Kollektion des Jahres 2024: Cantina Blass, Tessin
Achtsamkeit gegenüber Mensch und Natur ist das Hauptcredo der noch jungen Cantina Blass. Harmonie und Natürlichkeit sind ihren Weinen in allen Facetten anzuspüren.
Wer eine Flasche Rotwein der Cantina Blass aus dem Malcantone in die Hände kriegt, dürfte überrascht sein. Witzig und anders, allein die Etiketten mit den putzigen Schafen, die mit ihren unterschiedlichen Charakteren jeweils den Wein in der Flasche symbolisieren. Beim Eingiessen fällt die Farbe ins Auge. Sie ist klar heller, subtiler als die der meisten roten Tessiner Gewächse. Beim ersten Hineinriechen ist die Richtung glasklar: Hier geht es um Frische, um die Frucht, das ist nicht nur zeitgemäss, sondern auch ganz grossartig.
Regina, das namensgebende Schaf auf dem Etikett eines der beiden Lagenmerlots, trägt einen reichen Kopfschmuck. Pompös kommt es daher, der Wein entpuppt sich im Glas aber dennoch als leise, geheimnisvoll, ja komplex. «Eigenständig», notieren die Falstaff-Verkoster zur Aromenwelt und goutieren das mit 93 Punkten. Vielleicht überraschend kommt die noch höhere Bewertung für Pietro, einen reinsortigen Cabernet Franc – ein Schaf am Fels, ausgerüstet mit Kletterseil. Der Wein stammt von Reben, die direkt im Fels wurzeln. Ein enorm frischer, eleganter und dennoch kräftiger Tessiner Rotwein – ganz Berggänger eben und kein Merlot wie das Gros der Tessiner Weine. Neben den beiden Rotweinsorten werden auf der Cantina Blass auch Chenin Blanc, Sauvignac, Chardonnay und Sauvignon Blanc kultiviert.
Junger Betrieb
Die Cantina Blass ist ein noch junger Betrieb: 2019 startete das gerade mal vier Hektar grosse Projekt. Initiiert wurde es vom innovativen Ehepaar Gabriela und Alex Blass. Sie nutzten die Gelegenheit, das Weingut Weingartner in Astano zu kaufen, um ihren Traum von der eigenen Cantina zu verwirklichen. Isabel und Marc Holzwarth sind in der Schweizer Weinwelt keine Unbekannten. Sie arbeitete etwa bei Zweifel Weine in Zürich oder Urs Pircher in Eglisau, er studierte Weinbau und Önologie in Geisenheim und arbeitete in Deutschland. Gemeinsam waren Holzwarths bei Diego Mathier in Salgesch beschäftigt und zuletzt bei La Rodeline in Fully. Achtsamkeit gegenüber Mensch und Natur lautet das wichtigste motto bei Cantina Blass. Dies gilt für die Pflege der Reben und die Weinbereitung genauso wie für den Umgang mit den Menschen.
Und natürlich würde die Cantina Blass nicht die Kollektion des Jahres und damit eine der wichtigsten Auszeichnungen im neuen Falstaff Wine Travel Schweiz Spezial gewinnen, wenn sie in puncto Weintourismus uninteressant wäre. Das Weingut befindet sich im Convento Vecchio, einem ursprünglichen, klosterartigen Tessinerhaus aus dem 17. Jahrhundert. Es wurde in den 1970er-Jahren von Tilla Theus sanft renoviert und beherbergt neben dem Weingut auch eine Ferienwohnung, die Besuchern zur Verfügung steht.
Mehr Infos auf cantinablass.ch.
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