Vom Old Tom zum Freezer Martini: Miranda Hayman über ihr Family-Gin-Imperium
Gin-Business ist Family-Business, zumindest für Miranda Hayman. Wie das einer Marke mit einer über 160 Jahre alten Geschichte heute hilft, verrät die Frau an der Spitze des traditionsreichen Hayman’s Gin.
Die Geschichte von Hayman's begann 1863, als James Burrough, ein Londoner Apotheker, eine kleine Brennerei in der Cale Street in Chelsea eröffnete und neben dem damals populären, süßen Old Tom Gin auch eine Variante entwickelte, deren Stilistik sich heute als London Dry Gin weltweiter Beliebtheit erfreut. Auch 160 Jahre später destillieren Burroughs Nachfahren in Balham, im Südwesten Londons, Gin und seit fast 20 Jahren führt Miranda Hayman zusammen mit Vater Christopher und Bruder James das Unternehmen. Mit Falstaff sprach sie über neue Herausforderungen im Gin-Business, den Wert von Tradition und starke Frauen.
Falstaff: Hayman’s Gin ist seit 1863 in Familienbesitz und wird auch heute von drei Mitgliedern der Familie geführt. War es für Sie von Anfang an klar, in dieses Business einzusteigen?
Miranda Hayman: Es wurde nie Druck auf mich ausgeübt, in das Familienunternehmen einzusteigen. Es war vielmehr die natürliche Entwicklung meiner Interessen, die mich dorthin geführt hat. In diesem Jahr feiere ich mein 20-jähriges Jubiläum bei Hayman’s und bin dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit hatte, mit dem Unternehmen zu wachsen und die Veränderungen der Märkte und Trends über die Jahre hautnah mitzuerleben.
Der große Hype um Gin ist wohl vorbei und viele Experten erwarten eine gewisse Marktbereinigung. Wie führt man unter diesen Vorzeichen ein über 160 Jahre altes Gin-Business erfolgreich in die Zukunft?
Obwohl der Gin-Boom in letzter Zeit etwas abgeflaut ist – was wir erwartet haben – bleibt die Kategorie weiterhin sehr stark. Das liegt unter anderem an der wachsenden Beliebtheit klassischer Gin-Cocktails wie Negroni oder Martini. Menschen schätzen Tradition und echte, authentische Geschichten, was für Hayman’s natürlich von großem Vorteil ist. Zudem bringen diese klassischen Drinks eine gewisse Eleganz und Vertrauen mit sich, die aus ihrer schlichten Zubereitung resultieren.
Die drei Brennblasen von Hayman’s tragen nicht nur die Namen dreier Familienmitglieder, sie sind auch unterschiedlich groß. Welchen Einfluss hat dieser Umstand auf den Charakter des Hayman’s Gins? Ergeben sich daraus besonders kreative Möglichkeiten?
Die unterschiedlichen Größen unserer drei Kupferbrennblasen kommen alle zum Einsatz, um unseren weichen und dennoch komplexen Gin nach der Originalrezeptur von 1863 herzustellen. Im täglichen Destillationsprozess wechseln wir zwischen unserer 1000-Liter-Brennblase »Karin« und der 450-Liter-Brennblase »Marjorie«. Wenn wir jedoch neue Kreationen entwickeln, wie zum Beispiel unseren Vibrant Citrus Gin oder die alkoholarme Alternative London Light, nutzen wir die kleine 140-Liter-Brennblase – die übrigens nach mir benannt ist: Miranda!
Wie würden Sie in drei Worten den Markenkern von Hayman’s beschreiben?
Original, Familie, London.
Hayman’s gilt als die Brennerei, die 2007 als erste einen modernen Old Tom Gin auf den Markt brachte, eine damals fast vergessene Gin-Kategorie. Woher kam die Idee dazu und wie wichtig war das für den weiteren Erfolg der Marke?
2005 wurden mein Bruder James und ich von Barkeepern angesprochen, die uns baten, den authentischen Old Tom Gin nach unserer 160 Jahre alten Familienrezeptur zu destillieren. Die Barkeeper konnten die klassischen Gin-Cocktails aus der ersten Cocktail-Ära der späten 1880er-Jahre schlichtweg nicht ohne Old Tom zubereiten. Also entschieden wir uns, eine kleine Charge dieses fast vergessenen Stils nach unserem Originalrezept herzustellen und der Rest ist Geschichte. Heute wird unser Old Tom Gin in 70 internationalen Märkten weltweit verkauft.
Welche Art von Gin ist derzeit gefragt und wie bedienen Sie diese veränderte Nachfrage?
Gin-Liebhaber suchen nach klassischen, bewährten Sorten mit einer authentischen und bedeutungsvollen Geschichte. Da passt Hayman’s mit seiner traditionsreichen Historie und seinem unverwechselbaren Charakter natürlich perfekt hinein.
Nachhaltigkeit spielt bei Hayman’s eine große Rolle, immerhin ist das Unternehmen B-Corp-zertifiziert. Diese Zertifizierung verlangt aber nicht nur Maßnahmen zum Umweltschutz, sondern berücksichtigt auch soziale Aspekte. Nun versucht Hayman’s im Rahmen einer aktuellen Kampagne, Frauen zu »empowern« und bei ihrem nächsten Karriereschritt zu unterstützen. Wie genau kann man sich das vorstellen?
In der Destillerie veranstalten wir regelmäßig Events, die Frauen in der Branche in den Mittelpunkt stellen. Dabei organisieren wir Podiumsdiskussionen, bei denen die Gäste ihre Erfahrungen teilen und anderen wertvolle Ratschläge geben können. Darüber hinaus organisieren wir auch in anderen Ländern Veranstaltungen, um Frauen gezielt dabei zu fördern, sich in von Männern dominierten Branchen erfolgreich zu etablieren – zuletzt etwa bei einem Event in Köln.
Ihr Bruder James, aktueller Master Distiller von Hayman’s, soll am liebsten Martinis trinken. Was aber ist ihr Lieblingsdrink – und verraten Sie uns, wann und wie Sie ihn mixen?
Ich bin bei meinen Cocktail-Vorlieben ziemlich saisonal unterwegs – ein klassischer Gin & Tonic ist mein Alltagsfavorit, während ich für besondere Anlässe gerne einen Sloe Royale genieße. Momentan begeistert mich jedoch besonders unser Hayman’s Freezer Martini – je kälter, desto besser, wenn es um einen Martini geht! Außerdem ist er unglaublich einfach zu Hause zuzubereiten und lässt sich perfekt im Gefrierschrank aufbewahren.
Hayman’s Freezer Martini
- 500 ml Hayman's London Dry Gin
- 140 ml trockener Wermut
- 60 ml gefiltertes Wasser
Alle Zutaten in eine leere Hayman's London Dry (70 cl) Flasche füllen. Korken wieder einsetzen und schütteln, um sicherzustellen, dass die Zutaten gut vermischt sind. Flasche und Gläser für mindestens drei Stunden in den Gefrierschrank stellen.
Für eine Portion ca. 90 ml aus der Flasche in ein gekühltes Glas gießen und mit einer Zitronenscheibe oder einer Olive garnieren.