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© World Living Soils Forum

Living Soils Forum 2024

Moët Hennessy
Nachhaltigkeit
Weinbau

Zum zweiten Mal seit 2022 organisierte Moët Hennessy das »World Living Soils Forum« in Arles in der Provence – ein Branchentreff von Landwirten, Winzern und Wissenschaftlern zum Thema Bodenleben.

In seiner Opening Keynote stellte Moët Hennessy-CEO Philippe Schaus heraus, dass das Forum trotz des ökonomisch herausfordernden Umfelds stattfinde, denn der Abbau der Böden höre ja nicht auf, nur weil die Weltwirtschaft Anzeichen der Schwäche sende. Schaus’ Kollegin Sandrine Sommer, die im Hause Moët Hennessy den Posten des Chief Sustainable Officers bekleidet, stellte gleich im Anschluss einen von Moët Hennessy gemeinsam mit den Co-Organisatoren von der NGO ChangeNOW erarbeiteten Call to action vor.

Moët Hennessy-CEO Philippe Schaus
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Moët Hennessy-CEO Philippe Schaus

Kann regenerative Landwirtschaft zum Mainstream werden?

In einer inhaltsreichen Plenumsveranstaltung stellte Louise Baker vom UN-Programm zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) heraus, dass gesunde Böden »30 Prozent« der Lösung für die Probleme des Klimawandels seien. Das beste System, um CO2 zu binden, sei immer noch gesundes Land. Baker zitierte auf griffige Weise Mark Twain, der bereits im 19. Jahrhundert den – heute durch die fortschreitende Erosion vieler Böden noch bedeutungsvolleren – Ratschlag gab: »Buy Land – they don’t make it anymore.«

 

Wenn der homo sapiens nicht intelligent genug ist, wird die Naturgeschichte ohne ihn weitergehen.

 

Marc André Selosse, Professor am Pariser Museum für Naturgeschichte, verdeutlichte, dass es letztlich nicht um Bodenleben gehe, sondern um uns selbst: Irgendeine Form von Leben, so Selosse, stelle sich in jeder Form von Boden ein – aber jene Formen von Bodenleben, die menschlichem Leben dienen, seien bedroht. Dabei schaute Selosse, als wolle er sagen: Wenn der homo sapiens nicht intelligent genug ist, um das zu verstehen, dann wird die Naturgeschichte auch ohne ihn weitergehen.

Der deutsche Landwirt Benedikt Bösel, der in Brandenburg eine 3000 Hektar große ehemalige LPG nach den Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft bewirtschaftet, warb um Verständnis für die Gemütslage der Bauern: Ein großer Teil der Landwirte kämpfe mit den niedrigen Preisen. Wer einen Bankkredit bedienen müsse, könne nicht in den Umbau seines Betriebs investieren. Selbst wer es wolle, könne es meist nicht. Daran schloss er einen Appell an: Wenn eine sachunkundige Öffentlichkeit den Landwirten glaube gute Ratschläge erteilen zu müssen, dann verhindere das den Wandel, statt ihn zu beschleunigen.

Satelliten-Events in den USA und China

Eine Neuerung in der zweiten Auflage des »World Living Soils Forums« waren Podiumsdiskussionen, die aus den Moët-Betrieben »Joseph Phelps« im Napa Valley und »Domaine Chandon« in Ningxia zugeschaltet waren – mit der Möglichkeit der Interaktion in beide Richtungen. Originellerweise begann die Schalte nach China mit einer Übung in Kalligraphie. In Arles fanden alle Teilnehmer an ihren Plätzen Karten und einen Kalligraphiesttift, mit dessen Hilfe sie Schriftzeichen vervollständigen konnten.

Dermaßen eingestimmt, erlebten die Teilnehmer eine ausgesprochen lebendige Schilderung der Probleme, die Landwirte, Wissenschaftler und staatliche Politik in China zu lösen versuchen: So lernte man beispielsweise, dass die Wiederaufforstung von Regenwald besonders schwierig ist, weil zu Beginn nicht nur die Flora, sondern auch die zum Regenwald gehörenden Tiere fehlen. Eine private Initiative in der Region Tianzi war dennoch so erfolgreich, dass die dort erzeugten Tees heute Spitzenpreise erzielen, wie die Gründerin der Initiative, Li Minguo vom »Tianzi Biodiversity Research and Development Centre« berichtete.

Nachhaltige Gastronomie

Einer der spannendsten Diskussionen des zweiten Tages widmete sich dem Thema Nachhaltigkeit in der Gastronomie. Mit Elisabeth Boucher, die beim Guide Michelin die Implementierung der grünen Sterne verantwortet, sowie mit den Starköchen Alain Ducasse (Michelin: multiple Sterne, ein grüner Stern), Mauro Calagreco (Michelin: drei Sterne, ein grüner Stern) und Nadia Sammut (Michelin: ein Stern, ein grüner Stern) war das Podium erstrangig besetzt.

Alain Ducasse hob hervor, er sei überhaupt kein fanatischer Veganer, er glaube nur dass man das heute oft anzutreffende Verhältnis von 80 Prozent tierischen Nahrungsmitteln zu 20 Prozent pflanzlichen Nahrungsmitteln umkehren müsse.

Alain Ducasse
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Alain Ducasse

Mauro Colagreco, der fürs eigene Restaurant fünf Hektar biodynamische Landwirtschaft betreibt, schloss an: Zudem reiche es auch nicht, einfach nur Gemüse zu essen. Die Frage müsse sein: Welches Gemüse? Wie wird das angebaut? Auch das gut aufgezogene Rind habe im übrigen einen positiven Effekt und keinen schädlichen auf die CO2-Bilanz.

 

Die Authentizität der Anstrengungen ist das wichtigste Kriterium.

 

Nadia Sammut, die für ihr Restaurant sogar das Mehl selbst erzeugt, forderte mehr als nur einen Wandel, es müsse eine systematische Veränderung geben. Elisabeth Boucher wiederum hob hervor, dass es für die Vergabe der grünen Sterne zwar durchaus eine Checkliste gebe, aber da stehe nicht drauf: Nehmt kein Fleisch! Es komme auf die Geschichte des Kochs oder der Köchin an, und wesentlich auch auf das Investment der Chefs in die Ausbildung der Teams: »Was ist die Authentizität der Anstrengungen, die jemand in seiner Umgebung macht? Das würde ich als wichtigstes Kriterium immer verteidigen!«

Alain Ducasse, Elisabeth Boucher, Moderator Philibert Chambre, Mauro Colagreco und Nadia Sammut (v.l.n.r.)
© Ulrich Sautter
Alain Ducasse, Elisabeth Boucher, Moderator Philibert Chambre, Mauro Colagreco und Nadia Sammut (v.l.n.r.)

Die Schluss-Statements der Runde blieben im Ohr wie Schlussworte zur Tagung. Alain Ducasse stellte heraus: »Es geht nicht um: die einen gegen die anderen. Sondern um: die einen mit den anderen.« Einen Feind brandmarkte er dann aber doch: »Das Cocktail Fett und Zucker ist schrecklich.« Elisabeth Boucher sagte: » Mein Traum ist, dass man eines Tages keinen grünen Stern mehr braucht, weil es Gemeingut geworden ist so zu kochen.« Mauro Colagreco zuletzt gab den Zuhörern mit auf den Weg: »Wir sollten immer daran denken: Wie wir heute essen, so leben wir morgen.«


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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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