Mehr als Essen: Wie ein Luzerner Duo mit Pop-ups neue Welten erschafft
Seit 2022 realisieren Raphael Leutenegger und Manuel Kaufmann unter dem Namen «Sportklub» in Luzern temporäre Gastronomiekonzepte. Dahinter steckt vor allem der Wunsch, verschiedene Konzepte losgelöst von einem fixen Betrieb zu entwickeln und Neues ausprobieren zu können. Mit der Werkstatt Augustin haben sie ihre «Homebase» gefunden, wo sie mehrmals im Jahr Pop-ups wie «Smaaash!», «Viêt Pop» und «Bistrot Éphémère» umsetzen.
Die Idee zu «Sportklub» entstand bei Raphael Leutenegger und Manuel Kaufmann mit ihrem ersten gemeinsamen Projekt der «Pizzeria Da Marcello», die sie 2018 zusammen mit damaligen Geschäftspartnern im «Teiggi»-Areal in Kriens eröffneten. Schon damals zeigte sich, dass Leutenegger und Kaufmann Gastronomie nicht nur über das Essen sondern ebenso über eine eigenständige gestalterische Sprache definieren. Während des Umbaus der Pizzeria wurde deutlich, wie gut sie sich ergänzen: «Gemeinsam bringen wir alles mit, was es braucht, um aus einem Rohbau ein funktionierendes Restaurant zu machen», sagt Leutenegger.
Kaufmann ist in der Luzerner Gastronomie längst kein Unbekannter mehr. Nach seiner Kochlehre und der Hotelfachschule wirkte er unter anderem im «Drei Könige», im «Parterre» und im «Nordpol» mit und prägt die lokale Gastroszene seit über einem Jahrzehnt mit. Leutenegger kommt dagegen aus der Gestaltung und bringt als Hochbauzeichner und Designer den Blick für Räume, Materialität und Inszenierung mit.
Der Weg zur eigenen Location
Während der Corona-Pandemie entstand die Idee, leerstehende Ladenlokale temporär gastronomisch zu bespielen. Gesetzliche Hürden verhinderten jedoch zunächst die Umsetzung. Stattdessen rückte die Werkstatt Augustin in den Fokus, eine Eventlocation, die damals im kleinen Rahmen für private Anlässe genutzt wurde. Als das Gebäude plötzlich zum Verkauf stand, ergriffen Leutenegger und Kaufmann die Gelegenheit und beschlossen, das gesamte Haus zu kaufen. «Obwohl wir das Geld zu diesem Zeitpunkt noch nicht hatten, war ich überzeugt, dass wir das irgendwie hinkriegen», erinnert sich Leutenegger lachend.
Nach und nach wurde in der ehemaligen Metallwerkstatt die nötige Infrastruktur für Veranstaltungen eingerichtet, darunter Küche, Lüftung und sanitäre Anlagen. Der Raum mit seinen originalen Überbleibseln bietet heute Platz für bis zu 100 Personen und wird für Firmenevents, private Feste und die hauseigenen Pop-ups wie «Smaaash!», «Viêt Pop» und «Bistrot Éphémère» genutzt. In der Garage im Untergeschoss befindet sich heute sogar eine Mikrobrauerei.
«Smaaash!»
Im Mai 2024 öffneten Leutenegger und Kaufmann erstmals die Tore ihres ersten Pop-ups. «Smaaash!» stand auf den Plakaten, von denen Muhammad Ali oder LL Cool J entgegenblickten. Im Zentrum steht der klassische Smashburger, reduziert auf das Wesentliche. Kein überladener Trendburger, sondern ein Double Cheeseburger, der dem amerikanischen Original möglichst nahekommen soll. Dafür importierten Leutenegger und Kaufmann sogar die Buns und den Senf direkt aus den USA.
Das Potato Bun wird mit Butter auf der Grillplatte angeröstet. Dazu kommt das perfekt gebratene Weidefarm-Patty aus Ballwil sowie Käse, Ketchup, amerikanischer Senf, fein geschnittene rohe Zwiebeln und hausgemachte Gurken-Pickles. Getrunken werden Coca-Cola und Budweiser aus der Dose. «Da gehen gut mal 200 Burger an einem Abend über den Tresen», sagt Kaufmann. Jetzt findet das Pop-up bereits zum dritten Mal vom 13. bis 23. Mai 2026 statt.
