.

Eine Maxime, die auch rechtlich verankert ist: Seit 1996 ist das Kreislaufwirtschaftsgesetz Teil des deutschen Abfallgesetzes; es beinhaltet, dass die Vermeidung von Abfall oberste Priorität hat, die Vorbereitung zur Wiederverwertung bei jedweder Produktion das Ziel sein muss und Recycling und die sonstige Verwertung, insbesondere die energetische, stattfinden muss, wo immer das möglich ist. Je weniger Müll schon bei der Produktion anfällt, desto besser.

Viele Landwirte gehen davon aus, dass sie in ihrer Arbeit künftig verstärkt von Robotern unterstützt werden.
© Shutterstock
Viele Landwirte gehen davon aus, dass sie in ihrer Arbeit künftig verstärkt von Robotern unterstützt werden.

Mit Robotern und Drohnen

Einerseits gibt es also die radikale Rückbesinnung auf die Kreisläufe der Natur, auf ihre regenerativen Mechanismen, die erhalten bleiben sollen. Andererseits muss der Mensch auf die demografischen Veränderungen reagieren – und hat schon so stark in natürliche Kreisläufe eingegriffen, dass es einiges zu reparieren gilt. Hierfür bedarf es hochentwickelter Technologien, die imstande sind, präzise Messungen und die konkrete Umsetzung von innovativen Projekten umzusetzen.

Der GPS-gesteuerte Roboter »Xaver« von Fendt soll 30 bis 40 Prozent Zeitersparnis bringen.
© Fendt
Der GPS-gesteuerte Roboter »Xaver« von Fendt soll 30 bis 40 Prozent Zeitersparnis bringen.

Ob Roboter zum Säen, Düngen oder auch als Erntehelfer: Es gibt hier bereits zahlreiche Modelle, wie etwa den GPS-gesteuerten Roboter »Xaver« des deutschen Herstellers Fendt. Er ist üppige 30 bis 40 Prozent schneller als ein Mensch. Obendrein kann er länger arbeiten und misst nebenher Bodendaten, sodass man besser auf die Beschaffenheit und Pflege des Bodens – und somit auf seine Gesundheit – eingehen kann und so zugleich den Ertrag steigern kann. Fendt forscht seit 2015 an Robotern und an künstlicher Intelligenz für die Landwirtschaft.

82 Prozent der Landwirte gehen davon aus, dass die Arbeit autonomer Maschinen die Zukunft ist. Gerade etwa die beim Weinbau eingesetzten Drohnen sind imstande, an verschiedenen Messpunkten ein Wärmebild zu erstellen, was Basis für eine effizientere Bewässerung ist. Hier greifen Bio und Hightech ineinander. Eine andere Frage ist, wie sozial nachhaltig die Entwicklung ist, dass Roboter die Arbeit von Menschen erledigen, wie es um ihre Fehleranfälligkeit, ihre nachhaltige Produktion und die Notwendigkeit zur personellen Überwachung steht. Doch das ist eine andere Frage.

Erschienen in
Falstaff Future 2021

Zum Magazin

Juliane Eva Reichert
Autor
Mehr zum Thema
Top 10: Rezepte mit Honig
Zum Tag der Biene am 20. Mai haben wir zehn Inspirationen fürs Kochen, Backen und Mixen mit Honig...
Von Marion Topitschnig, Fee Louise Schwarz, Redaktion
Apfelkoteletts
Diese Schweinekoteletts mit gebratenen Apfelscheiben ist ein typisch fränkisches Gericht, das...
Von Nanette Herz