Neunzig der im Consorzio di Tutela dei Vini Etna DOC zusammengeschlossenen Weinproduzenten trafen sich im September dieses Jahres zum vierten Mal zu den Etnadays, die diesmal imPicciolo Golf Resort in Castiglione di Sicilia abgehalten wurden. Über 70 Weinjournalisten aus aller Welt degustierten die 500 vorgestellten Weine und besuchten zahlreiche Weingüter für detaillierte Proben. Ein anspruchsvolles, aber perfekt organisiertes Programm. Maurizio Lunetta, Direktor des Consorziums, sieht u. a. auch in der Kooperation mit dem Concours Mondial de Bruxelles eine Bestätigung für das internationale Niveau, das die Weine des Vulkans in der Weinszene mittlerweile erreicht haben. Folgerichtig wurde in Rom der Antrag gestellt, den Weinen vom Ätna (oder Mongibello, wie ihn die Einheimischen nennen), die nächste Qualitätsstufe, die DOCG, zuzuerkennen.
Das Ätna-Weingebiet umfasste im Jahr 1848 noch unglaubliche 26.000 Hektar. Anfang des letzten Jahrhunderts schrumpfte es auf 680 ha und ist bis 2024 allmählich wieder auf 1347 ha angewachsen. Lag die Anzahl der Weinproduzenten im Jahr 2000 noch bei nur 21, waren es 2020 schon über 120 – mit deutlich steigender Tendenz. Ganz am Anfang der Renaissance stehen die Weingüter Villagrande (gegründet 1727), Murgo (1860), Nicosia (1898), Terra Costantina (1978). 1988 setzte Giuseppe Benanti den Grundstein für die explosionsartige Entwicklung: Weingüter aus Sizilien eröffneten Ableger am Ätna, es folgten Weinproduzenten aus dem übrigen Italien und darüber hinaus ausländische Winzer. Auf der internationalen Bühne erschienen die Weine kurz nach 2000, als der auf dem amerikanischen Markt tätige Weinimporteur Marc de Grazia die Weine des Ätna präsentierte und gleichzeitig mit der Tenuta Terre Nere eine Cantina gründete. De Grazia war in den 80er-Jahren auch der Initiator für den spektakulären Auftritt der Barolo-Boys in den USA, mit dem die Erfolgsstory von Barolo und Barbaresco begann. Mit dem Eintritt von Andrea Franchetti, Gründer der legendären Tenuta di Trinoro in der Toskana, in die Ätna-Weinszene wurde deren Internationalität besiegelt. Die Weine von seinem Gut Passopisciaro wurden von Robert Parker gleich mit satten 100 Punkten geadelt.
Der Ätna (aktuell 3300 Meter hoch, mit einem Durchmesser von 45 km) fasziniert Weinmacher und Konsumenten. Weil er atmet, vibriert, lebt. Für viele ist er eine »Insel auf der Insel«, auf deren Terrassen zwischen den Trockenmauern dank der Temperaturdifferenz zwischen Tag und Nacht Weißweine von enormer Komplexität und Tiefe aus der Rebsorte Carricante und finessenreiche Rotweine aus Nerello Mascalese entstehen. Bei den diesjährigen Etnadays war ein Trend zu Weißweinen auszumachen. Im Auge behalten sollte man die Weißen aus der Gegend um Milo, die als einzige die Bezeichnung Etna Bianco Superiore tragen dürfen.
Von den jährlich erzeugten durchschnittlichen 5,6 Mio. Flaschen gehen 70 Prozent ins Ausland. Hauptmarkt sind die USA, gefolgt von Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und Kanada. Der an sich erfreuliche Hype um die Weine vom Ätna hat zu Preisentwicklungen geführt, die vor dem Hintergrund der aktuellen US-Zölle durchaus zu Absatzproblemen führen könnten.