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© Raphael Diethelm

Rodrigo Vazquez ist der Gewinner von «MasterChef Schweiz» 2024

Wettbewerb
Koch

Vom Hobbykoch zum Meisterkoch – Rodrigo, Gewinner von «MasterChef Schweiz» 2024, spricht über seine Erfahrungen in der Show, seine Inspiration für neue Gerichte und wie der Sieg sein Leben und seine Karrierepläne verändert hat.

Rodrigo Vazquez hat es geschafft: Mit seinem Sieg bei «MasterChef Schweiz» 2024 hat er nicht nur kulinarische Höhen erklommen, sondern auch einen wichtigen Wendepunkt in seinem Leben erreicht. In einem ehrlichen Gespräch gibt er Einblicke in seine Erlebnisse während der Show, die Herausforderungen, die ihn geprägt haben, und seine Vision für die Zukunft. Dabei erzählt er, wie er Inspiration für seine Gerichte findet und was es für ihn bedeutet, nun seiner Leidenschaft fürs Kochen nachzugehen.

Falstaff: Rodrigo, wie hast du nach deinem Sieg gefeiert, und wer war die erste Person, der du die gute Nachricht erzählt hast?

Rodrigo: Die Aufzeichnungen wurden in Mailand durchgeführt, weshalb nach der Verkündung des Sieges und vor der Rückfahrt nach Zürich ganz klar leckeres Essen auf dem Programm stand. An diesem Abend durfte es auch eine gute Flasche Rotwein sein. Die darauffolgenden Tage habe ich persönlich eher Ruhe gesucht.

Die ersten, die über meinen Sieg erfahren haben waren – bereits live aus dem Studio (Kameras OFF natürlich) – meine Eltern via Video-Call. Vor allem meine Mutter ist ein grosser Fan des Formates «MasterChef España» und hat meine Reise bei «MasterChef Schweiz» natürlich wie ein Freak verfolgt.

Wieso hast du dich dieses Jahr entschieden, bei «MasterChef Schweiz» mitzumachen?

Ich verfolge seit vielen Jahren «MasterChef España». Die erste Staffel in der Schweiz habe ich jedoch verpasst, dafür die zweite gespannt verfolgt. Kochen ist und war schon immer eine grosse Passion von mir und bei den Aufgabenstellungen der zweiten Staffel dachte ich, dass ich diese hätte umsetzen können. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits viele Jahre Berufserfahrung im gleichen Unternehmen und wollte schlicht aus meiner Komfortzone ausbrechen.

In welchem Unternehmen?

Ich arbeitete für 15 Jahre bei Swisscom. Meine letzten Rollen waren Team Leader und Projektleiter.

Hat sich deine Erwartung, aus der Komfortzone auszubrechen, bestätigt?

Übertroffen eher. Ich war bereits über die Kontaktaufnahme nach meiner Bewerbung überrascht. Dass man mich fürs Casting hat einladen wollen, war schon ein Highlight, geschweige denn die darauffolgende Zusage als Kandidat von «MasterChef Schweiz» 2024. Ich bin angetreten aus Spass an der Sache und mit einer grossen Portion Neugier. Neue Leute kennenzulernen, welche die Kochpassion ebenfalls teilen, ein Studio live zu erleben, Interviews geben, etc. Dass der Sieg eine Option hätte sein können, habe ich erst in Mailand ab irgendwo Mitte Staffel erkannt. Einen unausgesprochenen Wunsch nach Bestätigung habe ich wohl unbewusst mitgetragen. Auch dieser hat sich bestätigt.

Was war das Schwierigste für dich?

Was über den Bildschirm und für die Zuschauer:innen nur schwer erkennbar ist, ist dass dieses grosse Studio mit den vielen Leuten hinter der Kamera, Licht, Ton, etc. einschüchternd ist. Des Weiteren ist es eine fremde Küche, in der nichts dort steht, wo man es sich gewohnt ist – zuhause ist der Griff zur Pfanne ein Schritt, den man nicht planen muss, er passiert automatisch. Man weiss, wo das Material steht. Die Drehtage sind lang und mit Wartezeit verbunden. Körperlich und mental ist es eine grosse Herausforderung, denn als Kandidat will man vor der Jury – und vor dem ganzen TV-Publikum – nicht blossgestellt werden. Das war mir bei der Anmeldung klar und ich habe in meiner beruflichen Laufbahn auch schon viel herausfordernde Momente erlebt. Trotzdem kann man sich auf diesen Roller Coaster nicht vorbereiten. Den muss man erleben, aushalten, daraus lernen und bestenfalls wachsen.

