6 Hände, 8 Sterne, eine Philosophie: Kulinarisches Gipfeltreffen bei Alexander Herrmann
Ein Abend, bei dem es nicht nur ums Essen ging: Marco Müller und Andreas Caminada reisten vergangene Woche zu Alexander Herrmann für ein kulinarisches Gipfeltreffen, das weit über den Teller hinausging. Gemeinsam definierten sie die Zukunft der Regionalität – mit Respekt, Vision und Persönlichkeit.
Ein großer Trend: Dinner-Abende als Kollaboration zwischen Spitzenköchen und Köchinnen – mit vier, sechs oder mehr Händen. »Ich habe heute Abend 34 Hände in der Küche gezählt«, sagt Alexander Herrmann nicht ohne Stolz am letzten Sonntag in seinem »Posthotel« in Wirsberg vor rund 50 Gästen eines spektakulären Abends. Zu Gast waren zwei Drei-Sterne-Köche mit ihren Teams: Marco Müller aus dem Berliner »Rutz« und Andreas Caminada aus »Schloss Schauenstein« in der Schweiz. Sie sind nicht zufällig nach Oberfranken gereist, um mit dem Team aus dem »AURA« rund um Tobias Bätz und Ferdinand Kretz zu kochen: Ihre gemeinsame Philosophie und die Vision von Nachhaltigkeit und Zukunftsgewandtheit prägten sowohl den Abend als auch das Menü.
Drei Küchen – eine Philosophie
Menüs aus drei Küchenstilen zu kombinieren, das ist stets eine Herausforderung, denn keiner der Anwesenden wäre so hochdekoriert, hätte er nicht seine eigene Stilistik. Aber schon am Nachmittag beim Get Together im »Anima Future Lab« spürt man das gemeinsame Interesse der Teams aus der Schweiz, Berlin und Wirsberg: Die enge Zusammenarbeit mit Lieferanten, die Nähe zur Natur, zum Produkt, der Region und Saison eint sie – ebenso wie die Weiterentwicklung der Lebensmittel und Geschmacksmöglichkeiten durch verschiedene Techniken von Fermentation bis Rotationsverdampfung. »Ich glaube, die Gedanken der Küche und die Sprache der Regionalität, die völlig anders ausgelebt wird, aber denselben Ursprung hat, das vereint uns«, fasst Tobias Bätz zusammen, der an der Seite von Alexander Herrmann seit vielen Jahren die kulinarische »Posthotel-Familie« zusammenhält und sich sehr für den Gedanken der »grenzenlosen Heimat« und die Entwicklung kulinarischer »Future Labs« über die Grenzen Frankens hinaus vorantreibt.
Marco Müller war mit seinem Team schon am Vorabend angereist, um einen Abend im »AURA« zu verbringen und das Menü der Kollegen zu probieren. »Ich finde es sehr spannend, wenn man in eine Region kommt, die man noch nicht so gut kennt«, sagt er. Er sieht die Zusammenarbeit als wertvollen Austausch, gerade weil die Küchen der drei Restaurants im 6-Hands-Dinner unterschiedliche Ansätze verfolgen und dennoch in ihren kulinarischen Grundprinzipien vereint sind. Besonders hebt er die kreative Art hervor, mit der in den verschiedenen Regionen gearbeitet wird, und sieht im Austausch eine Bereicherung. Für ihn ist es faszinierend, sich durch die regionalen Unterschiede inspirieren zu lassen und gleichzeitig Gemeinsamkeiten in der Herangehensweise an kulinarische Innovation zu erkennen.
Ein Gipfeltreffen der Persönlichkeiten
Andreas Caminada beschreibt die Dynamik zwischen den Küchenstilen als eine interessante Herausforderung, die nicht zwingend harmonisch sein muss. Er betont, dass gerade die Unterschiede reizvoll sind und inspirierend wirken können. Für ihn geht es darum, die kulinarischen Erfahrungen der Köche zusammenzubringen und zu sehen, wie die Gäste die Mischung aufnehmen. Er sieht es als wertvolle Gelegenheit, sich von unterschiedlichen kulinarischen Stilen herausfordern und bereichern zu lassen: »Es muss ja nicht harmonisch sein. Es gibt kein ›es hat nicht gepasst‹«.
Alexander Herrmann ist sichtlich zufrieden mit dem Gipfeltreffen in seiner Heimat und mit der Zusammenarbeit als großes Team – mit dem gemeinsamen Blick auf die Zukunft der Regionalküche. Er spricht mit großer Wertschätzung über die Kooperation beim 6 Hands Dinner. Für ihn steht die Bedeutung der Persönlichkeiten im Vordergrund, die nicht nur durch ihre kulinarische Expertise, sondern auch durch ihren menschlichen Charakter beeindrucken. »Ich sehe darin eine Form von Respekt und gemeinschaftlichem Austausch. Die größte Freude habe ich, dass sie überhaupt da sind. Das wird ein erinnerungswürdiger Moment. Es geht gar nicht so allein um das Happening beim Menü, sondern es geht darüber hinaus!«