Restaurant der Woche: «Soleil d'Or»
Vielversprechend: das neue «Soleil d'Or» in St. Gallen.
Dem Vorgängerrestaurant war kein langes Leben beschieden – vielleicht auch deshalb, weil das «Ikra» nicht wirklich zu St. Gallen gepasst hat. Ob das «Soleil d’Or» passt, dürfte in den kommenden Monaten gewiss eifrig diskutiert werden. Dass die Speisen originell sind, ist unstreitig, dass man hier ein spannendes Projekt verfolgen kann, ebenfalls.
Benjamin Geisser, der Küchenchef, hat das neue Lokal zusammen mit seinem Bruder, dem aus dem Fernsehen bekannten und mit eigenem Kochstudio erfolgreichen David Geisser gestartet. Zwei Ebenen gibt es, mit warm wirkenden Materialien und einer Bartheke, an der man zum Cocktailtrinken Platz nehmen kann. Das sogenannte Märchenmenu brachte allerlei Verspieltheiten mit sich: Kleine Auftakthappen wie «Hans im Glück» oder «Der gestiefelte Kater» erklärten im Nu den Namen der Speisefolge.
Manches funktionierte toll wie das kleine, saftige Stück Gitzi mit knackig-frischem Knollenziest («Die sieben Geisslein») oder die «Hänsel und Gretel» genannte Kombination aus Lebkuchen, weisser Schokolade und Birnensorbet. Beim «Schlaraffenland» kamen sich die Zutaten – Ingwer, Forelle, Mandel, ein Gänselebereis und mehr – allerdings ein bisschen in die Quere, auch bei «Der Fischer und seine Frau» wollte die Küche zu viel: Steinbutt, Romanasalat, Gillardeau-Auster, frische Baumnuss und Oona-Kaviar fanden nicht ganz zueinander.
Ein wenig mehr Fokussierung wünschen wir uns von der Weinkarte, auf der von Champagne Nicolas Feuillatte Rosé bis zum 2006er Riesling G-Max vieles zu finden ist. Eine zu den Gängen passende Weinbegleitung wird – kein Märchen! – vom motivierten Service ebenfalls angeboten.