Was ist dein Ziel, wenn du kochst?

Eine Reaktion wie zum Beispiel «Wow! Wie hast du das gemacht?» Warum sollte man beispielsweise einen Blumenkohl nur kochen dürfen? Gebacken ist er viel geschmacksintensiver. Roh mariniert beziehungsweise gepickelt ist er frisch und leicht. Was würdest du zu einer Blumenkohl Panna-Cotta sagen? Auch verwende ich bei Fleisch ungemein gerne Second Cuts. Nicht nur weil es geschmacklich sinnvoll ist, sondern und vor allem aus moral-ethischen Gründen. Ein Tier besteht nun mal nicht nur aus einem Filet oder Brüstchen. Essen darf überraschen und neu interpretiert sein. Experimentierfreude ist ein grosser Bestandteil in meiner Rezeptkreation und Koch-Lust.

Woher nimmst du deine Inspiration für neue Gerichte?

Ich bin ein analytischer Mensch und meine Gedanken können sich verstricken, wenn die Möglichkeiten schier endlos sind und ich mir nicht ein Fokus setze. Diesen Fokus und die Reduktion auf das aus meiner Sicht einzig in diesem Moment gute und richtige ist die saisonale Küche. Diese schränkt ein, was für mich positiv ist, so kann ich die Auswahl in meinen Gedanken eingrenzen. Die saisonalen Produkte finde ich bevorzugt auf dem lokalen Wochenmarkt. Zu meinem Gemüsehändler an den Stand zu stehen, die Produkte anzuschauen und mich dabei inspirieren zu lassen, ist oftmals der Anfang eines Gerichts. Als visueller Typ finde ich Inspirationen ebenfalls in Kochbüchern, auf Pinterest oder in Foodblogs. Der restliche Aufbau findet in meinem Kopf und Notizbuch statt.

Welches (Sterne-)Restaurant steht auf deiner Bucket List?

«Casa Bernardi» – unter der Führung von Ferdinando Bernardi – in Benissa, einer Provinz von Alicante, Spanien. Unabhängig davon, dass meine Eltern in der Nähe von Alicante leben, widerspiegelt dieses Sterne-Restaurant meine eigene Küche ganz gut. Die Mischung aus Tradition und Innovation mit dem Fundament der italienischen Küche mit lokalen Produkten aus Spanien nominieren dieses Restaurant für meine Bucket List. Im Februar werde ich nach Alicante Reisen und zusammen mit meinen Eltern den Sieg gebührend im Ein-Stern-Restaurant «Casa Bernardi» feiern.

Wie planst du, den Titel als «MasterChef Schweiz» 2024 für deine berufliche Karriere zu nutzen?

Ich habe ein paar Ideen und Pläne für 2025. Die einen sind schon in der konkreten Umsetzung, wozu spätestens im Januar weitere Infos folgen. Weitere Ideen sind Stand heute noch auf meinem Vision Board, welche zum jetzigen Zeitpunkt nicht spruchreif sind. Aus heutiger Sicht ist es deshalb absolut sinnvoll, meinen Social-Media-Kanälen wie Instagram zu folgen, um up to date zu bleiben.

Haben sich deine Pläne für die Zukunft durch deinen Sieg bei «MasterChef Schweiz» geändert?

Ich habe meinem langjährigen Arbeitgeber gekündigt. Somit, ja. Der Titel «MasterChef Schweiz» 2024 hat mein Bewusstsein geschärft. Unsere Lebenszeit ist zu kostbar, um durchschnittlich 1/4 der Woche damit zu verbringen beruflich etwas auszuüben, dass zu einem hohen Mass unstimmig mit unserer Lebensaufgabe ist. Meine Reise als Kandidat bei «MasterChef Schweiz» mag am 17.12.2024 zu Ende gegangen zu sein. Nun startet jedoch meine Expedition in eine teils ungewisse, aber umso spannendere Zukunft, in der ich einen signifikanten Massstab setzen möchte: Tue das, was du liebst.

Danke für das Gespräch, Rodrigo.


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Linda Carstensen
Linda Carstensen
Portalmanagerin Schweiz und Autorin
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