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© Roland Graf

Kleine Freuden für alle: »Kuba« Jarosiewicz und seine »BarStœrt« in Wien

Cocktail
Wien

Den Respekt für die Mixologie hat Jakub »Kuba« Jarosiewicz nicht verloren. Doch mit der »BarStœrt« im 8. Bezirk schuf er einen »Erwachsenen-Spielplatz«. Mit Pool-Tisch, zwei Euro-Espresso und Drinks, die z. B. »Schmuddelfilm« heißen.

Man sieht sie von weitem: Wie ein Schiffsrumpf schiebt sich die »BarStœrt« zwischen der Lederergasse und Skodagasse. Und die bunte Graffiti-Fassade stärkt die Sichtbarkeit der neuen Bar noch, hinter der aber ein alter Bekannter – nicht nur aus der Wiener – Szene steht: Jakub Jarosiewicz, den alle nur »Kuba« nennen. Im fernen Bremen hat seine Mix-Karriere gestartet, seither war er als Markenbotschafter für »Jägermeister« Europa-weit unterwegs und hat zuletzt im »Hammond Lab« Cocktailkurse en masse gehalten. »Ich bin jetzt in meinen Vierzigern und möchte ein bisschen Spaß haben«, gibt Kuba das Motto im 8. Bezirk vor.

Mit Bar-Food bis zum Schluss

Diesem Zugang folgt auch die Konzeption der Bar, die bereits um 12 Uhr für den Mittagstisch öffnet. Ein Highlight neben Quesadillas und Salat ist Mac and Cheese, für das man die Toppings – bis hin zur schärfsten Chili-Sauce – wählt. Erwähnenswert ist für Nachtschwärmer, dass es diese Unterlage zur Bar-Nacht auch bis zur Sperrstunde geben wird, also auch nach Mitternacht. Dass die würzigen Nudeln im Papiergeschirr kommen, egal ob man sie mitnimmt oder vor Ort genießt, mag vielleicht provozieren. Aber »Kuba« mag Reibung.

So erklärt er auch den Namen des 170m² großen Lokals: Wer das »BarStœrt« entsprechend langsam liest, findet auch den versteckten Witz, die Anspielung auf räudigen Charme, der eine Eigenschaft von Promenaden-Mischungen ist, die Extra-Liebe verdienen. Was man in Wien ein »Bastardl« nennt, will auch die Bar sein, die Jarosiewicz lieber »ein Cocktail-Beisl« nennt.

Der Schalk darf mitmischen!

Die Cocktails, um die sich mit Mateusz Turek ein junges Talent (u.a. in der »Dino‘s« geschult) kümmert, tragen jedenfalls Namen, die Laune machen. Vom »Redneck Sour« über den »Schmuddelfilm« und den Twist auf einen Negroni namens »Liebe, Digga, Liebe« bis zum »Aperadler«. Letzteren verdankt er dem Falstaff-Bartender des Jahres, Marco Pani, »ich darf diese geniale Mischung aber mit seinem Okay nutzen«. Leichte und witzige Drinks wie das Gemisch aus Grapefruit-Radler und Aperol sind genau das Ding des relaxten Neuzugangs in Wien-8.

Die Schreibweise der Kaffees, mehr noch der Titel dieser Rubrik (»Käffchen«), steht ebenfalls für das Polarisieren und sorgt seit dem ersten Tag für Gesprächsstoff. Doch das passt zum Anspruch, »eine US-Dive-Bar, nur in »schön«« zu sein. Dazu gehört auch der Billard-Tisch im zweiten Raum der mit gemischten Vintage-Sesseln möblierten »BarStœrt«.

Ein freundliches Preis-Niveau

Das zeigt sich auch bei den Preisen, die dank Mischkalkulation auch der Inflation den Stinkefinger zeigen wollen (den »echten« zeigt eines der Bilder in der Bar): Der »Gin & Juice« um acht Euro setzt statt Tonic auf den Traubensaft aus dem Weinviertel. Generell sind die meisten Cocktails um 12 Euro zu haben. Den Espresso gibt es um zwei Euro. Wie sich das ausgeht? Gespart wird etwa bei der Dekoration, die aber dafür ganz im »BarStœrt«-Stil ausfällt: »Wir haben bei Haribo alles leer gekauft«, lacht Kuba dazu und sieht auch da einen schalkhaften Zugang: »Wann hat denn ein Bankmanager zuletzt eine Gummischlange gegessen«?

Das Beispiel ist willkürlich gewählt, denn man will für alle da sein. Zwar wird es künftig Angebote für Studenten geben, »aber unser ältester Gast ist 91«, so Jarosiewicz, der mit Kompagnon Florian Schuch die Bar führt. Dazu gehört auch der »Dresscode«, der besagt: »Bei uns musst Du nur innerlich gut angezogen sein«. Dafür bekommt ein Drink, für den man anderswo strafende Blicke erntet in der »BarStœrt« auch seine eigene Seite – die Piña Colada!


 

Roland Graf
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