Brennerei trifft Künstler: So werden Ginflaschen zu begehrten Sammlerstücken
Gemeinsam mit der Brennerei Ziegler hat der Wiener Künstler Clemens Wolf eine limitierte Gin-Edition entworfen: Jede Flasche ist ein Unikat. Zum Start des ersten Drops spricht er im Interview über Kunst auf Glas, flüchtige Momente – und die Idee hinter dem »Freud Gin«.
Der Wiener Clemens Wolf (44) bewegt sich künstlerisch an der fließenden Grenze zwischen Malerei und Skulptur. Bereits seit seinen Studientagen an der Kunstuniversität Linz und seiner Zeit als Graffitisprayer setzt er sich mit dem unberührten urbanen Raum und der Vergänglichkeit seiner Motive auseinander. Diese Themen durchziehen sein Werk bis heute – ebenso wie die Faszination für Differenzen, die durch serielle Prozesse entstehen. Genau diese Idee prägt auch seine neue Gin-Edition, die er im Juli gemeinsam mit der deutschen Brennerei Ziegler und dem Monopol-Magazin vorgestellt hat.
Der »Freud Gin« mit Wildkirschblüte ist inspiriert vom No. 1 Wildkirschbrand der Brennerei. Für seine limitierte Edition gestaltete Clemens Wolf dreimal 111 Flaschen mit Hilfe von Sandstrahltechnik zu Unikaten. Graviert mit einem Wildkirschen-Relief und saisonal bemalt mit Siebdruckfarbe, trägt die Edition den Titel der GPS-Koordinaten des Baumes, der sie prägt: »48,17315° N, 15,93936° O«.
Wolfs Gin-Edition erscheint in drei Drops, die über die zweite Jahreshälfte verteilt veröffentlicht werden. Die erste Edition ist bereits seit dem 7. Juli in einem sommerlichen Gelb erhältlich. Die Herbst- und Winteredition folgen am 10. Oktober und 12. Dezember – welche Farben sie tragen werden, bleibt vorerst geheim. Klar ist hingegen der Preis: Eine Flasche kostet 333 Euro.
Falstaff: Herr Wolf, mit der Zusammenarbeit mit der Brennerei Ziegler erweitern Sie Ihren bisherigen Werkkanon – wie kam es dazu?
Clemens Wolf: Andreas Rock, der CEO der Brennerei Ziegler, ist ein langjähriger Freund von mir. Er hatte einige meiner Experimente mit Sandstrahltechnik auf Weinflaschen gesehen, so entstand die Idee, dieses Prinzip auf die Ginflaschen von Ziegler zu übertragen.
Was hat Sie bei der Gestaltung der Flaschen inspiriert?
In meiner Arbeit spielt der einzigartige, unmanipulierte, unwiederbringbare Moment eine zentrale Rolle. Wie bei handwerklich gefertigten Weinen und Spirituosen entstehen – geprägt vom Wetter – auch beim Wildkirsch-Gin von Ziegler jährlich Unikate. Daraus entstand die Idee, Zweige eines Wildkirschenbaums in das Design einzubinden. Sie sind in ihrer Form ebenso einzigartig.
Sie sprechen von unwiederbringlichen Momenten. Wie prägt das Ihre Arbeit?
Ich komme aus dem Graffiti und der Street Art. In meinen Arbeiten setze ich mich viel mit dem urbanen Raum und seinem ständigen Wandel auseinander. Besonders interessieren mich Momentaufnahmen von Motiven wie Ruinen, Zäunen oder sogenannten Unorten, also Orte, die unberührt, unmanipuliert und oft dem Verfall überlassen sind. In meinen Fallschirmarbeiten geht es beispielsweise um Falten. Sie sind höchst fragil, einzigartig, nicht wiederholbar. Wenn ich sie festhalte, bewahre ich diesen einen Moment – fast wie eine Schneeflocke, die sonst verschwinden würde.
Eine Flasche ist in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand, was hat Sie daran als künstlerisches Medium gereizt?
Durch die limitierte Stückzahl wird die Flasche nicht nur zum Gebrauchsgegenstand, sondern auch zum Erinnerungsobjekt – und in diesem Fall sogar zum Kunstwerk. Wenn ein Alltagsobjekt diese doppelte Funktion übernimmt, entsteht ein besonderer Mehrwert. Es gibt dann einen guten Grund, es aufzubewahren, weiterzuverwenden – etwa als Vase – oder es als Kunstobjekt in einer Vitrine zu präsentieren.
Wie würden Sie den »Freud Gin« geschmacklich beschreiben?
Ungewöhnlich fruchtig. Im Vergleich zu vielen klassischen Gins ist er deutlich weicher und weniger bitter.