Butterbier & Schokofrösche: »Movie2Menu« serviert Filmklassiker zum Anbeißen
Mit »Movie2Menu« erweitert das Berliner Sternerestaurant »Bonvivant« sein Repertoire und übersetzt Filmklassiker in mehrgängige Menüs. Aktuell läuft Harry Potter und der Stein der Weisen.
Wer es hasst, auch nur minimal gespoilert zu werden, sollte dem Falstaff-Urteil einfach vertrauen, direkt nach unten scrollen und seine eigene »Movie2Menu«-Experience buchen. Wer aber noch wissen möchte, wie dieses besondere Konzept entstand, darf weiterlesen, bevor eine letzte Spoilerwarnung folgt.
»Movie2Menu« ist nämlich Teil eines größeren Trends: Erlebnisdinner erleben europaweit – und darüber hinaus – einen regelrechten Boom. Auf internationaler Ebene begeistert zum Beispiel »Le Petit Chef« mit einem animierten Mini-Koch, der direkt über die Tische der Gäste hüpft und eine Miniatur-Kochshow inszeniert, bevor die realen Speisen serviert werden. Eines der hierzulande immersivsten Konzepte ist das »Eatrenalin« im Europa-Park: Auf »Floating Chairs« reisen die Gäste durch verschiedene Räume und Welten und genießen kulinarische Highlights, die sie weit aus Deutschland entführen – nur zwei Beispiele für die Vielfalt dieses Segments.
Auf der Suche nach Emotionen
Sie zeigen, dass Gäste heute mehr wollen als einfach nur satt werden. Es geht um Emotion, Storytelling und das Erlebnis, das noch lange nach dem Besuch nachhallt. Man kennt es schließlich: Monate nach einem Restaurantbesuch erinnert man sich oft nur schemenhaft ans Essen, sehr wohl aber an alles, was den Abend drumherum besonders gemacht hat – und an die Emotionen, die davon übrig blieben.
Das ist auch im Berliner Sternerestaurant »Bonvivant« der Fall, selbst wenn Küchenchef Nikodemus Berger alles daran setzt, seine raffinierten veganen Kreationen nachhaltig in das Gedächtnis seiner Gäste zu bringen. In Erinnerung bleibt vor allem der herzliche Service, das Ambiente und das Gefühl, einen fabelhaften Abend erlebt zu haben. Das reichte dem Team offensichtlich nicht: Selbst nach Feierabend scheint noch genügend Energie übrig geblieben zu sein, um jetzt ein neues Projekt aus dem Ärmel zu schütteln.
Die Idee selbst hatten Paul Rost und Jules Winnfield – verbunden durch ihre Leidenschaft für Film und Kulinarik. Rost war früher Restaurantleiter, Winnfield ist Geschäftsführer des »Bonvivant«. Für die Drinks wurde der langjährige Barchef des Hauses und Falstaff »Rookie Bartender des Jahres 2023«, Elias Heintz, ins Boot geholt; kulinarisch verantwortet Fabian Huschitt (»Studio 32«) das Menü.
Logistische Meisterleistung
Dem ein oder anderen wird das Konzept vielleicht bekannt vorkommen: In Hamburg zeigt »Film & Flavor« (bis vergangene Woche noch »Eat the Film«) seit zwei Jahren, wie ein Filmabend zum Kinodinner werden kann. Das Lokal ist auf Monate ausgebucht, egal welcher Film gezeigt wird. Die Idee ist eigentlich simpel, erfordert aber logistische Meisterleistung seitens Küche und Service: Kredenzt werden Gerichte, die im Film vorkommen oder sich aus der Handlung ableiten, live zum Leinwandmoment.
Das Berliner »Movie2Menu« hat (noch) kein eigenes Restaurant, sondern verwandelt aktuell die aus der Kaderschmiede »Bonvivant« entstandene Kochschule »Studio 32« in das essbare Kino-Erlebnis. Eine feste Location in Zoo-Nähe ist aber bereits für das kommende Jahr geplant. Neue Termine werden alle paar Monate auf Instagram veröffentlicht; für das erste Quartal 2026 stehen Harry Potter, Ratatouille und Pulp Fiction auf dem Programm. Dazu kommen Sommerevents auf Rooftops, in Kirchen oder sogar auf Inseln, die per Fähre erreichbar sind.
Letzte Spoilerwarnung – jetzt wird’s magisch
Kommen wir nun zum Film des Abends: Harry Potter und der Stein der Weisen – und damit zur endgültigen Spoilergrenze.
Der Abend beginnt – wie sollte es anders sein – mit Butterbier, aber nicht mit dem süßlichen Gebräu, das Potter-Fans aus den Warner-Bros-Studios kennen. Hier kommt ein Cocktail-Twist hinzu, wie man ihn aus dem »Bonvivant« erwartet. Dazu gibt es Popcorn in reichlich brauner Butter geschwenkt – quasi als Amuse. Währenddessen dürfen die Gäste Fotos in Hogwarts-Roben schießen oder sich vom sprechenden Hut einem Haus zuteilen lassen. Diskussionen über die richtige Zuordnung sind fester Bestandteil des Konzepts.
Die echten Hardcore-Fans überlegen natürlich schon vorher, welche Gerichte wohl serviert werden könnten. Und wie sollte es anders sein: Es gibt Eier und Speck – nicht von Harry serviert, aber vom charmant verkleideten Service. Wer Onkel Vernons Sonntagskeks oder den berühmten Geburtstagskuchen erwartet, liegt ebenfalls goldrichtig – allerdings nicht unbedingt im Dessertgang, so viel sei verraten. Neben Klassikern wie Schokofröschen oder Elementen aus dem großen Festmahl überrascht das Team aber auch mit völlig unerwarteten Ideen.
Auch die passenden Drinks kommen so magisch daher, dass man verstehen kann, warum »Du-weißt-schon-wer« sich mit Einhornblut am Leben hält. Es ist überraschend köstlich! Wasser aber in Rum verwandeln? Das schafft weder Seamus Finnigan im Film, noch das »Movie2Menu«-Team.
Wer sich nun an das Ende des Films erinnert und kulinarisch Angst bekommt, dem sollte gesagt sein: Ohrenschmalz verarbeitet die Küche des »Studio 32« garantiert nicht.
Ein Geschenk, das wirklich verzaubert
Während die Magie des Abends ausklingt und die schwebenden Kerzen so langsam an Batterie verlieren (so viel Desillusion muss sein), stellt sich kurz vor Weihnachten eigentlich nur eine Frage: Gibt es ein besseres Geschenk für Potterheads, die glauben, schon alles aus dem magischen Universum zu kennen? Gesehen haben sie es vielleicht. Aber geschmeckt? Sicher nicht.
Mehr Informationen und Reservierung unter movie2menu.de