Wien Wieden: Kulinarik-Tour durch den 4. Bezirk
Der vierte Bezirk, die kleine Wieden, bietet am Rande des Naschmarkts eine erstaunliche gastronomische Vielfalt: Japanisch-Peruanisch findet man hier ebenso wie eine der besten Burger-Adressen und Kuchen von der Oma.
Kulinarisch gesehen war das Jahr 2009 ein ziemlich schlechtes für den vierten Wiener Bezirk, die Wieden. Da nämlich verlor der Bezirk auf einen Schlag eine Vielzahl prominenter Lokale und legendärer Fisch- und anderer Händler: Denn durch eine Änderung der Bezirksgrenzen gehörte der Naschmarkt plötzlich zur Gänze zum Nachbarbezirk Mariahilf. Davor hatte die Wieden die Hälfte des bekannten Markts für sich reklamieren können.
Nun: Die Wieden hat es gut verkraftet. Auch, weil der Rest des Bezirks ohnehin mithalten konnte, heute mehr denn je: In dem flächenmäßig kleinen Bezirk, der sogar auf den Einkaufsstraßen (in den kleinen Gässchen sowieso) sympathisch-dörflich wirkt, tat und tut sich gastronomisch viel. Die Dichte an internationalen Lokalen samt spannender Fusion-Experimente, Cafés und Pubs ist enorm. Spaziert man etwa von der Innenstadt kommend in den vierten Bezirk, die Operngasse hinunter, mag vielleicht der dichte Verkehr die Aufenthaltsqualität ein bisschen trüben, auf beiden Straßenseiten aber reiht sich Lokal an Lokal.
Die »HeartBeat Street«
Nicht alle sind gleich empfehlenswert, jedenfalls einen Stopp einlegen sollten Fans japanischer Speisen (und ja, Matcha-Getränken) bei »Matcha Komachi«. Wer es ein wenig abgehobener mag, geht ein paar Minuten weiter zur Mochi-Zweigstelle »Kikko Ba« mit ihrer japanische Fusion-Küche sowie langer (Natur-)Weinkarte. Doch zurück zur Operngasse: Für einen orientalischen Brunch empfiehlt sich das »Mani im Vierten« (Schwesternlokal des »Mani« am Yppenplatz) an der Ecke zur Schleifmühlgasse, zu dem mit »Smashbox« eine der besten Burger-Adressen im Bezirk gehört (Die Burger werden auch im »Mani« serviert).
Dann hat man die Wahl: Rechts abbiegen in Richtung Schleifmühlgasse oder doch nach links hinauf zur Wiedner Hauptstraße? Beide Entscheidungen sind richtig. Die Schleifmühlgasse, von »Wien Tourismus« als eine der »Heartbeat Streets« international beworben (um die vielen Touristen von den überlaufenen Hotspots in Grätzel zu locken, die auch die Locals schätzen) ist abwechslungsreich: Zwischen Galerien und Designshops reihen sich Lokale ohne Ende.
Erwähnt sei das Generationencafé »Vollpension«: Hier backen Seniorinnen (und Senioren) wunderbare Mehlspeisen und die wienweit bekannten Buchteln. Kombiniert mit der Vintage-Einrichtung sorgt das für ein Gefühl wie bei der Oma und ist längst kein Geheimtipp mehr – entsprechend gut besucht ist das Café. Etwas rauer geht es gegenüber im »Café Anzengruber« zu, in das nicht nur Künstler gern auf ein Schnitzel (und ein paar Bier) gehen. Legendär!
Aber auch, wer nicht nur zum Essen kommt, wird in der Schleifmühlgasse sicher glücklich: In der bestens sortierten Buch- und Gewürzhandlung »Babette’s« und dem nicht ganz so bekannten, aber nicht minder empfehlenswerten Geschäft »Mimi Mandl« mit seiner wunderbaren Mischung aus (Koch-)Büchern und Küchenutensilien etwa. Am besten, man schlendert wieder zurück und begibt sich Richtung Wiedner Hauptstraße, die seit wenigen Monaten frisch umgestaltet ist. Glücklicherweise haben die Traditionsbetriebe die lange Umbauphase überstanden: Da wäre das bekannte Lokal von Knödelexpertin Stefanie Herkner (»Zur Herknerin«) auf der einen, der Vietnamese »Bánh Mì Hôi An« auf der anderen Seite, der sich vor allem für ein feines Lunch-Menü und die vietnamesischen Baguettes (Tipp: das mit Schweinebauch!) bestens eignet.
Ein paar Minuten weiter stadtauswärts sollte man keinesfalls die »Goldene Kugel« auslassen, eines der letzten Haushaltswarengeschäfte der Stadt, in dem man wirklich alles findet, was man für Küche und Garten braucht. Vergleichsweise neu ist der »Hellenic Market«, ebenfalls auf der Wiedner Haupstraße, in dem es sich einkaufen lässt wie im Griechenlandurlaub (nur mit noch mehr Auswahl). Fernweh garantiert!
Fine-Dining-Fusion
Der vierte Bezirk kann aber auch Fine Dining: Spannend ist das lateinamerikanische »Z’som« in der Gußhausstraße unweit der Karlskirche (noch so eine »Heartbeat Street« übrigens), in dem die Tirolerin Judith Lergetporer und der Chilene Diego Briones werken.
Eine andere Fusion, nicht minder spannend, weil japanisch-peruanisch (wo findet man das sonst?) bietet Marcel Ruhm in seinem »Dining Ruhm« in der Lambrechtgasse. Wer es italienisch mag, kann sich in die »Osteria Made in Sud« auf der Margaretenstraße begeben, in der man dank Delikatessenläden, der Buchhandlung Anna Jeller oder dem hübschen Porzellangeschäft feinedinge einige Zeit verbringen kann. Immer wieder könnte man zum Naschmarkt abbiegen. Muss man aber nicht. Auch auf der Wieden wird man bestens versorgt.
Restaurants
Cafés
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