Hier trank schon Goethe Kaffee: Roms ältestes Café wird zwangsgeräumt
Nach 265 Jahren schließt das legendäre »Antico Caffè Greco« in Rom. Wo einst Goethe, Stendhal und Fellini ein und aus gingen, hat nun die Polizei die Türen versiegelt – vorerst.
Es ist das Ende einer Ära: Das traditionsreiche »Antico Caffè Greco«, Roms ältestes Kaffeehaus und eines der bedeutendsten historischen Lokale Italiens, ist nach einer Zwangsräumung geschlossen worden. Am Mittwochnachmittag versiegelte die Polizei das berühmte Café in der Via Condotti, nur wenige Schritte von der Spanischen Treppe entfernt. Damit endet – zumindest vorerst – eine 265-jährige Geschichte, die eng mit der Kulturgeschichte der Ewigen Stadt verwoben ist.
Dem Schritt war ein acht Jahre andauernder Rechtsstreit zwischen den Betreibern und den Eigentümern vorausgegangen, dem Israelitischen Krankenhaus in Rom. Der Mietvertrag war bereits 2017 ausgelaufen; das Krankenhaus hatte daraufhin sein Recht geltend gemacht, die Räumlichkeiten zurückzuerhalten. Nach zahlreichen juristischen Wendungen und Aufschüben bestätigte schließlich der Kassationsgerichtshof die Beendigung des Mietverhältnisses. Nun erfolgte die endgültige Räumung.
Ein Symbol der europäischen Kaffeehauskultur
Das »Antico Caffè Greco«, gegründet 1760, war über Jahrhunderte ein geistiger Treffpunkt und Symbol der Kaffeehauskultur des 18. und 19. Jahrhunderts. Hier verkehrten Dichter, Denker und Künstler von Weltrang: Goethe, Stendhal, Charles Baudelaire, Antonio Canova, James Joyce, Gioachino Rossini, später auch Sophia Loren, Federico Fellini und Renato Guttuso.
Kunstwerke beschlagnahmt
Vor der Schließung wurden rund 300 Kunstwerke – darunter Gemälde, Skulpturen und wertvolle Antiquitäten – beschlagnahmt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Betreiber versucht, diese Objekte aus dem Café zu entfernen, obwohl sie Teil des geschützten Inventars des historischen Gebäudes waren.
Eigentümer planen Wiedereröffnung
Trotz der Schließung sehen die Eigentümer das Kapitel des berühmten Cafés nicht als beendet. Francesco Leozappa, Verwalter des Israelitischen Krankenhauses, erklärte: »Die absolute Priorität ist die Wiedereröffnung des Caffè Greco. Wir werden so bald wie möglich mit den Arbeiten beginnen und den Insolvenzplan umsetzen.«