Alte Beiz, junges Team: Im «Geissmättli» kommen Schweizer Klassiker zum Teilen auf den Tisch
Seit April führt Fabian Dumitrache das über 120-jährige «Geissmättli» an der St. Karli-Strasse mit seinem Team weiter. In der Luzerner Traditionsbeiz kommen Schweizer Klassiker und alpine Gerichte zum Teilen auf den Tisch – vom Stadtmetzger-Tatar über Mini-Hackbraten bis zum Cordon bleu mit Luzerner Rahmkäse.
Das Restaurant «Geissmatt», das vielen besser als «Geissmättli» bekannt ist, wurde seit 2010 von Maria-Angela und Bruno Rampinelli geführt. Mit italienischer Tavolata und einem treuen Stammpublikum prägten sie den Betrieb über Jahre hinweg. Für die beiden endet nun dieses Kapitel und mit Fabian Dumitrache übernimmt eine neue Generation.
Ursprünglich kam Dumitrache nur für eine Saison in die Schweiz, doch daraus wurde schnell mehr. Zuvor hatte der gebürtige Deutsche und gelernte Koch in der Spitzengastronomie in London, Berlin und Dubai gearbeitet. Inzwischen ist das «Geissmättli» bereits sein vierter Betrieb in kurzer Zeit: 2021 eröffnete er mit gerade einmal 24 Jahren das «Bündnerland» in Luzern, später folgten das «Central» in Kriens und «Mister Cordon» in der Mall of Switzerland.
Für Dumitrache ist das «Geissmättli» jedoch kein Betrieb wie die bisherigen. Hier übernimmt er eine Quartierbeiz mit Geschichte und treuem Stammpublikum. «Bei einem solchen Traditionsbetrieb sind die Erwartungen schon höher», sagt Dumitrache. Die Herausforderung bestand von Anfang an darin, dem Ort eine neue Handschrift zu geben, ohne dabei seinen vertrauten Charakter zu verlieren.
Klassiker statt Neuinterpretation
Kulinarisch bleibt Dumitrache seiner Linie treu: Schon seine bisherigen Betriebe drehten sich um die Schweizer Küche. Auch im «Geissmättli» war deshalb schnell klar, wohin die Reise geht. «Ich mache das, was ich kann und was sich bisher bewährt hat», sagt er. Auf den Tisch kommen Schweizer, österreichische und italienisch geprägte Gerichte aus dem Alpenraum. Dabei ist dem Team wichtig, die Klassiker nicht künstlich neu zu interpretieren, sondern gute Produkte für sich sprechen zu lassen: «Wir wollen die Gerichte so lassen, wie man sie kennt. Wenn die Qualität der Produkte stimmt, braucht es gar nicht viel mehr», erklärt Dumitrache.
Gerichte zum Teilen
Die Karte liest sich vertraut, aber nicht altbacken. Stadtmetzger-Tatar vom Doggwiler Rind, Boeuf Stroganoff mit würziger Sauce, Zürcher Geschnetzeltes oder ein Luzerner Cordon bleu mit Rahmkäse, Krienser Heublumenschinken und Röstipommes. Besonders stolz ist das Team auf den Mini-Hackbraten, an dem mehrere Monate lang gearbeitet wurde. Er wird zum Teilen serviert, mit Kartoffelstock, Gemüse und kräftiger Bratensauce. Bei den Produkten setzt Dumitrache auf Partner, die ihn und sein Team teils schon seit Jahren begleiten – darunter Luzerner Traditionsbetriebe wie Chäs Barmettler und die Stadtmetzgerei Doggwiler.
Eine Beiz zum Wiederentdecken
Auch optisch wurde das «Geissmättli» behutsam aufgefrischt. Während früher dunkles Holz, Kronleuchter und Kerzenlicht das Bild prägten, wirkt das Lokal heute heller und offener. Das Holz wurde aufgehellt, die Fensterfolien entfernt und die Wände zeigen sich in einem sanften Grünton. Dadurch ist das Restaurant nun auch von aussen besser erkennbar. Der Charakter der Quartierbeiz bleibt dennoch erhalten. Genauso wie das Highlight im hinteren Bereich: die Terrasse direkt an der Reuss, mit Wasserrauschen und Sonne bis spät in den Abend. Sie ist im Quartier längst bekannt, für viele andere Luzernerinnen und Luzerner, aber nach wie vor ein Geheimtipp.
Auf den ersten Blick hat sich im «Geissmättli» einiges verändert: neue Gastgeber, hellere Räume und Schweizer Klassiker statt italienischer Tavolata. Geblieben ist jedoch die Idee einer Quartierbeiz, in der gemeinsam gegessen, geteilt und verweilt wird.