Frank Schindler im Falstaff-Talk: »Man wird wieder menschlich sein dürfen«
Frank Schindler übernahm im Oktober 2025 die Leitung der ProWein Düsseldorf als neuer Director. Mit Falstaff sprach er über seine nächsten Schritte, die Weinwelt der Zukunft, wieso er im Burgenland seine zweite Heimat gefunden hat und welchen Wein er immer zuhause hat.
Falstaff: Sie blicken bereits auf eine lange Karriere in der Weinbranche zurück. Wie hat sich die Weinwelt in dieser Zeit verändert?
Frank Schindler: Fangen wir damit an, was gleichgeblieben ist: Es ist weiterhin eine sehr persönliche Branche, die von starken Charakteren mit hoher Selbstmotivation und klarem Wertegerüst geprägt ist. Man pflegt, kultiviert und toleriert Einzigartigkeit und Vielfalt, womit man gesellschaftlich durchaus Vorbildcharakter besitzt. Gleichzeitig ist sie deutlich professioneller geworden, seitdem die starken Ausbildungsangebote vor etwa 15 Jahren begonnen haben zu greifen. Aus der Quereinsteigerbranche ist inzwischen eine echte Profibranche geworden und das sowohl in Produktion, Vertrieb und Marketing. Produktionsseitig haben wir nach einer Phase der Gleichschaltung bis Anfang der 2000er Jahre heute unglaublich facettenreiche und blühende Weinstilistiken, die vor Jahren als winzige Nischen begonnen haben und heute breite Bereiche der Produktion beeinflussen.
Wie sind Sie selbst zur Weinbranche gekommen?
Angefangen hat alles mit der Idee meines Vaters, Wein als Kapitalanlage zu kaufen. Diese Kapitalanlage haben wir dann im Laufe der Jahre sukzessive und mit Genuss ausgetrunken. Damit war mein Interesse geweckt. Über meine Mutter, als Forschungs- & Entwicklungsleiterin für Premium Kosmetik, hatte ich dann die Möglichkeit genutzt, mit großen Aromensets meine Sensorik zu schulen und habe begonnen, meine eigene kleine Weindatenbank aufzubauen. Danach kamen WSET-Weinseminare und der Einstieg in die Branche.
Die ProWein Düsseldorf wird im Moment neu ausgerichtet – welche nächsten Schritte sind geplant?
Mit der Branche ändern sich auch die Anforderungen an eine internationale Fachmesse. Das neue Buyers & Concierge Programm ist sicher das neue Herzstück der ProWein. Wir werden zum Beispiel einen Bus Shuttle Service für verschiedene Destinationen im Radius von 350 Kilometern organisieren, um damit die Kaufkraft auf der Messe zu stärken. Auch werden wir die ProWein mit der neuen Agora Bühne zu einem reichweitenstarken Sprachrohr für die Branche entwickeln, die über deren Grenzen hinausreicht. Zudem planen wir ein starkes Upgrade für das »ProWein goes City« Konzept, auch wenn es für Details hierzu noch zu früh ist.
Man wird wieder Schwächen zeigen und menschlich sein dürfen – worauf ich mich ehrlich gesagt freue.
Welche Herausforderungen sehen Sie in der Weinwirtschaft in den nächsten Jahren?
Die letzten Jahre haben uns gezeigt, dass es ein »Das wird nie passieren« nicht mehr gibt, was eine gute Vorhersage noch schwieriger macht. Ich gehe jedoch davon aus, dass wir uns Herausforderungen auf verschiedenen Ebenen widmen werden. Das Thema Klimawandel wird dabei in meinen Augen von vielen Betrieben dabei sehr strukturiert und professionell angegangen. Egal ob Weingartenarbeit, Rebschnitt, Klonenselektion, Rebsortenauswahl, Erntezeitpunkt oder die angepassten Arbeiten im Keller. Speziell die nicht beeinflussbaren Größen wie Starkwetterereignisse und die grundsätzliche Wasserverfügbarkeit werden jedoch neue Limitierungen schaffen.
Die veränderten Rahmenbedingungen haben darüber hinaus zu einer starken Segmentierung in der Nachfrage geführt. Das bedeutet, dass erfolgreiche Produkte kongruent hinsichtlich Sensorik, Ausstattung, Kommunikation und Preis für dieses Segment sein müssen. Eine gute Kommunikation wird daher wieder ehrlicher werden, da neue Zielgruppen eine Kommunikation der Exzellenz als unnahbar und unglaubwürdig ablehnen. Man wird wieder Schwächen zeigen und menschlich sein dürfen – worauf ich mich ehrlich gesagt freue.
Hinsichtlich des veränderten Konsumverhaltens und den damit einhergehenden Lobbygruppen werden lokale und regionale Bemühungen weder auf Produzenten- noch auf Verteilerseite ausreichen. Hier bedarf es einer neuen Qualität an politischer Unterstützung und einem entsprechenden Prozess und Dialog – an dem sich die ProWein gern aktiv beteiligt.
Sie waren Geschäftsführer des Weinguts Esterházy in Trausdorf und haben die Weinakademie in Rust besucht – was vermissen Sie an Österreich am meisten?
Ich habe Rust zu einer Zeit absolviert, als mit Hilfe der ÖWM geführte Weinreisen für Studenten durch alle österreichischen Weinbaugebiete angeboten wurden. Diese Verbindung hat mich nie wieder ganz losgelassen und ich hatte im Burgenland tatsächlich meine zweite Heimat gefunden. Ich mag den Menschenschlag, die Landschaft und das schwer zu greifende Laissez-faire der Österreicher. Auch wird mir ihr unglaublich pointierter, trockener Humor fehlen!
Ich mag den Menschenschlag, die Landschaft und das schwer zu greifende Laissez-faire der Österreicher.
Welchen Wein sollte man einmal im Leben getrunken haben? Und welchen Wein haben Sie immer gekühlt und griffbereit zu Hause?
Es gibt Weine, bei denen ich emotionalisiert sagen kann: »Genau darum bin ich in dieser Branche«. Einer der ersten Vertreter dieser Kategorie war Chateau Rayas Grand Vin 1990. Und der Wein, den ich immer zu Hause habe, ist eher eine Kategorie, die ich auf Grund der Eigenständigkeit und Salzigkeit wirklich liebe: Manzanilla Sherry.