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Im »Gleis//Garten« sind nicht nur Streetfood-Stände sondern auch die Brauerei »Vienna Kraft« untergebracht.

Im »Gleis//Garten« sind nicht nur Streetfood-Stände sondern auch die Brauerei »Vienna Kraft« untergebracht.
Foto beigestellt

Wien Meidling: Kulinarik-Tour durch den 12. Bezirk

Wien Special 2025
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Meidling ist kulinarisch nicht so auffällig wie andere Bezirke: Wer aber weiß, wo er suchen muss, wird hier auch abseits des gehypten Meidlinger Marktes einige Lokale in Top-Qualität finden. Und Wiens einzige Food Hall.

Rückblickend betrachtet hat es wirklich erstaunlich lange gedauert, bis die Großstadt Wien endlich eine Food Hall bekommen hat, die es in anderen Metropolen in zig Varianten gibt. Und dies an einem alles andere als zentralen Ort – am Rande des zwölften Bezirks, womit das Grätzel gleich beim Gürtel endlich auf dem kulinarischen Stadtplan aufgepoppt ist.

Das Projekt, das zunächst als Markthalle promotet wurde, sich mittlerweile aber viel treffender als Food Market bezeichnet, nennt sich »Gleis//Garten« – die zwei Schrägstriche im Namen sollen Straßenbahngleise symbolisieren, ist das Projekt doch in einer ehemaligen und sachte umgebauten Remise der Badner Bahn auf rund 1.500 Quadratmetern entstanden.

Die beiden deutschen Jungunternehmer Felix Bollen und Anton Borkmann, die davor in London unter anderem im »Mercato Metropolitano« Bier nach alter deutscher Tradition gebraut hatten, eröffneten die Halle im Herbst 2023, womit der sonst kulinarisch im Vergleich mit anderen Bezirken nicht sehr auffällige zwölfte Bezirk, zweifellos aufgewertet wurde. Innen, in der wirklich sehenswerten historischen Halle, fällt zuerst das viele Grün auf, dem »Garten« im Namen wird man mit zahlreichen Olivenbäumen und hohen Palmen wirklich gerecht, die indoor dank eines unterirdischen Bewässerungssystems in den ehemaligen Reparatur-Schächten überleben.

Street Food und Brunch

Neun Gastronomen – einer davon ein wechselnder »Local Hero«, der für einige Wochen eingemietet ist – bespielen die Halle und sorgen für eine ziemliche Breite an (Street-)Food, bei der wohl jeder und jede fündig wird: Bestellt wird an den Ständen, gegessen dann an einem der vielen Tische unter den Palmen. Mit dabei ist unter anderem »Trixie Kiddo’s«, Wiens erstes amerikanisches BBQ-Lokal, das neben dem Standort am Urban Loritz-Platz in der Halle mit einem 700 Kilogramm schweren Smoker eingemietet ist und Speisen wie Pulled Pork oder Beef Brisket serviert.

Dann wäre da noch »Mixtura Latino« mit lateinamerikanischem Street Food oder »From Crust till Dough«, das nicht die omnipräsente neapolitanische Pizza auf der Karte hat, sondern die römische Variante. Einen Namen gemacht hat sich der »Gleis//Garten« mittlerweile auch als Brunch-Adresse, generell gibt es täglich viel Rundherum-Programm von Yoga bis Kinder-Bespaßung, montags nun neuerdings auch einen Kinoabend: Das »Volxkino«, das jeden Sommer durch Wien zieht, macht nun auch hier Station.

In der Halle untergebracht ist auch eine kleine Bierbrauerei, in der unter dem Label »Vienna Kraft« zahlreiche Sorten – von Pale Ale bis Bockbier – gebraut wird, die ausschließlich frisch gezapft hier in der Halle verkauft werden, Stichwort Zero Mile: Ohne Transportwege und die Abfüllung in Flaschen oder Dosen kann man so sehr viel CO2 einsparen.

