Wiener »Kuchenamt« eröffnet: Beim Kuchen essen Inklusion stärken
Im Café im 4. Bezirk arbeiten Menschen mit und ohne Behinderungen. Es gibt langes Frühstück, reichlich frischen Kuchen und ganz viel Gastlichkeit.
Das neueröffnete, lachsrosa Café »Kuchenamt« ist im Gemeindebau in der Schäffergasse 10 Ecke Pressgasse zuhause. Wer sich nicht erinnert: Der Gemeindebau wurde 2019 durch eine Gasexplosion zerstört und neu errichtet.
Es ist aber etwas anderes, dass das »Kuchenamt« so besonders macht: In Küche und Service arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung – und das gleichberechtigt.
Den Kaffee bereitet die 19-jährige Cornelia zu, weil sie sich besonders gerne an Latte Art probiert. Eine ihrer Kollegin ist als Barkeeperin in ihrem Element und kreiert Spritz-Varianten. Es gibt bis 17 Uhr Frühstück, täglich frisch gebackene Esterhazy-Torte, Tiramisu und veganen Apfelstrudel.
Lernen vom »Triest«-Küchenchef
Das Kaffeehaus ist ein Projekt des gemeinnützigen Unternehmens »wienwork«. Die Mehlspeisen werden täglich frisch von Konditorlehrlingen aus dem Ausbildungsrestaurant »Speiseamt« in der Seestadt (ebenfalls ein inklusiver »wienwork«-Betrieb) gebacken.
Mit Josef Neuherz, 30 Jahre Küchenchef im Designhotel »Triest«, hat ein namhafter Küchenchef die kleinen Speisen sowie die Abläufe in der Küche mitentwickelt. Im Laufe der Jahre machte er aus dem im Hotel versteckten »Collio« einen der besten Italiener Wiens und bespielte das »Porto«.
»wienwork« schafft und vermittelt Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen oder langzeitarbeitslose Menschen. Alle Lehrlinge bei »wienwork« haben eine Lernschwäche, weitere Beeinträchtigungen oder Erkrankungen aus dem Autismusspektrum. Ziel ist es, ihnen echte Teilhabe am Wirtschafts- und Gesellschaftsleben zu ermöglichen.
Nach Schließung des Hotels im Jahr 2024 verantwortet Neuherz nun die Gastronomieprojekte von »wienwork«, sein langjähriger Kollege Michael Seiwald hat die Restaurantleitung im »Kuchenamt« übernommen: »Wir geben den Menschen hier eine echte Perspektive. Weil's eben nicht wurscht ist, was wir machen.«
Einfach so reinspazieren
Modern und hell gestaltet, sieht man dem Café das inklusive Konzept auf den ersten Blick gar nicht an »Unser Ziel ist es, Menschen mit und ohne Behinderung Arbeit zu geben und Jugendliche auszubilden. Wir wollen aber, dass die Gäste einfach so hereinspazieren, ohne den Hintergrundgedanke zu kennen«, sagt »wienwork«-Geschäftsführer Christoph Parak.
Und das ist allemal gelungen. Ein Vorzeigeprojekte, in dem man sich als Gast schnell zuhause fühlt und das zeigt, wie echte Inklusion in unserer Gesellschaft – und Gastronomie – funktionieren kann.