Nicht »berauschend«: VKI testet erstmals Weine ohne Alkohol
Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat erstmals entalkoholisierte Weine getestet. Unzureichende Kennzeichnung und ein ausbaufähiger Geschmack lassen Luft nach oben.
Die weltweite Weinproduktion ist laut der internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) 2024 um beinahe fünf Prozent zurückgegangen – in Österreich sogar um 8,8 Prozent. Immer mehr Menschen verzichten bewusst auf Alkohol, vor allem jüngere, wobei alkoholfreie Alternativen immer gefragter werden. »Der Trend zu alkoholfreiem Wein ist zwar erfreulich«, so VKI-Ernährungswissenschafterin Nina Eichberger. »Bei vielen getesteten Produkten gibt es allerdings noch Luft nach oben.«
Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat in Kooperation mit der Arbeiterkammer Steiermark erstmals entalkoholisierte Weine getestet – darunter Rotweine, Rosé, Weißweine, einen Perlwein sowie aromatisierte alkoholfreie Produkte aus Supermärkten, Onlinehandel und Fachgeschäften. Nur acht von 25 Erzeugnissen wurden dabei mit »gut« bewertet, 14 als »durchschnittlich« und drei als »weniger zufriedenstellend«. Kritikpunkte waren vor allem die unklare Kennzeichnungen und ein ausbaufähiger Geschmack.
»dumpf« & »weinfremd«
Durch die Entalkoholisierung herkömmlicher Weine gehen trotz technischer Fortschritte oft Aromen verloren, die zum Teil durch Zusatzstoffe wie weineigene Aromen, Traubensaft oder Kohlensäure ausgeglichen werden. Geschmacklich würden die getesteten Produkte eher an Traubensaft als an Wein erinnern, ein Wein wurde von der Jury sogar als »dumpf«, »muffig« und »weinfremd« beschrieben. Als Geschmackssieger ging der einzige Perlwein im Test hervor, der Oleada Fizzy-Blanc.
Unklarheiten bei Kennzeichnung
»Acht der getesteten Produkte wirken auf den ersten Blick wie alkoholfreier Wein. Tatsächlich sind es jedoch aromatisierte alkoholfreie Getränke. Begriffe wie Rosé, Pinot Noir, Chardonnay oder Sangiovese, die allesamt an Wein erinnern, tragen ebenfalls zur Verwirrung bei und haben in diesem Zusammenhang Täuschungspotenzial für Konsument:innen«, so Nina Eichberger.
»Oft muss man schon genauer hinschauen, um zu erkennen, welches Produkt man vor sich hat. Das liegt auch daran, dass die gesetzlich vorgeschriebene Sachbezeichnung häufig nur auf der Rückseite oder klein in der Zutatenliste steht«, so Nina Eichberger. »Eine klare und transparente Kennzeichnung auf der Vorderseite sowie umfassende Produktinformationen direkt auf dem Etikett wären daher wünschenswert.«
Als positiv hebt die Ernährungswissenschafterin den geringen Kaloriengehalt hervor, der im Test im Schnitt bei rund 22 Kalorien pro 125 Milliliter lag. Das sind deutlich weniger Kalorien als bei herkömmlichem Wein. Mikrobiologisch waren alle Produkte in Ordnung.
Vielfalt im Vormarsch
Es gibt aber auch Produzenten die beweisen, dass auch hochwertige Weine und Getränke ohne Alkohol möglich sind. Wie vielfältig der Markt bereits ist und wie sich die verschiedenen Getränkekategorien in ihren Grundprodukten und Herstellungsprozessen unterscheiden, zeigte die erste Ausgabe der VieVinum Future Academy im Februar. Dort wurden auch die ersten Austrian ZERO Awards 2025 gekürt.
Auch Falstaff kostete sich im Rahmen der ersten »Alkoholfrei Trophy« durch den Variantenreichtum und zeichnete die besten Wein- und Schaumweinalternativen aus.