Mit ungewöhnlichen Biersorten einen Namen gemacht haben sich auch die Meidlinger Bier-Sommeliers Johannes Grohs und Alexander Beinhauer, die herkömmliche Biersorten zu langweilig fanden und nun in ihrer »Next Level« Brewery in der Wilhelmstraße sehr kreative Bier-Varianten brauen. Seit Sommer 2024 ist ein Taproom und Bottleshop an die Brauerei angeschlossen, in dem man sich durch die Sorten kosten und die Favoriten für Zuhause kaufen kann.

Die Brauerei ist nicht allzu weit vom Meidlinger Markt entfernt, der dank einer neuen Generation an Gastronomen seit 2012 einen regelrechten Aufschwung hingelegt hat und heute zum zweifellos außergewöhnlichsten Gastro-Hotspot des Bezirks zählt. Auch im Umfeld des Marktes haben sich spannende Lokale angesiedelt, wie etwa das »Freundling« von Lena und David Freund, eine der verlässlichsten Adressen für gute Mittagsmenüs in Bioqualität.

Der Bio-Fisch-Pinonier

Wer außerhalb des Marktes (und des Gleisgartens) nach spannenden Lokalen sucht, muss genauer hinschauen als in anderen Bezirken, die eine wesentlich höhere Dichte an Restaurants, Cafés und Bars aufweisen. Wenn man aber weiß, wo man in Meidling suchen muss, kann man mit außergewöhnlichen »Local Heros« rechnen.

Etwa in der Nähe von Schloss Hetzendorf, wo sich Bio-Fisch-Pionier Marc Mößmer mit seiner Manufaktur angesiedelt hat. Manch einer mag seine Fischprodukte von diversen Märkten kennen, in der Hetzendorfer Straße gibt es nicht nur einen Ab-Hof-Laden (in dem man neben viel Fisch aus Waldviertler Teichen etwa auch Bio-Fleisch von befreundeten Landwirten findet), ab Mai kann man hier den Sommer über auch in einem der wenigen Heurigen im Bezirk einkehren.

Dass der Zwölfte kulinarisch nicht stillsteht, sieht man ein paar Meter weiter: Pizzaiolo Samuel Rocatello, der zuvor unter anderem in der »Pizza Mari« und »Da Ferdinando« als Pizzachef überzeugt hat, hat sich hier gleich beim Schloss mit seiner eigenen Pizzeria niedergelassen: »Al Castello« heißt sein im Februar eröffnetes Restaurant, in dem er auf neapolitanische Pizza setzt.

Wer es wienerischer mag, findet in Meidling einige empfehlenswerte Adressen: Sehr bodenständig ist das »Schutzhaus Meidling«, das schon seit mehr als 100 Jahren besteht und einst jenen Kleingärtnern Unterschlupf gewährte, die noch keine Häuschen in ihren Kleingärten hatten. Von alten Zeiten erzählt auch die wunderbare Vintage-Einrichtung im Weinhaus Pfandler »Zu den Seligen Affen« in der Dörfelstraße, das diesen kuriosen Namen von Roman Pfandler bekam, der das alte Weinhaus Pitzl gerettet und wiedereröffnet hat: Eine echte Institution, in der nicht nur Affen selig werden.

Meidling


Reich der Mitte
Meidling ist das geheime Zentrum von Wien: Elf Bezirke kommen vor ihm, elf nach ihm. Und: Das Wort »Meidling« leitet sich vom althochdeutschen »Medil« (Mitte) ab.

Erster Mitmach-Supermarkt
»Mila« in der Vivienotgasse ist der erste Mitmach-Supermarkt. Einkaufen dürfen hier nur Genossenschaftsmitglieder: Wer Anteile erwirbt (Regelanteil 180 €, Sozialanteil 20 €), arbeitet vor Ort mit und kauft dafür hochwertige Lebensmittel günstig ein.

 

Meidlinger Hauptstraße 11
1120 Wien
Österreich
Dörfelstraße 3A
1120 Wien
Österreich
Schutzhausweg 136
1120 Wien
Österreich
Niederhofstraße 17
1120 Wien
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Wilhelmstraße 23
1120 Wien
Österreich

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Erschienen in
Falstaff Wien Special 2025

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Paula Wagner
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