Im Schiffscontainer von Saigon bis Luzern
Eine weitere Erfolgsgeschichte ist «Viêt Pop», das ebenfalls in die dritte Runde geht. Die Idee dazu kam Leutenegger auf einer Reise durch Vietnam, wo er eine Faszination für Streetfood entwickelte. Vor allem die Tiefe der Aromen und die Vielfalt der verwendeten Kräuter faszinierten ihn. Auch die Ästhetik des vietnamesischen Streetfoods hatte es ihm angetan. So entschied sich Leutenegger, einen ganzen Schiffscontainer mit Einrichtungsgegenständen zu füllen. Drei Wochen lang suchte er auf Märkten nach passenden Stücken wie Plastikhockern und -tischen, Geschirr, kleinen Gaskochern, Ventilatoren und einem rollbaren Streetfood-Wagen, die anschliessend von Saigon über Rotterdam nach Luzern verschifft wurden.
So wird die ehemalige Metallwerkstatt zu einem belebten vietnamesischen Streetfood-Pop-up. Die Gäste sitzen auf tiefen Plastikhockern aus Saigon, kochen Phở auf Gaskochern und trinken Bier aus mit Eis gefüllten Plastikkübeln. Es ist eng, laut und bewusst chaotisch – ganz so, wie man es von Streetfood-Ständen in Saigon kennt. «Wir möchten, dass sich die Gäste wie in den Ferien fühlen und vollständig in die Welt der vietnamesischen Streetfood-Kultur eintauchen können», sagt Leutenegger.
Hundert Kerzen und Bistro-Charme
Das «Bistrot Éphémère» ist das neueste Pop-up-Konzept aus der Feder von Leutenegger und Kaufmann und findet vom 20. bis 28. März 2026 erstmals statt. Es bildet einen bewussten Gegenpol zu ihren bisherigen Projekten, die oft laut, bunt und schnell daherkamen. Der Name «Éphémère» bedeutet «vergänglich» und steht für ein Konzept, das die Langsamkeit zelebriert. Entsprechend wird die Werkstatt herausgeputzt, weiss eingedeckt und mit silbernen Kerzenständern geschmückt. «Ich freue mich jetzt schon darauf, alle hundert Kerzen anzuzünden», sagt Leutenegger. Auch hier ist alles bis ins Detail durchdacht, denn selbst die Teller wurden eigens produziert und mit dem Namen des Bistros graviert.
Kulinarisch orientiert sich das Pop-up an der französischen Bistroküche, eine Küche, die Kaufmann seit seiner Kochlehre begleitet. Serviert werden einfache, handwerklich präzise zubereitete Tellergerichte wie Œuf Mayonnaise, Pâté de campagne mit Cornichons oder Felchen mit Bohnen und Beurre blanc. Auch bei den Weinen wird Frankreich grossgeschrieben: Champagner, Crémant, Bordeaux und ausgewählte Naturweine prägen die Karte. Es wird bewusst nur ein «Seating» pro Abend angeboten: «Die Gäste sollen Zeit haben, in Ruhe zu essen und bei Rotwein und guten Gesprächen zu verweilen», sagt Leutenegger.
Leutenegger und Kaufmann zeigen, wie sich Pop-ups auch als wiederkehrende Formate etablieren können. Ihr Erfolg liegt dabei wohl nicht zuletzt in der gestalterischen Sprache, mit der sie den Raum inszenieren und Essen, Einrichtung und Atmosphäre eng aufeinander abstimmen.
Le Bistrot Éphémère
20. bis 28 März 2026
bistrot-ephemere.ch
Smaaash!
13. bis 23. Mai 2026
smaaash.ch
Viêt Pop
20 August bis 5. September 2026
vietpop.ch
Adresse:
Werkstatt Augustin
Baselstrasse 52
6003 Luzern